StartHintergrundBraunkehlchen: 16 Gramm, 45 Stunden Flug ohne Pause

Braunkehlchen: 16 Gramm, 45 Stunden Flug ohne Pause

Eine neue Studie, an der die Schweizerische Vogelwarte mitgearbeitet hat, zeigt, dass das kleine Braunkehlchen jedes Frühjahr die Sahara in einem fast zweitägigen Nonstop-Flug überquert. Trotz solcher Fähigkeiten ist es in der Schweiz heute bedroht: Nur in Wiesen, die frühestens am 15. Juli gemäht werden, hat das Braunkehlchen eine Überlebenschance.

Das Braunkehlchen ist ein kleiner Singvogel, der vor allem auf Wiesen, Weiden und in offenen Landschaften lebt. Seinen Namen verdankt es seiner orangebraunen Brust und Kehle. Besonders auffällig ist aussferdem der helle Streifen über den Augen. Oft sitzt das Braunkehlchen auf hohen Grashalmen, Zäunen oder kleinen Sträuchern und hält dort Ausschau nach Nahrung. Es frisst hauptsächlich Insekten, Spinnen, Würmer und andere kleine Tiere. Im Herbst zieht das Braunkehlchen in wärmere Gebiete nach Afrika und kehrt im Frühling wieder in die Schweiz zurück. Sein Nest baut es gut versteckt am Boden zwischen hohen Gräsern.

Bild: © Sébastien Poirier

Leider wird das Braunkehlchen immer seltener. Durch das frühe Mähen von Wiesen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den Verlust natürlicher Lebensräume findet es weniger Nahrung und geeignete Brutplätze. Deshalb ist der Schutz von artenreichen Wiesen besonders wichtig.

Vogelzug des Braunkehlchens löst staunen aus

In einer neuen Studie haben Forschende unter Beteiligung der Vogelwarte die Zugrouten von Braunkehlchen zwischen den französischen Alpen und Westafrika rekonstruiert. Dabei haben sie Geolokatoren eingesetzt, die Licht und Luftdruck messen. Die sieben Braunkehlchen, deren Daten ausgewertet werden konnten, haben auf dem Hin- und Rückflug unterschiedliche Routen genommen. Fachleute sprechen von einem «Schleifenzug». Im Herbst fliegen sie in kleinen Etappen entlang der westafrikanischen Küste nach Süden. Im Frühjahr verläuft die Route anders und führt direkt durch die Sahara. Sechs der sieben Vögel haben diese in einem einzigen ununterbrochenen Flug von 37 bis 45 Stunden überquert, und das in Höhen von 4000 bis 6000 Metern.

«Dass ein kleiner Vogel von kaum 16 Gramm fast zwei Tage lang ununterbrochen in einer Höhe fliegt, wo die Luft sehr dünn ist und die Temperaturen auf bis zu -10 Grad Celsius sinken, zeigt, zu welch extremen körperlichen Leistungen diese Zugvögel fähig sind», betont Paul Dufour, Forscher an der Schweizerischen Vogelwarte und Mitautor der Studie.

Die Studie bezieht sich auf eine französische Population, deren Zugstrategie derjenigen der Schweizer Braunkehlchen sehr ähnlich sein dürfte. Trotz dieser unglaublichen Fähigkeiten geht der Bestand dieser Vogelart in der Schweiz zurück. Durch intensive Bewirtschaftung sind Blumenwiesen als Lebensraum selten geworden und die frühe Mahd setzt dem auf dem Boden brütenden Braunkehlchen systematisch zu. Die Schweizerische Vogelwarte führt deshalb gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten in einigen Kantonen ein Programm zur Förderung des Braunkehlchens durch. Nur dank diesem Engagement können Braunkehlchen heute noch bei uns brüten. Ein besseres Verständnis der Zugroute dieser Art hilft dabei, diesen lokalen Schutz durch eine ganzheitliche Betrachtung des Jahreszyklus – von der Schweiz bis zu ihren westafrikanischen Überwinterungsgebieten – zu verbessern.

Quelle:
Jiguet, F., J. Champagnon, O. Duriez & P. Dufour (2026): Migratory connectivity, short steps and loop migration in an alpine population of Whinchats Saxicola rubetra. J. Ornithol. 1–9. https://doi.org/10.1007/s10336-026-02409-1

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