Start News Forschung Mit dem Grün kehren die Zugvögel zurück

Mit dem Grün kehren die Zugvögel zurück

Es wird Frühling und für viele Vögel bedeutet das die Rückkehr aus Afrika nach Europa. Doch nicht alle kommen gleichzeitig zurück: Eine Studie der Schweizerischen Vogelwarte zeigt, dass Zugvögel, welche die westliche Route über Gibraltar wählen, rund eine Woche früher ankommen, als solche, welche die östliche Route über den Nahen Osten wählen. Die Rückkehr der Vögel ist eng an die Entwicklung der Vegetation im Brutgebiet gebunden. Diese verläuft im Westen Europas schneller als im kontinentaleren Klima des Ostens. 

Wenn die Natur im Frühling erwacht, kehren viele Zugvögel nach Europa zurück, um zu brüten. Doch diese Rückkehr zu den Brutplätzen erfolgt nicht simultan. Sie hängt davon ab, ob die Vögel die westliche Route über Westafrika und Gibraltar oder die östliche Route über Ostafrika und den Nahen Osten wählen. In einer Übersichtsstudie fand die Schweizerische Vogelwarte heraus, dass Zugvögel, welche die östliche Route wählen, im Mittel 6-7 Tage später ankommen, als diejenigen, welche die Westroute wählen. Dazu analysierte die Vogelwarte die Zugwege von 23 europäischen Arten und stützt sich dabei auf die Daten von rund 600 mit Geolokatoren ausgerüsteten Vögeln.

 «Unsere Studie zeigt, dass die spätere Ankunft der Ostzieher den verzögerten Frühlingsbeginn in Osteuropa widerspiegelt, wo ein kontinentaleres Klima vorherrscht», erklärt Martins Briedis, Studienautor und Zugvogelforscher in Sempach. «Die Ankunft der Vögel in ihren Brutgebieten folgt einer Art „grünen Welle“ von Süden nach Norden, die in 1,5 Tagen um einen Breitengrad nach Norden wandert».

 «Der klimatische Gradient von Südwest nach Nordost beeinflusst den Kalender des Vogelzugs in ganz Europa. Die Vögel passen ihre Zugstrategie aber auch der lokalen Entwicklung der Vegetation an», fasst Briedis zusammen. Er hält fest, «dass diese Art von Forschung auch allfällige Effekte zeigen kann, wie der Klimawandel langfristig die Zugsysteme beeinflusst». Für das Überleben und den Fortpflanzungserfolg von Zugvögeln ist es wichtig, dass sie den Zeitpunkt ihrer Rückkehr auf die lokale Entwicklung der Vegetation abstimmen können: Kommt der Frühling sehr früh, riskieren die Zugvögel zu einem Zeitpunkt aus Afrika zurückzukehren, an dem die Vegetation bereits weit fortgeschritten ist und damit das spätere Nahrungsangebot für ihre Jungen, wie etwa Raupen, bereits wieder abnimmt.

Migrationskarte
Die Brutplätze der untersuchten Vogelpopulationen sind als Kreis-diagramme dargestellt, die jeweils den Anteil Vögel angeben, die über die Westroute (rot) bzw. über die Ostroute (blau) ziehen. Brutvögel Osteuropas überwintern weiter östlich in Afrika, westeuropäische Vögel eher in Westafrika. Populationen, deren Vögel in beide Richtungen ziehen befinden sich in einem schmalen Sektor, der zwischen 10° und 20° östliche Länge liegt (zweifarbige Kreisdiagramme). Individuelle Überwinterungsgebiete sind als Punkte dargestellt. ©Martins Briedis

Quelle: Briedis, M. et al.(2020). Broad-scale patterns of the Afro-Palaearctic landbird migration. Global Ecology and Biogeography 2020; 29: 722–735.

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