StartNewsNaturZugvogel-Wilderei: Einsatz für sichere Zugrouten im Mittelmeer zeigt Erfolge

Zugvogel-Wilderei: Einsatz für sichere Zugrouten im Mittelmeer zeigt Erfolge

Der Einsatz für sichere Zugrouten wirkt: Dank konsequenter Schutzarbeit ist die illegale Frühjahrsjagd auf Zypern stark zurückgegangen. Doch entlang der Mittelmeerroute bleiben Herausforderungen bestehen – mit Auswirkungen auch auf die Vogelbestände in Mitteleuropa.

Zugvögel beeindrucken mit ihren unglaublichen Leistungen. Wenn sie im Frühjahr aus den südlichen Gefilden wieder zurück nach Mitteleuropa ziehen und zielgerichtet in ihr Brutgebiet navigieren, müssen sie oft mehr als 4000 Flugkilometer zurücklegen. Auf ihrer langen Reise müssen die Zugvögel in geeigneten Gebieten rasten und sich für den Weiterflug stärken, so werden jedes Jahr die Mittelmeerinseln Zypern (Republik Zypern) und Zakynthos (Griechenland/Hellenische Republik), die sich mitten auf der östlichen Vogelzugroute befinden, von Zugvögeln zur Rast- und Nahrungssuche angeflogen.

Genau darauf warten dort skrupellose Vogelwilderer und Vogeljäger, die für verschiedenste verbotene Zwecke Vögel illegal fangen und töten. Sie bauen in Obstgärten und in der mediterranen Strauchvegetation Tausende illegale klebrige Leimruten und Hunderte verbotene Vogelfangnetze auf. Häufig kommen zusätzlich auch unerlaubte elektronische Lockanlagen zum Einsatz, die abends und frühmorgens stundenlang Vogelgesang abspielen, meist Mönchsgrasmücke, Singdrossel oder verschiedene Pieper- und Finkenarten.

Auf Zypern werden geschützte Singvogelarten völlig unselektiv gefangen – für den Schwarzmarkt und als Delikatesse. Darunter sind auch viele Arten, die in Mitteleuropa brüten und für deren Schutz sich zahlreiche Menschen – oft ehrenamtlich – mit grossem Engagement einsetzen. 

Jahrelanger, konsequenter Zugvogelschutz hat endlich zum Ende der Frühjahrswilderei auf Zypern beigetragen

Während der Peaks des Vogelzugs engagiert sich die Stiftung Pro Artenvielfalt seit über einem Jahrzehnt gemeinsam mit dem Komitee gegen den Vogelmord an den Brennpunkten dieser illegalen Aktivitäten, damit möglichst viele Zugvögel die kräftezehrenden Flüge in ihre Brutgebiete sowie im Herbst in die Winterquartiere überleben. Die seit vielen Jahren durchgeführten Vogelschutzeinsätze haben zu einem deutlichen Rückgang der illegalen Frühjahrs-Wilderei auf Zypern geführt. Im Herbst und Winter bleibt die Situation jedoch weiterhin problematisch.

Der Unterschied liegt vor allem in der konsequenteren Strafverfolgung im Frühjahr: Durch jahrelangen Druck und gerichtsfeste Beweise werden die Vergehen heute deutlich strenger geahndet. Aus früheren Bagatelldelikten sind ernsthafte Straftaten geworden – mit Bussen von umgerechnet teils über zehntausend Franken.

Frühjahrs-Vogelfangaktivität auf Zypern im Zeitverlauf. Grafik und Datenquelle: © Komitee gegen den Vogelmord, Stiftung Pro Artenvielfalt.

Dass die Behörden im Frühjahr härter durchgreifen, hat einen klaren Grund: In dieser Zeit befinden sich die Vögel in der entscheidenden Phase der Fortpflanzung. Die Jagd ist deshalb eigentlich untersagt, damit die Zugvögel ungestört ihre Brutgebiete erreichen und sich fortpflanzen können. Zugvögel, ihre Nester und Eier sind per internationaler Gesetzgebung europaweit geschützt. 

Trotz dieses Erfolgs in Zypern bleibt der Mittelmeerraum weiterhin gefährlich für Zugvögel

Die griechische Ferieninsel Zakynthos ist derzeit ein besonders problematisches Beispiel. Das Jagdverbot im Frühjahr wird vielerorts ignoriert. Kaum eine Turteltaube, ein Bienenfresser oder ein Pirol verlässt die Insel unbeschadet, wenn die Vögel dort rasten. Dank der inzwischen regelmässigen Präsenz von Naturschützerinnen und Naturschützern werden Wildhüter und Polizei jedoch zunehmend aktiv. Im vergangenen Jahr kam es zu einem Wendepunkt: Ein internationales Team von Ornithologinnen und Ornithologen wurde nicht nur verbal bedroht, sondern von vermummten Jägern tätlich angegriffen.

Der Vorfall fand in mehreren Ländern ein breites Medienecho und erhöhte den Druck auf die lokalen Behörden – gerade im Vorfeld der Tourismussaison. In der Folge wurden umgehend erste Massnahmen ergriffen und Polizeiverstärkung vom Festland war schon am Folgetag nach dem gewalttätigen Vorfall vor Ort.

Auf Zakynthos im Frühjahr illegal abgeschossene Pirole. Bild: © Komitee gegen den Vogelmord

Die Einsätze auf Zakynthos werden konsequent fortgesetzt. Auch in diesem Frühjahr sind Teams bis in den Mai vor Ort – besser vorbereitet, mit angepasster Ausrüstung und verstärkter Unterstützung durch die Polizei. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen: Der Einsatz lohnt sich und kann konkrete Verbesserungen bewirken.

Die Auswirkungen der illegalen Jagd im Mittelmeerraum auf unsere Zugvögel werden oft unterschätzt.

In der Schweiz dauert es fünf bis zehn Jahre und kostet mehrere zehntausend Franken, um ein geeignetes Bruthabitat etwa für die Turteltaube aufzuwerten, bis sich die Art lokal wieder ansiedelt. Ein Wilderer hingegen braucht nur wenige Minuten, um mehrere Tiere dieser akut bedrohten Art vom Himmel zu schiessen – und bezahlt dafür pro Schuss kaum mehr als rund 1.50 Franken, selbst für hochwertige bleifreie Munition.

Durch gemeinsam mit der Polizei koordinierte Einsätze können erfahrene Vogelschützer solche illegalen Aktivitäten massiv stören oder gar unterbinden. Immer wieder gelingt es so, dass Schwärme von Bienenfressern oder Turteltauben diese sonst gefährlichen Gebiete unbeschadet überfliegen.

Das Komitee gegen den Vogelmord und die Hellenic Ornithological Society (BirdLife Griechenland) haben dazu eine Postkartenaktion lanciert. Unter dem Motto «STOP killing spring visitors!» sollen möglichst viele Karten an den Bürgermeister von Zakynthos geschickt werden. Wer sich beteiligen möchte, kann sich direkt an die Stiftung Pro Artenvielfalt wenden.

Mehr Informationen zum Vogelschutzprojekt finden Sie auf der Website der Stiftung Pro Artenvielfalt. Aktuelle Ergebnisse aus den Vogelschutzcamps werden hier veröffentlicht und Sie haben bei Interesse die Möglichkeit kostenlos die Artenschutznachrichten zu abonnieren.

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