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Worauf Sie bei Bio-Labels achten können

Wer nachhaltige Früchte und nachhaltiges Gemüse kaufen will, kann sich nebst der Regionalität und Saisonalität an Bio-Labels orientieren. Doch: Bio ist nicht gleich Bio und nicht überall, wo Bio draufsteht, ist gleich viel Bio drin. Wir zeigen Ihnen, in welchen Bio-Labels für Früchte und Gemüse besonders viel Bio drinsteckt.

Schweizerinnen und Schweizer kaufen gern Bio. Der gesellschaftliche Trend hin zu ökologischen Produkten ist schon länger sichtbar und der Bio-Markt wächst stetig. Auch die Corona-Krise tat diesem Wachstum keinen Abbruch – im Gegenteil: durch die Corona-bedingte Schliessung von Restaurants, Kantinen, Take-aways und Co. konsumierten Herr und Frau Schweizer vermehrt zu Hause. Dies hat das Bewusstsein für Bio-Lebensmittel erhöht. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt stieg auf 10.8 %. Insbesondere frische Früchte und frisches Gemüse sind ein Renner.

Für was steht Bio?

Bio-Labels kennzeichnen Produkte, die aus einer getrennten, nachvollziehbaren Wertschöpfungskette stammen und biologisch angebaut und produziert wurden. In der Schweiz legt die Bio-Verordnung (SR 910.18) die gesetzliche Grundlage für die biozertifizierte Produktion und Kennzeichnung. Die Bio-Verordnung definiert die Begriffe «biologisch» und «ökologisch» und legt die Bedingungen fest, unter welchen diese angewendet werden dürfen. Zudem stellt sie die Anforderungen an die biologische Produktion. So wird zum Beispiel sichergestellt, dass keine Chemikalien und gentechnisch veränderte Organismen (GVOs) verwendet werden und dass die gesamte Wertschöpfungskette getrennt ist und regelmässig kontrolliert wird. Es sind 47 Zusatzstoffe, wie natürliche Aromen, erlaubt. In verarbeiteten Lebensmitteln müssen wenigstens 95 % der verwendeten Zutaten aus dem Biolandbau stammen und Biobetriebe müssen mit Ausnahme eines Teils der Dauerkulturen ihre gesamte Fläche biozertifizieren lassen. Es können sich sowohl Biohöfe als auch alle anderen Betriebe entlang der Wertschöpfungskette wie Händler, Restaurants oder Saatguthersteller zertifizieren lassen. Die Produktionsrichtlinien variieren sowohl zwischen den Labels als auch zwischen den Ländern. In der Europäischen Union gilt die EU Bio-Verordnung, welche sich in ihren Grundsätzen kaum von der Schweizer Bio-Verordnung unterscheidet. Jedoch fehlt in der EU Bio-Verordnung die Gesamtbetrieblichkeit. Erzeugnisse, die nach der EU Bio-Verordnung produziert wurden, sind mit dem EU-Biolabel zertifiziert. In der Schweiz gibt es kein derartiges staatliches Bio-Label.

Die unterschiedlichen Labels und deren variierende Inhalte können bei Konsument*innen zu Unsicherheiten und Verwirrung führen. Um einen Überblick zu verschaffen haben wir eine Auflistung mit den in der Schweiz geläufigsten Bio-Labels erstellt.

Bio Suisse Knospe / Bio Knospe

Mit Bio Suisse hat die Schweiz einen Dachverband, der zusätzlich zur Verordnung ergänzende Kriterien festlegt. Produkte, welche nach den Bio Suisse-Richtlinien produziert wurden, werden mit der Bio-Knospe bzw. der Bio Suisse Knospe gekennzeichnet.

Kernanliegen von Bio Suisse sind die Entwicklung und Erhaltung von Natur und Umwelt und die Richtlinien gehen weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. So gibt es beispielsweise Vorschriften zur nachhaltigen Wassernutzung im Ausland, Einschränkungen beim Heizen der Gewächshäuser im Winter und Vorgaben bei der Verpackung. Die Knospe erlaubt zudem nur 34 Zusatzstoffe, sofern diese technologisch notwendig sind. Farb- und Aromastoffe (auch natürliche Aromen) sind verboten.

