Trinkwasserinitiative soll gegen Pestizide vorgehen.
Agroscope hat verschiedene Szenarien der Trinkwasserinitiative berechnet. © Tama66, via pixabay

Nationalrat versenkt Trinkwasserinitiative

  • Redaktion Naturschutz
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Heute hat der Nationalrat die Trinkwasserinitiative und die Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide ohne Gegenvorschlag verworfen. Mit dem Gegenvorschlag wäre der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel rechtlich verbindlich verankert worden. Doch das Parlament hat diese Chance verpasst.

Die Bauernlobby, unterstützt von weiteren bürgerlichen Politikerinnen und Politiker, hat am Donnerstag alle Gegenvorschläge zu den beiden Pestizidinitiativen abgelehnt. Mit dem aussichtsreichsten Gegenvorschlag hätte der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel rechtliche Verbindlichkeit erlangt. Doch auch dieser fand keine Mehrheit, wie der WWF Schweiz berichtet.

An vorderster Front bekämpfte Bauernverbandspräsident Markus Ritter den Gegenvorschlag. In der Vergangenheit hatte sich der Bauernverband zwar stets für die Umsetzung des Aktionsplanes ausgesprochen. Trotzdem wehrte er sich nun im Parlament gegen die rechtliche Verbindlichkeit. «Der Verband will offensichtlich gar keine schnelle und wirkungsvolle Umsetzung des Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, wie er dies immer wieder behauptet», sagt Eva Wyss, Landwirtschaftsexpertin des WWF Schweiz. Schon im Rahm der Vernehmlassung zur neuen Agrarpolitik (AP22+) hatte er zusätzliche Massnahmen für eine Reduktion der Pestizidbelastung abgelehnt.

Chance verpasst

Der Nationalrat hat eine grosse Chance verpasst. Die Sammelerfolge der beiden Pestizid-Initiativen und eine Umfrage des WWF zeigen deutlich, dass die Bevölkerung keine Pestizide im Wasser will. In grosser Einigkeit fordern auch viele Jungparteien rasche Massnahmen, um die Lebensgrundlagen der Zukunft zu sichern. Auch Fachleute der Trinkwasserversorgung, Fischerei- und Bienenverbände, die Kleinbauern Vereinigung und Bio Suisse sowie die Wissenschaft sind sich in Bezug auf den Handlungsbedarf einig.

Der WWF setzt sich für eine pestizidfreie Natur und Umwelt ein. Ein genanntes Ziel sei der Schutz des Trinkwassers vor hochtoxischen Pestiziden. Nur so lasse sich das Insektensterben stoppen. «Die Bevölkerung erwartet einen klaren Kurswechsel in der Landwirtschaft, dieser ist dringend nötig», betont Eva Wyss. Ein rechtlich verbindlicher Aktionsplan für den Pflanzenschutz wäre ein erster Schritt in diese Richtung gewesen.

7 Kommentare

  • Beatrice Bannwart

    Unter den Nationalräten hat es viele Bauern das ist unser Problem!
    Kuhhorninitiative, Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen und jetzt Trinkwasserinitiative!
    Langsam frage ich mich wo ich hier lebe!

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    • Ferdi Projer

      Das Problem liegt bei den Wählern und vor allem bei den Nichtwählern! Im Herbst haben wir einmal mehr die Gelegenheit Leute zu wählen die für die Umwelt etwas tun, nicht nur für ihren Profit.

  • Rudolf Bucheli

    Einmal mehr zeigt sich, dass Parlamentarier keine Volksvertreter sind. Der Geldsack liegt näher als der Verstand. Politik ist sowieso immer gegen das Volk gerichtet und Regierungen sind korrupt und das auf der ganzen Welt.

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  • Tsultrin Gyatso SHABGA

    Das dokumentiert einmal mehr dass die Mehrheit der Politiker/Innen des Nationalrates Wirtschaft vor Umweltschutz stellt.
    Ich fordere mehr umweltbewusste und nachhaltig denkende Politiker/Innen.

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  • Sascha

    Angesichts des obrigkeitlichen Kniefalls vor Partikularinteressen bleibt nichts anderes übrtig als hartnöckig weiterhin auf die Zusammenhänge hinzuwesen und am Ball zu bleiben

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  • Anna

    Ich finde wir alle sollten die Nationalräte mt Protest E-Mails belefern …
    Das Volk will etwas Anderes !

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    • Edi

      Nationalräte – Volksvertreter – schade, ich bin entäuscht. Die Natur wird uns weitere Fakten liefern und uns Menschen herausfordern die Signale ERNST ZU NEHMEN.


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