Es gibt keine Ausrede: Auch im Winter gibt es genügend Gründe, draussen zu sein. Wir stellen acht davon vor.
Wir alle wissen, dass uns Zeit draussen in der Natur gut tut. Doch in der dunkleren Jahreszeit kann es besonders im mehr grauen als weissen Flachland schwer fallen, Motivation zu finden raus zu gehen. Besonders im Winter, wenn unser Immunsystem speziell gefordert ist und wir generell müder sind als im Sommer, profitieren wir aber von der frischen Luft. Deshalb kommen hier acht Gründe, die motivieren nach draussen zu gehen.
Federfreunde beobachten
Der Winter eignet sich besonders gut für Vogelbeobachtungen. Nicht nur sind Bäume kahl und die Vögel daher gut zu sehen. Die Schweiz ist dank ihrer vielen Seen und Flüsse auch ein Winterparadies für viele Wasservögel. Beispielsweise die Lachmöve ist ein Wintergast bei uns. Für Wasservögel besonders wichtig sind der Boden-, Neuenburger- und Genfersee. Aber auch im Vierwaldstätter- und Zürichsee sowie entlang der grossen Flüsse wie Aare, Rhein, Reuss und Limmat, lassen sich viele Vögel beobachten. Doch es braucht nicht unbedingt am Gewässer zu sein: Auch im Garten oder Park, finden sich viele Vögel im Winter. Dort findet sich beispielsweise das allbekannte Rotkehlchen, der Kleiber, die Amsel, verschiedene Meisen oder mit etwas Glück auch der kleinste Vogel Europas: das Wintergoldhähnchen. Also los: einen Feldstecher schnappen und ab nach draussen!

Das Königreich der Moose
Falls es mit den Vögeln nicht klappt, dann ganz bestimmt mit Moosen. Die faszinierende Welt der Moose wird oft übersehen, obwohl sie überall anzutreffen ist: im Wald genauso wie an Wegrändern oder auf Bäumen im Garten. Im Winter, wenn noch wenig Schatten von anderer Vegetation fällt und der Niederschlag hoch ist, hat Moos die ideale Voraussetzungen zum Gedeihen. Wer genau hinschaut wird ganze Landschaften entdecken. Im Winter werden die Moosteppiche oft von ihren Sporophyten mit der Samenkapseln überragt, welche der Weiterverbreitung dient. Hier verfällt man schnell in Bewunderung. Und diese verbessert unser Immunsystem, Stresslevel und allgemeines mentales Wohlbefinden nachweislich. Was hält einem da noch ab, nach draussen zu gehen? Bei der Erkundung von Moosen packt man am besten ein Taschenmikroskop oder eine Handlinse ein und schon öffnet sich einem ein kleiner, noch unbekannter Kosmos.

Verpackte Blüten und Blätter bestimmen
Blüten bestimmen können ja viele, aber Bäume und Sträucher lassen sich nicht nur anhand dieser erkennen. Im Winter und Frühling verraten uns Knospen wie auch Rinde die Art. Da die meisten Sträucher und Bäume in unseren Breitengraden oft nur das halbe Jahr hindurch Blätter – und noch weniger lang Blüten – tragen, lohnt es sich für die Bestimmung sich mit ihren Knospen auseinander zu setzen. Wer die grundlegende Systematik einmal verstanden hat kann zum wahren Naturprofi werden. Gehen Sie also nach draussen, machen Sie Fotos, versuchen Sie mit Hilfe von Literatur oder Pflanzenbestimmungsapps wie beispielsweise Flora Incognita, die Arten zu bestimmen. Zurück zu Hause können Sie ihr Wissen in unserem Knospen-Quiz testen.

Dem Nager auf der Spur
Der Biber hat sich mittlerweile wieder entlang der meisten Schweizer Flüsse des Mittellandes verbreitet. Da der Biber keine Winterruhe hält, lässt er sich auch im Winterhalbjahr – also von November bis März – beobachten. Da er sich in der kalten Jahreszeit von Weichhölzern wie Pappeln und Weiden ernährt, sind seine Frassspuren besonders deutlich zu erkennen. Die Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv, weshalb man sie am besten in den frühen Morgenstunden und bei Einbruch der Abenddämmerung sieht. Am ehesten entdecken Sie den Biber schwimmend, wobei nur sein Kopf aus dem Wasser ragt. Der Biber ist zwar kein Fluchttier, trotzdem muss man sich beim Beobachten möglichst ruhig verhalten. Wittert der Biber nämlich Gefahr, zieht er sich ins sichere Gewässer zurück und kann bis zu 20 Minuten abtauchen. Egal ob Sie ihn entdecken oder nicht: in unserem Biber-Quiz lernen Sie ihn garantiert näher kennen.