Der Unterschied zwischen der Bio Suisse Knospe und der Bio Knospe liegt im Detail: Bio Knospe-Produkte dürfen über 10 % der Rohstoffe aus dem Ausland beziehen, wobei Flugtransporte aber verboten sind. Eingeführte Rohstoffe müssen dieselben strengen Knospe-Vorschriften befolgen wie inländische Erzeugnisse – von der Saat bis zum Transport in die Schweiz. Produkte, die mit der Bio Suisse Knospe (mit dem Schweizer Kreuz im Logo) gekennzeichnet sind, müssen zu über 90 % aus Schweizer Rohstoffen bestehen.

Bei Produkte aus der Schweiz wird das Knospe-Logo
durch ein Schweizerkreuz ergänzt.

Coop Naturaplan

Unter dem Eigenlabel der Firma Coop werden Produkte vermarktet, welche sowohl im In- als auch im Ausland die Richtlinien von Bio Suisse erfüllen und in vielen Punkten deutlich über die gesetzlichen Anforderungen des Biolandbaus hinausgehen.
Naturaplan zeichnet sich zusätzlich dadurch aus, dass es im sozialen Bereich sehr hohe Anforderungen stellt. So sind Südprodukte wie Bananen oder Kaffee in der Regel doppelzertifiziert und befolgen neben den Richtlinien von Naturaplan auch diejenigen von Max Havelaar. Das Label ist ausschliesslich in Coop-Filialen erhältlich.

Naturaplan stellt sehr hohe Anforderungen

Migros Bio

Beim Migros-Pendant zu Naturaplan gilt der Knospe-Standard nur für inländische und unverarbeitete Produkte. Bei verarbeiteten Lebensmitteln oder solchen aus dem Ausland werden im Grunde nur die Richtlinien der Bio-Verordnung eingehalten.

Migros Bio orientiert sich bei inländischen
Produkten am Knospe-Standard

Demeter

Demeter ist das älteste Bio-Label und hat weltweite Gültigkeit. In der Schweiz müssen alle Höfe, die unter dem Demeter-Label produzieren, zusätzlich auch Bio Suisse zertifiziert sein. Demeter-Produzierende müssen obendrein bestimmte Vorschriften der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und Verarbeitung einhalten. Auch hat Demeter Richtlinien, die über diejenigen von Bio Suisse hinausgehen. So werden fertige Lebensmittel z. B. nur dann mit dem Demeter-Label ausgezeichnet, wenn sie ganz ohne Hilfsstoffe auskommen und es sind lediglich 16 produktspezifische Zusatzstoffe erlaubt. Die Verarbeitung ist generell strenger und verbietet zum Beispiel Mikrowellenstrahlung, Backtriebstoffe und verdickendes Milchpulver. Im Unterschied zu Bio Suisse kann aber das Flugverbot für importierte Ware in Ausnahmefällen aufgehoben werden. Mit dem Flugzeug transportiere Produkte müssen gekennzeichnet werden. Früher waren Demeter-Produkte vor allem in Hofläden und im Bio-Fachhandel erhältlich. Heute findet man das Label immer häufiger auch in Grossverteilern.

Demeter ist das älteste Bio-Label und folgt
sehr strengen Richtlinien.

Auf was kann ich als Konsument*in achten?

  1. Kaufen Sie, wenn immer möglich, Schweizer Früchte und Gemüse mit Bio-Label.
  2. Achten Sie bei Bio-Früchten und -Gemüse mit aus dem Ausland auf das Herkunftsland. Je weiter der Transportweg, desto höher der CO2-Ausstoss.
  3. Besonders empfehlenswert sind die Labels Demeter, Naturaplan und Bio Knospe bei ausländischen Produkten.
  4. Verzichten Sie möglichst auf mit dem Flugzeug transportierte Früchte und Gemüse.

Bio ist beliebt – einige Zahlen:

• Frisches Gemüse und Früchte sind bei den Bio-Produkten besonders beliebt. So waren 2020 59 % des konsumierten Gemüses und 54 % der konsumierten Früchte biologisch.
• Die Corona-Pandemie war ein regelrechter Booster für den Umsatz von Bio-Produkten. So sind die Lizenzeinnahmen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 12 % gestiegen.
10.8 % betrug der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt im Jahr 2020.
7’623 Biobetriebe waren Ende 2020 in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein registriert.
• In der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein wird eine Gesamtfläche von 172’090 Hektaren biologisch bewirtschaftet. Das sind 16.5 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Weitere Zahlen und Fakten von Bio Suisse finden Sie hier.

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