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Neuentdeckungen und Vermisstmeldungen

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Was für ein Gartenjahr … Etliche neue Insekten tauchten auf, welche ich nie zuvor in unserm Garten angetroffen hatte! Hier einen Rückblick auf die Höhepunkte meiner Beobachtungen und gleichzeitig auch eine Vermisstmeldung der Tiere, die mit ihrer Abwesenheit auf sich aufmerksam machten.

Im August sass eines Morgens diese Heuschrecke auf dem verblühten Peterli. Am kommenden Tag sass sie immer noch da, unverändert. Nun begann ich zu recherchieren. Es war die Vierpunktige Sichelschrecke – eine wärmeliebende, mediterrane Art, die sich neuerdings nördlich der Alpen auszubreiten scheint. In Zürich wurde sie bis anhin noch nicht «registriert».

Vierpunktige Sichelschrecke auf einer Blüte.
Vierpunktige Sichelschrecke. © Christine Dobler Gross

Letztes Jahr hatte ich das Glück, die Langflügelige Schwertschrecke, ebenfalls eine Neuentdeckung, bei der Eiablage in einen Halm zu beobachten, ich stelle sie im Wanzenblog vom September 2017 vor. Diesen Halm mit den Eiern hütete ich seither wie meinen Augapfel, auf dass ich ihn nicht ausversehen abschnitt oder sonstwie beschädigte.

Eine Schrecke legt auf einem Ästchen Eier ab.
Langflügelige Schwertschrecke bei der Eiablage. © Christine Dobler Gross

Zu meiner grossen Freude begegnete ich Ende Mai dieses Jahres der Larve dieser für unsern Garten ungewöhnlichen Heuschrecke ganz in der Nähe des besagten Halmes, unverwechselbar mit ihrem schwarzen Streifen auf dem Rücken. Wenn das kein handfestes Argument ist, Bereiche über Winter auf jeder Grünfläche stehen zu lassen?!

Larve der Langflügeligen Schwertschrecke.
Larve der Langflügeligen Schwertschrecke. © Christine Dobler Gross

Aber auch an der kleinen senkrechten Lösswand in der Holzkiste, beliebter Nistplatz der Pelzbienen, tat sich aufregendes diesen Mai: plötzlich wuchs da aus der Lehmwand eine Röhre, welche schon bald von einer Wespe besucht wurde – sie war soeben am Bauen dieses Gebildes- wozu dieser Nestzugang wohl dienen mag?

Eine Schornsteinwespe baut einen Lehmturm.
Schornsteinwespe Odynerus spinipes. © Christine Dobler Gross

Der Mai hatte es in sich: zum ersten Mal tauchte ein Trauermantel im Garten auf – er umflatterte beinahe während einer ganzen Stunde die Krone der Birke , um dann auf dem Fenstersims auszuruhen. Ob der Falter Eier auf der Birke abgelegt hat? Der Trauermantel kommt eigentlich vor allem in Laubwäldern, bis auf 2000 m.ü.M. vor.

Ein Trauermantel auf dem Fenstersims.
Trauermantel. © Christine Dobler Gross

Am 23. Juni entdeckte ich seltsame gelbe Gebilde im Gartenbeet.

Seltsame Gebilde im Garten.
Seltsame Gebilde. © Christine Dobler Gross

Die Herkunft war schnell ausgemacht: zwischen den Stauden, unter dem Moos und an mehreren anderen Stellen im Garten war das Moos aufgerissen und es lagen Nestteile, Honigtöpfe der Hummeln, am Boden.

Im Garten sieht man aufgerissene Moosstellen.
Aufgerissene Moosstellen. © Christine Dobler Gross

Schnell wurde klar: hier hatte ein unbekannter Räuber sich an Hummelnestern verköstigt und wurde dann wahrscheinlich dabei gestört. Ein Dachs, ein Marder, ein Fuchs oder sonst ein Tier? Einige Hummeln krochen noch auf den Neststücken herum.

Eine Hummel kriecht auf dem kaputten Hummelnest herum.
Einige Hummeln krochen noch auf den Nestteilen herum. © Christine Dobler Gross

Dieses Ereignis brachte zu Tage, dass im Garten Hummelnester im/unter dem Moss zwischen den Staudenpflanzen angelegt werden, was mir bisher verborgen geblieben war! Ein Naturgarten ist immer für Überraschungen gut.

Hummel kriecht auf kaputtem Hummelnest herum.
Verstreute Hummelnestteile im Garten zogen viele Insekten an. © Christine Dobler Gross

Verschiedene Tiere waren sofort zur Stelle und profitierten von diesem Ereignis, so zum Beispiel Wespen, Ameisen, Motten…

Eine Ameise trägt einen Hummelkopf herum.
Eine Ameise hat sich einen Hummelkopf ergattert. © Christine Dobler Gross
Eine Wespe sitzt auf dem Hummelnest und leckt Neckar.
Eine Wespe leckt am süssen Nektar. © Christine Dobler Gross
Wachsmotte auf dem Hummelnest.
Eventuell eine Wachsmotte? © Christine Dobler Gross

Eine Freundin, welche an einem Tag unserer Abwesenheit den Garten besuchte, packte beherzt einen Gitterkorb, um die Reste eines grösseren Neststückes zu schützen. Die Hummeln fuhren tatsächlich damit fort, ihre Nestreste weiter auszubauen, so hatte ich eine tolle Beobachtungsmöglichkeit.

