Start Hintergrund Wissen Paulownia – Problembaum der Zukunft im Schweizer Wald?

Paulownia – Problembaum der Zukunft im Schweizer Wald?

Wunderschön blüht die Paulownia im Frühling in Parkanlagen. Neue Daten zeigen jetzt aber, dass sich die aus China stammende Art auch in den Wäldern am Ausbreiten ist. Und somit im Wald wohl schon bald zum Neophyten-Problem wird.

«Hoffnungsträger aus Fernost?» war die Überschrift eines Artikels zur Paulownia (Paulownia tomentosa) einer deutschen Forschungseinrichtung. Gelobt wurden die Holzeigenschaften und das schnelle Wachstum. Die Paulownia – oder mit anderem Namen der Blauglockenbaum – wächst so rasch wie kaum eine andere Baumart. Pro Jahr kann sie bis zu vier Meter in die Höhe schiessen! Diese Eigenschaften können als «Hoffnung» für den Waldbau interpretiert werden, viel mehr sprechen sie aber dafür, dass die Paulownia sich zu einer invasiven Art entwickeln wird.

Kräftige Jungpflanzen der Paulownia haben einen jährlichen Zuwachs von bis zu 4 m Höhe.

Bis vor Kurzem war die Paulownia schweizweit nicht sehr häufig. Sie kam ausschliesslich im Siedlungsgebiet vor. Dort wurde sie als Parkbaum geschätzt, nicht nur wegen ihrem schnellen Wachstum, sondern auch wegen der blauen Blütenpracht im Frühling. Ein Blick auf die Verbreitungskarten von infoflora zeigt aber eine unglaubliche Dynamik. Etwa im Tessin: Vor 2003 gab es nur Nachweise aus zwei Quadraten. Seither wurde die Art in 46 Quadraten nachgewiesen. Ist das Tessin – wie so oft bei invasiven Neophyten – auch bei dieser Art der restlichen Schweiz einen Schritt voraus?

Um diese Frage zu klären, unternehmen wir einen Ortswechsel ins Zürcher Limmattal: Am Südhang des Gubrists liess die Sektion Biosicherheit des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) die Paulownia-Vorkommen kartieren. Die Projektleiterin Bianca Saladin sagt: «Für uns ist es wichtig zu wissen, ob die Art schon weit verbreitet ist». Denn bis jetzt gebe es nur wenige Fundmeldungen aus den Wäldern, obwohl die Art im Siedlungsgebiet weit verbreitet sei, führt sie aus. 

Gefunden wurden bei der Kartierung weit mehr Blauglockenbäume als gedacht: 120 Bäume wurden auf den untersuchten 45 Hektaren gefunden. Die meisten der erfassten Pflanzen waren erst wenige Jahre alt. Aber auch ältere Bäume wurden gefunden: Fast 20 Bäume hatten bereits Samen oder Blütenknospen gebildet. Und das könnte zum grossen Problem werden: Eine einzige Paulownia kann jährlich bis zu 20 Millionen Samen produzieren. Die feinen Samen können mit dem Wind über weite Distanzen verteilt werden. Wenn die Samen dann auf günstigen Boden fallen, keimen schon bald junge Paulownien. Genauso ist es wahrscheinlich am Gubrist passiert: In Parkanlagen im umliegenden Siedlungsgebiet wachsen zwei alte Bäume – diese standen wohl am Anfang der Verbreitung.

Schon weit verbreitet: Die Blauglockenbäume in den untersuchten Waldstücken.

Bis anhin wurde davon ausgegangen, dass die Paulownia vor allem auf Pionierstandorten gedeiht. Die Erhebung am Gubrist zeigt nun aber, dass auch kleine Lichtungen im Wald besiedelt werden können. Dank ihres raschen Wuchses stellt diese invasive Art eine grosse Konkurrenz für die einheimische Vegetation dar. Mit den in der Jugendphase gigantisch grossen Blätter stellt sie buchstäblich alle anderen in den Schatten. Damit wird sie in den Wäldern wohl sehr rasch zum grossen ökologischen Problem.

Paulownia-Keimlinge im Wald
Dicht wachsende Keimlinge der Paulownia (Blauglockenbaum) im Wald

Nochmals ein Szenenwechsel zurück in die Siedlung: Auch hier fällt der Blauglockenbaum in jüngerer Zeit negativ auf. Die flugfähigen Samen landen oft in Ritzen von Mauern oder Verbauungen. Dort können die schnellwachsenden Bäume erhebliche Schäden anrichten. Und auch hier nehmen die Probleme zu, wie ein Neophytenbekämpfer erzählt: «Vor zwei Jahren haben wir erst zwei Paulownien entlang der Zürcher Gleisanlagen entfernt». Im letzten Jahr seien es auf der gleichen Fläche schon rund 50 Pflanzen gewesen.

Alle Hinweise deuten in die gleiche Richtung: Die Paulownia dürfte erst ganz am Anfang ihrer Ausbreitung stehen. Ohne wirksame Gegenmassnahmen hat sie das Potential, fast sämtliche Waldtypen im Schweizer Mittelland zu besiedeln. 

3 Kommentare

  1. Was für ein Blödsinn! Wir haben auf unserem Land in Frankreich auch eine alte Pawlownia und freuen uns jedes Jahr an der wunderbaren Blütenpracht! Das sie sich üppig weiterverbreitet ist unwahrscheinlich! Wie kann man nur so stur sein und vor diesem herrlichen Baum warnen!
    Ausserdem haben wir hier in Frankreich eine Biodiversität
    die man sich in der Schweiz nicht vorstellen kann ! Madaillan 47360!!!!! Die meisten der Bauern sind Biobauern und spritzen keine Pestizide, Insektizide, Herbizide , kein Glyphosat, keine Jauche!!!
    Wäre es nicht an der Zeit für den Schweizer Naturschutz auf diese Probleme hinzuweisen ,- statt wertvolle Zeit und Geld mit solchen sinnlosen Artikeln zu verplempern?

  2. In welchem Fall schreiben und publizieren “sinnlos” ist und lediglich “verplempern von wertvoller Zeit und Geld”, ist natürlich auch eine Frage der Perspektive. Ich teile die Freude über die wunderbare Blütenpracht der Paulownia und jene über die Biolandwirtschaft mit Ihnen, ohne aber darob den Verstand zu verlieren und Kraut und Rüben zu vermischen. Was die Wahrscheinlichkeit der Verbreitung des Baums in den Wäldern angeht, würde ich jetzt nicht in erster Linie auf Ihre Expertise abstelle. Vielleicht lesen Sie den Text nochmals, um sicher zu gehen, ob Sie ihn auch verstanden haben.

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