Den Winterhimmel bestaunen
Den Sternenhimmel zu beobachten assoziiert man wohl eher mit dem Sommer. Doch auch im Winterhalbjahr lohnt sich der Blick nach oben. In keiner anderen Jahreszeit sind nämlich so viele der hellsten Sterne zu sehen wie im Winter. Auf der einen Seite sind die Nächte so lang, dass man Ende Februar beinahe den ganzen Nordhimmel in einer Nacht vorbeiziehen sieht. Auf der anderen Seite ist der Himmel im Winter viel dunkler als in Sommernächten, weshalb mehr Sterne sichtbar werden. Der Winterhimmel wird vom sogenannten Wintersechseck dominiert. Dabei handelt es sich um die sechs hellsten Sterne der sechs Sternbilder Stier, Orion, Grosser und Kleiner Hund, Zwillinge und Fuhrmann, die ein markantes Sechseck bilden. Um Mitternacht Ende Dezember steht es am südlichen Himmel an seiner höchsten Position. Hier kann man sich draussen ganz schön in der unfassbaren Weite und Schönheit verlieren. Deshalb: warm einpacken und ab nach draussen!

Sich an Frühlingsboten erfreuen
Bereits ab Mitte Januar werden die ersten Frühlingsboten sichtbar: die Schneeglöckchen. Die filigrane und doch sehr robuste Art zeugt vom den bereits wieder länger werdenden Tagen und doch teilweise noch eisigen Winden. Schneeglöckchen stehen in der Symbolik seit jeher als Zeichen für Hoffnung und Widerstandsfähigkeit. In der nach wie vor dunklen Jahreszeit versichern sie uns, dass der Frühling um die Ecke ist und die Tage wieder länger werden. Auch die pink leuchtenden Blüten der Haselsträucher und Bäume lassen sich bereits entdecken. Ein Zeichen, dass auch bald wieder Veilchen, Anemonen und andere Frühblüher spriessen werden. Welche Frühblüher habt ihr schon entdeckt?

Spurenlesen im Winter
Der Winter ist auch die ideale Zeit, um Spuren und Fährten von Tieren zu entdecken: Im Schnee lassen sich Trittsiegel besonders gut erkennen und erzählen spannende Geschichten über das Leben der Wildtiere. Wer genauer hinschauen möchte, findet in unserem Artikel zum Spuren- und Fährtenlesen hilfreiches Wissen und anschauliche Beispiele.
Spielerisch testen lässt sich das Gelernte anschliessend mit unserem Tierspuren-Quiz.

Abenteuer, Bewegung und Gesundheit
Ob Bewegung oder spielerische Erlebnisse: Spaziergänge durch Wälder, Städte oder winterliche Landschaften, Skulpturen aus Schnee zu kreieren oder einfache Spiele in der Natur tun Körper und Geist gut. Wer etwas mehr Ausdauer sucht, kann das Ganze mit Schneeschuhwandern, Winterwandern oder einer zügigen Nordic-Walking-Runde erweitern. Wichtig ist dabei, Rücksicht auf Natur und Wildtiere zu nehmen: Winterruhezonen und Wildschutzgebiete sind zu beachten und nicht zu betreten, Hunde gehören im Wald an die Leine, und im Wald sollte man auf Wegen sowie auf gekennzeichneten Routen bleiben. Mehr Bewegung kurbelt den Kreislauf an, stärkt das Immunsystem und wirkt Wintermüdigkeit entgegen. Gleichzeitig profitieren wir von Tageslicht und einer besseren Vitamin-D-Versorgung, einer nachweislich positiveren Stimmung sowie von frischer Luft, die die Atmung unterstützt und den Kopf freier macht. Diese Aktivitäten lassen sich zudem wunderbar gemeinsam erleben: Zusammen draussen unterwegs zu sein fördert Begegnungen, stärkt soziale Bindungen und steigert das Wohlbefinden. All das wirkt sich positiv auf die mentale Gesundheit aus, hilft beim Stressabbau, verbessert Konzentration und Fokus und kann mentale Erschöpfung reduzieren. Dies ist besonders für Menschen, die viel im Büro oder generell drinnen arbeiten, wichtig. Gerade im Winter lohnt es sich deshalb, bewusst nach draussen zu gehen. Wer tagsüber kaum nach draussen kommt, sollte zumindest auf ein gutes Raumklima achten. Hilfreiche Tipps dazu finden sich in unserem Artikel zum richtigen Lüften und Heizen.

Dieser Artikel wurde erstmals im Januar 2023 veröffentlicht und mittlerweile überarbeitet.