Ein Gitter im Garten soll die Nestreste schützen.
Ein beherzter Schutzversuch. © Christine Dobler Gross

Leider gibt es auch einige Vermisstmeldungen: Die blaue Holzbiene liess sich zwar im Frühsommer noch an Muscatellersalbei und an den Platterbsen, die ich beide in grosser Zahl für sie angepflanzt hatte, blicken, aber sie wählte dieses Jahr keines der Tothölzer zum Nisten aus, im Gegensatz zu letztem Jahr.

Eine blaue Holzbiene hängt in einer Blumenblüte.
Die blaue Holzbiene. Wo sie wohl dieses Jahr genistet hat? © Christine Dobler Gross

Wo sind die Admirale geblieben, welche jährlich in grosser Zahl an den reifen Trauben und am blühenden Efeu nippen? Admiralraupen fressen ausschliesslich an Brennesseln… sie dürfen in unserm Garten wachsen.

Ein Admiral sitzt auf einer Blüte.
Keine Admirale dieses Jahr in unserm Garten. © Christine Dobler Gross

2018 blieb bis anhin auch der Igel aus. Viele kalte Betten im ganzen Garten… das ist seit vielen Jahren das erste Mal. Ob die seit 2017 dichten Grenzen zum Nachbarsgarten wegen den Hunden da eine Rolle spielen? Mir fällt allgemein auf, dass Igel, wohl meist unbeabsichtigt, ausgesperrt werden durch dichte Zäune ohne Lücken. Ich werde eine Lösung suchen müssen. Dass Igel generell in unserm Quartier und anderswo zurückgehen, ist noch nicht abschliessend geklärt.

Igel schaut aus einer Lücke im Holzzaun.
Der Igel fand bis anhin immer eine Möglichkeit, in den Garten zu gelangen. © Christine Dobler Gross

Ebenfalls sehr auffällig, und dies nicht nur im eigenen Garten, ist das Fehlen der Gartenkreuzspinne, die sonst ab Juli an verschiedenen Stellen, vor allem beim insektenreichen Kompost, ihr schönes Radnetz baute.

Gartenkreuzspinne hängt von einem Grashalm.
Gartenkreuzspinne im Spätsommer 2017. © Christine Dobler Gross

Ich erahne, befürchte bei solchen Beobachtungen, dass sich die fehlenden Insekten, welche auch bei uns in der Schweiz in den letzten Jahren um 70 Prozent zurückgegangen sind, da und dort bemerkbar machen…

6 Kommentare

  1. Was für erstaunliche Einblicke du uns immer wieder in die Natur hinter dem Haus gewährst! Auch in die Leerstellen, leider. Die oft unscheinbaren Abwesenden vermisst nur, wer sie kennen gelernt hat, das verdanken wir auch den anschaulichen Berichten von deinen Beobachtungen. Die Ameise mit dem Hummelkopf erinnert mich an Auslagen von Schlachttierköpfen in Gegenden, wo sich die Spur zur Herkunft des Fleischangebots noch nicht in der Mühle verliert.

  2. Danke für den Gartenbericht! Zu den Heuschrecken möchte ich noch anmerken, dass ich hier in der Nordwestschweiz seit einigen Jahren ebenfalls die Vierpunktige Sichelschrecke beobachte, aber leider fehlen gleichzeitig die Kurzfühlerschrecken, die früher im Mitteland sehr häuffig waren.

  3. Lese den Blog auf der Insel Hiiumaa in Estland. Hier gibt es noch viel wilde Natur, jedoch entdeckte ich bis jetzt keinen Naturgarten. Viel gut getrimmter Rasen, dicht behangene Apfelbäume und ein Polytunnel mit Tomaten etc. finden sich hinter jedem Zaun. Ob die Gärten hier auch Zufluchtsorte sind, wie deine Zürcheroase? Gutes Dranbleiben.

  4. Und noch für speziell Interessierte: es waren Nester der Veränderlichen Hummel Bombus humilis. Eine ursprünglich verbreitete Art, aber sie erträgt in ihren oberirdisch gebauten Nestern in der Krautschicht oder im Moos keine übermässige Pflege ihrer Lebensräume mit Trimmern, Fadenmähern, Rasenrobotern und ist deshalb am Zurückgehen.

  5. Liebe Christine
    Über die Glühwürmchen bin ich auf deinen höchst spannenden Bericht gekommen. Die Glühwürmchen sind, so meldet Pro Natura soeben, Tier des Jahres 2019. Da habe ich nach neuen Berichten von Andreas Diethelm gesucht … und bin in eurem prächtigen Garten gelandet. Deine Kenntnisse der Flora und Fauna sind gross. Ich habe zwar zahlreiche Bücher, aber trotzdem ist eine Hummel für mich einfach eine Hummel, den Trauermantel kenne ich, habe ihn bei uns aber schon lange nicht mehr gesehen.
    Ich muss wohl häufiger deine Berichte lesen!
    Herzliche Grüsse
    Heidi

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