Das saubere Wasser aus unseren Hähnen ist ein kostbares Gut, das wir oft für selbstverständlich halten. Doch diese Sicherheit ist akut bedroht. Während Pestizide, langlebige Chemikalien wie PFAS und andere Schadstoffe unsere Grundwasser-Reserven belasten, werden im Bundeshaus gleichzeitig politische Vorstösse diskutiert, die den Schutz unserer Gewässer lockern. Ein breites Bündnis aus Umweltorganisationen, Ärzteschaft und Wissenschaft schlägt Alarm und hat einen Appell für konsequenten Trinkwasserschutz lanciert.
Rund 80 Prozent des Schweizer Trinkwassers stammt aus Grundwasser und der Rest aus Quellen und Seen. Die natürlichen Filter durch Bodenschichten liefern normalerweise Wasser in bester Qualität. Doch diese sensiblen Reservoire sind zunehmend unter Druck. Pestizide und deren Abbauprodukte werden in über der Hälfte der Grundwasser-Messstellen nachgewissen. Langlebige Industriechemikalien, sogenannte PFAS, Nitrat aus der Landwirtschaft sowie Arzneimittel- und Kosmetikrückstände gelangen persistent in den Kreislauf. Diese Stoffe bauen sich nur langsam ab, reichern sich in der Umwelt an und gefährden so langfristig die Qualität unserer wichtigsten Lebensgrundlage. Die Folgen sind bereits heute messbar: Im Mittelland trinken eine Million Menschen Wasser, das mit Pestiziden belastet ist.
Gesundheit und Natur leiden
In der Natur richten solche Einträge grossen Schaden an. Sie beeinträchtigen Wasserorganismen, reduzieren die Artenvielfalt und stören ganze Nahrungsnetze und Ökosysteme. Somit gefährden sie die natürlichen Lebensgrundlagen insgesamt. Doch die Bedrohung ist nicht nur ökologisch, sondern auch medizinisch höchst relevant. Schadstoffe im Trinkwasser stehen im Verdacht, hormonelle Prozesse zu stören und können so zu Fortpflanzungsstörungen oder einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten beitragen.
Politik schwächt Schutz statt ihn zu stärken
Besonders alarmierend ist die aktuelle politische Entwicklung. Statt die seit Jahren bekannten Probleme anzugehen und das Vorsorgeprinzip zu stärken, werden laufend Vorstösse eingebracht, die Schutzbestimmungen aushebeln. Dazu gehören weniger strenge Vorgaben für bestimmte Stoffe, Ausnahmen bei Schutzbestimmungen für Gewässer und die bewusste Nicht-Einführung von notwendigen Grenzwerten, beispielsweise für das hochgiftige Insektizid Deltamethrin. Bei Deltamethrin handelt es sich um ein synthetisches Insektizid, das als Nervengift wirkt und bei Insekten, Fischen und anderen aquatischen Organismen zu Lähmungen und zum Tod führt. Die Toxizität ist so hoch, dass ein einziger Tropfen einen ganzen Bach vergiften kann.
«Damit dürfen wir uns nicht abfinden, sondern müssen jetzt handeln!», so die klare Botschaft der Initiative. Die beschlossene Reduktion von Pestiziden werde nur unzureichend umgesetzt, während neue Lockerungen die Situation weiter verschärften.
Appell an Bundesrat und Parlament: Handeln Sie jetzt!
Vor diesem Hintergrund fordert die Allianz Gesundes Wasser mit dem Trinkwasser-Appell Bundesrat und Parlament mit Nachdruck auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und der natürlichen Lebensgrundlagen muss eindeutig Vorrang vor kurzsichtigen Interessen haben.
Der Appell wird von namhaften Organisationen wie Pro Natura, den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz, Aqua Viva, dem Schweizerischen Fischerei-Verband, der Stiftung für Konsumentenschutz, dem WWF Schweiz, der Kleinbauern-Vereinigung und vielen weiteren sowie von zahlreichen renommierten Expertinnen und Experten unterstützt.
Unterstützen Sie den Appell und fordern Sie die Politik auf, den Gewässerschutz konsequent für unsere Gesundheit, für die Natur und für die Generationen nach uns zu stärken.





Das Anligen um sauberes Trinkwasser ist noch viel wichtiger als hier dargestellt. Stellen Sie sich vor, wir müssen, wie vielerorts im Ausland, stets Wasser abkochen oder Mineralwasser für tägliche Bedürfnisse wie Trinken, Zähne Putzen u.a. verwenden. Ich hab das erlebt und bin immer wieder dankbar gewesen, Schweizer Wasser vom Hahnen trinken zu können. Was ich nun befürchte, dass das in Bern auf taube Ohren stösst. Wer kennt nicht die Standarte: «…der Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf»