Start News Politik Klimarating: Schweiz stürzt 28 Ränge ab

Klimarating: Schweiz stürzt 28 Ränge ab

In der Kategorie nationale Klimapolitik des neuen Klima-Ländervergleichs fällt die Schweiz um 28 Ränge auf den 51. Platz zurück. Grund dafür ist die klaffende Lücke in der Klimapolitik nach dem Scheitern des CO2-Gesetzes an der Urne.

Insgesamt liegt die Schweiz auf Rang 15 von 61 Ländern. Skandinavische Länder oder beispielsweise Grossbritannien und Marokko machen alle mehr als die Schweiz für den Schutz unserer Lebensgrundlagen, wie WWF Schweiz in einer Medienmitteilung berichtet. Mit der Revision des Energiegesetzes und CO2-Gesetzes sowie mit der Umsetzung der Gletscherinitiative hat es die Schweiz in der Hand, das Ruder herumzureissen. Auch anstehende kantonale Abstimmungen, wie das Energiegesetz in Zürich, sind dringend notwendig.

 «Der Beitrag der Schweiz zur Erhaltung eines stabilen Klimas ist derzeit praktisch gleich null. Die Schweiz kommt ihrer internationalen Verpflichtungen nicht nach, und setzt damit die Bevölkerung dramatischen Folgen der Klimaerhitzung aus. Als reiches Land muss und kann sie mehr tun.»

Patrick Hofstetter, Klimaschutzexperte beim WWF Schweiz

Bei erneuerbaren Energien und Klimapolitik ungenügend

In der Kategorie nationale Klimapolitik des neuen Klimaschutz-Index von Germanwatch und NewClimate Institute stürzt die Schweiz von Rang 23 auf Rang 51 ab. Nach dem Scheitern des CO2-Gesetzes an der Urne letzten Juni hat die Schweiz schlicht keinen Umsetzungsplan für ihre internationalen Verpflichtungen. In der Kategorie «Erneuerbare Energien» zeigt die Schweiz eine mittlere Leistung. Da sie viel Wasser- und Atomkraft im Strommix hat, schneidet sie automatisch gut ab. Doch der Fortschritt bleibt klar ungenügend.

Drei konkrete Schritte aus der Sackgasse

Die Schweiz braucht dringend eine nationale Klimapolitik, die ihre Bevölkerung schützt, statt bedroht. Der Weg ist klar, die Gelegenheiten zahlreich:  

  • Bei der Revision des Energiegesetzes gilt es, eine umweltverträgliche Energieversorgung anzustreben. Das heisst: massiver Ausbau der Solarenergie, ein konsequenter Einsatz für mehr Energieeffizienz und die Sanierung der bestehenden Wasserkraftanlagen. 
  • Bereits am 15. November kann die Umweltkommission des Ständerates die Erarbeitung eines griffigen indirekten Gegenvorschlags zur Gletscherinitiative unterstützen. So würden wenigstens für einzelne relevante Sektoren griffige Instrumente eingeführt, die aktuell fehlen. Um die international verpflichtenden Klimaziele der Schweiz und die Ziele der Gletscher-Initiative zu erreichen, müssen jedoch in allen Sektoren die Emissionen rund dreimal schneller reduziert werden, als dies bis anhin der Fall ist.
  • Auch die kantonale Politik ist von grosser Relevanz. Am 28. November stimmen Zürcher:innen über das kantonale Energiegesetz ab. Das Gesetz sieht vor, dass die Öl- und Gasheizungen am Ende ihrer Laufzeit durch klimafreundliche Wärmesysteme ersetzt werden. Der WWF steht entschlossen hinter dem Ja. In unserem Artikel Ja zum Zürcher Energiegesetz erfahren Sie mehr darüber.

«Massiver Ausbau der Solarstromproduktion, strenges inländisches Klimaziel bis 2030, rascher Ersatz der Öl- und Gasheizungen durch klimafreundliche Alternativen – diese Schritte in der kantonalen und nationalen Klimapolitik sind dringend nötig – und hoch aktuell.»

Patrick Hofstetter, Klimaschutzexperte beim WWF Schweiz

Plätze 1 bis 3 bleiben frei

Auch weltweit sind die Resultate beängstigend. Die Plätze 1 bis 3 bleiben erneut frei, da sich noch kein Land tatsächlich auf einem 1,5 Grad-Pfad befindet. Dänemark, Schweden und Norwegen belegen vor allem dank grosser Fortschritte bei den Erneuerbaren Energien und guter Klimapolitik die Ränge 4 bis 6. Sie setzen im grossen Stil auf Windenergie. Und sowohl Norwegen wie auch Dänemark haben sich  zum Ziel gesetzt, ihre Inlandemissionen um 70 Prozent gegenüber von 1990 bis 2030 zu reduzieren. Schlusslichter des Rankings sind Kasachstan und Saudi-Arabien.

Informationen zum Klimaschutz-Index:

Der Klimaschutz-Index von Germanwatch und NewClimate Institute bewertet die Klimaschutz-Fortschritte der 61 grössten Emittenten. Diese Länder machen zusammen 92 Prozente der globalen Treibhausgasemissionen aus. Die Bewertung erfolgt in vier Kategorien: Treibhausgasemissionen, Erneuerbare Energien, Energienutzung und nationale/internationale Klimapolitik. Im diesjährigen Klimaschutz-Index landet die Schweiz auf Platz 15. Vor einem Jahr stand sie auf Platz 14. Wie im letzten Jahr zeigt sie eine hohe Leistung in den Kategorien Treibhausgasemissionen und Energienutzung. Doch diese Resultate sind mit grosser Vorsicht zu geniessen. Denn sie berücksichtigen die grauen Emissionen nicht, also die Emissionen, die durch den Import von Gütern entstehen. Diese sind für ein reiches Land wie die Schweiz rekordhoch.

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