Der nationale Aktionsplan für den Doubs wird bis 2030 verlängert. Von 51 Massnahmen sind 34 abgeschlossen, neun weitere befinden sich in Umsetzung. Gleichzeitig verzichtet das Bundesamt für Umwelt auf ein gezieltes Zucht- und Erhaltungsprojekt für den vom Aussterben bedrohten Roi du Doubs. Umweltverbände warnen deshalb vor dem endgültigen Verschwinden dieser Fischart aus der Schweiz.
Am Doubs liegen Fortschritt und Verlust derzeit unmittelbar nebeneinander. Seit 2016 setzen der Bund, die Kantone Jura und Neuenburg, Naturschutzorganisationen und der Regionale Naturpark Doubs Massnahmen um, um den ökologischen Zustand des Flusses zu verbessern. Der Zwischenstand per Ende 2025 zeigt dabei mehrere positive Entwicklungen.

Nationaler Aktionsplan bis 2030 verlängert
Von den insgesamt 51 Massnahmen des nationalen Aktionsplans sind 34 abgeschlossen, neun befinden sich in Umsetzung. Regelmässige Messungen weisen auf eine gute bis sehr gute Wasserqualität hin. Auch die Auswirkungen der Wasserkraftnutzung konnten reduziert werden: Der Doubs leidet laut Bundesamt für Umwelt heute nicht mehr unter den früheren Schwall-Sunk-Effekten. Zudem wurden die Mündungsbereiche von fünf Nebenflüssen revitalisiert. Dort entstehen neue Lebensräume für Fische und andere Wasserorganismen.
Noch nicht gelöst ist dagegen die fehlende Durchgängigkeit des Flusses. Die Hindernisse bei den Schwellen von Ocourt und Bellefontaine sollen in den kommenden Jahren beseitigt werden, damit Fische den Doubs wieder vollständig durchwandern können. Auch bei der Abwasserreinigung sind weitere Verbesserungen geplant. Die Kläranlage La Chaux-de-Fonds wurde bereits für die Entfernung von Mikroverunreinigungen ausgerüstet. Eine neue Anlage in Le Locle soll zusätzliche Entlastungen bringen.

Weil mehrere Massnahmen noch nicht abgeschlossen sind, haben das BAFU und die Kantone Jura und Neuenburg beschlossen, den Aktionsplan bis 2030 weiterzuführen. Der Bund will die Arbeiten über bestehende Finanzierungsinstrumente für Gewässerrevitalisierungen, die ökologische Sanierung der Wasserkraft und den Ausbau von Abwasserreinigungsanlagen unterstützen.
Kein Erhaltungsprojekt für den letzten Schweizer Bestand
Für den Roi du Doubs, auch Rhone-Streber oder Apron genannt, kommt diese Verlängerung jedoch möglicherweise zu spät. Die streng geschützte Fischart lebt in der Schweiz ausschliesslich im Doubs. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf das Rhonebecken und seine Nebenflüsse beschränkt. Der Fisch gilt als eine der am stärksten gefährdeten Wirbeltierarten Europas.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist der Bestand im Doubs stark zurückgegangen. Bei den Erhebungen im Jahr 2020 wurde kein einziges Tier gefunden. 2023 konnte nur noch ein Weibchen nachgewiesen werden. Dieses Tier, das den Namen Océane erhielt, wurde für Zuchtversuche mit Männchen aus einer französischen Population eingesetzt.

Eine Machbarkeitsstudie untersuchte anschliessend, ob ein Zucht- und Erhaltungsprojekt für den Roi du Doubs umgesetzt werden könnte. Das Ergebnis: Ein solches Projekt wäre technisch grundsätzlich möglich, sein Erfolg jedoch unsicher. Das BAFU beurteilt die Erfolgsaussichten als zu gering und hat deshalb entschieden, auf das Projekt zu verzichten. Die verfügbaren Mittel sollen stattdessen in die Verbesserung von Lebensräumen und in die Förderung der Biodiversität am Doubs oder an anderen Orten in der Schweiz fliessen.
Umweltverbände kritisieren den Entscheid
Der Schweizerische Fischerei-Verband, Pro Natura und der WWF Schweiz kritisieren diesen Entscheid scharf. Sie weisen darauf hin, dass in den Jahren 2025 und 2026 keine neuen Suchaktionen durchgeführt wurden. Damit sei die Möglichkeit verpasst worden, weitere Tiere zu finden und ein Rettungsprogramm aufzubauen.
Sollte Océane sterben, dürfte der Roi du Doubs in der Schweiz endgültig verschwunden sein. Unklar ist zudem, was mit den Jungfischen aus den drei Reproduktionen geschehen soll. Sie tragen einen Teil des für den Doubs spezifischen Erbguts und könnten damit für den Erhalt der Schweizer Population von Bedeutung sein.
«Das bevorstehende Aussterben des Roi du Doubs ist kein Einzelfall. Es zeigt, was geschieht, wenn Schutzprogramme über Jahre verzögert und zu langsam umgesetzt werden. Die Schweiz muss jetzt handeln, bevor weitere Arten aussterben.»
David Bittner, Geschäftsführer des SFV
Ein Warnsignal für das gesamte Ökosystem
Der Roi du Doubs ist nicht nur wegen seiner Seltenheit bedeutend. Die Art stellt hohe Ansprüche an ihren Lebensraum und kann deshalb als sogenannte Schirmart betrachtet werden. Von ihrem Schutz profitieren auch andere Tiere und Pflanzen im selben Ökosystem.

Der bodenlebende Fisch benötigt kühles, sauerstoffreiches Wasser, kiesige Flusssohlen und eine abwechslungsreiche Strömung. Seine Eier legt er auf Kiesflächen ab. Die Verdichtung des Flussbetts, fehlender Geschiebetransport, Hindernisse und Veränderungen des Wasserhaushalts beeinträchtigen deshalb nicht nur den Roi du Doubs, sondern zahlreiche weitere Wasserlebewesen.
Das Schweizer Smaragdgebiet Clos du Doubs/Saint-Ursanne beherbergt laut «Doubs vivant» 259 national prioritäre Arten. 67 davon gelten als Arten mit hoher bis sehr hoher Priorität. Der Schutz des Roi du Doubs steht damit stellvertretend für die Frage, ob es gelingt, den gesamten Lebensraum Doubs langfristig wieder ökologisch funktionsfähig zu machen.
Der verlängerte Aktionsplan schafft dafür zusätzliche Zeit. Für den letzten Schweizer Roi du Doubs könnte diese Zeit allerdings bereits knapp bemessen sein.



