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Sperlingsvogel nutzt menschliche Siedlungen zu seinem Vorteil

Da Kuckucke menschliche Siedlungen meiden, verlegen Sperlingsvögel zum Schutz vor Brutparasitismus ihre Nistplätze in die Nähe von menschlichen Siedlungen oder sogar in Gebäude hinein. Ein internationales Team von Wissenschaftler*innen konnte dies bei Spiegelrotschwänzen erstmals experimentell belegen. Die Studie zeigt, wie sich die Urbanisierung auf die Interaktionen zwischen Vogelarten auswirkt.

«Pflegeeltern» von Kuckucks-Eiern investieren Ressourcen in die Aufzucht des Nachwuchses eines anderen Vogels, auf Kosten ihrer eigenen Küken. Die Strategie der Kuckucke wird als Brutparasitismus bezeichnet und bedeutet für die ausgenutzten Arten eine hohe Belastung. Es liegt daher im Interesse der brütenden Vögel, das Kuckucksei zumindest aufzuspüren und es aus dem Nest zu entfernen. Sie können jedoch auch andere Taktiken anwenden, um von vornherein zu vermeiden, dass sie dem Brutparasitismus zum Opfer fallen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz, der Beijing Normal University und der Beijing Forestry University in Peking beobachteten ein bemerkenswertes Beispiel für eine solche Taktik. Kuckucke im Nordosten Chinas nutzen häufig die Nester des Spiegelrotschwanzes für ihre Fortpflanzung. Der Sperlingsvogel brütet zweimal pro Saison – einmal vor und einmal nach der Ankunft der Kuckucke in der Region.

Die Forschenden fanden heraus, dass die Spiegelrotschwänze ihre Nester für die zweite Brutperiode näher an menschliche Siedlungen verlegten. Vermutlich versuchten sie so die Kuckucke fernzuhalten, denn Kuckucke meiden im Allgemeinen den engeren Kontakt zu Menschen. Den Wissenschaftler*innen gelang es, dasselbe Verhalten während der ersten Legeperiode hervorzurufen, indem sie Kuckucksattrappen in der Gegend aufstellten und Kuckucksrufe abspielten, um die Anwesenheit des Brutparasiten zu simulieren.

«Wir konnten zum ersten Mal experimentell zeigen, dass Spiegelrotschwänze ihr Nistverhalten ändern, wenn sie Kuckucke in der Umgebung bemerken», sagt Jinggang Zhang, Postdoktorand. Die simulierte Anwesenheit der Kuckucke veranlasste die Spiegelrotschwänze, ihre Nester näher an Gebäude zu verlegen oder sogar in Gebäuden zu brüten. Dies entspricht ihrem natürlichen Verhalten während der zweiten Brutperiode, wenn Kuckucke tatsächlich zugegen sind.

Die Wissenschaftler*innen fanden auch heraus, dass das Risiko, Wirt für ein Kuckucksei zu werden, mit der Entfernung zwischen dem Nest und der nächstgelegenen menschlichen Siedlung steigt. Der Spiegelrotschwanz hat also eine neuartige Strategie entwickelt, um menschliche Siedlungen zu seinem Vorteil zu nutzen. Diese Beobachtungen werfen eine wichtige Frage auf: Wie kommt der Kuckuck mit der fortschreitenden Ausdehnung städtischer Gebiete zurecht?

«Die Urbanisierung beeinflusst Lebensräume und Tierpopulationen auf der ganzen Welt auf vielfältige Weise. Möglicherweise muss sich der Kuckuck an diese Entwicklung anpassen, indem er sich ebenfalls näher an menschliche Siedlungen heranwagt oder das Spektrum seiner Wirtsarten erweitert», sagt Bart Kempenaers, Direktor am Max-Planck-Institut.

Lösungen für neue Problem zu finden, ist ein Markenzeichen der Evolution und Kuckucke haben ihre Problemlösungskompetenz bereits anderweitig unter Beweis gestellt: In einer zweiten Studie untersuchten die Forschenden die Strategie der Kuckucke bei der Auswahl eines geeigneten Nests. Spiegelrotschwanz-Eier gibt es in zwei verschiedenen Farben – mit hellblauer und mit rosafarbener Schale. Kuckuckseier sind blau und ein Kuckucksweibchen würde davon profitieren, seine Eier in Wirtsnester mit blauen Eiern zu legen, da das Kuckucksei somit eher unentdeckt bleibt.

«Diese Strategie der Eiablage wurde schon früher beschrieben, aber die bisher durchgeführten Studien haben keinen experimentellen Beweis für ihre Existenz erbracht», erklärt Jinggang Zhang. Über fünf Jahre hinweg untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daher mehr als 500 Spiegelrotschwanznester auf Anzeichen von Brutparasitismus. Die Nester mit blauen Eiern wurden mit mehr als doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit von Kuckucken für die Eiablage ausgewählt.

Die Forschenden stellten zudem künstliche Nester mit blauen oder rosafarbenen Spiegelrotschwanz-Eiern in der Nähe der aktiv genutzten Nester auf. In fast allen Fällen wählten die Kuckucke Nester, die blaue Eier enthielten – und sie zogen sogar künstliche Nester mit blauen Eiern gegenüber nahegelegenen, aktiven Nestern mit rosa Eiern vor.

«Wir waren überrascht, bei den Kuckucken eine so deutliche Präferenz für Nester mit blauen Eiern festzustellen. Unsere Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Kuckucksweibchen sehr empfindlich auf die Merkmale des Nests reagieren und ihre Eier nicht einfach in jedes beliebige Wirtsnest legen, das sie finden», sagt Bart Kempenaers.

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