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Sieben goldene Regeln für das Anlegen einer Wildblumenwiese

Aus sterilen Grünflächen farbenfrohe Blumenwiesen zaubern und die Artenvielfalt fördern? Mit der richtigen Vorbereitung, Wildblumenmischung und Pflege gelingt das Anlegen von Wildblumenwiesen – und mit etwas Geduld kann man sich im Folgejahr an einer artenreichen, wilden Blumenwiese voller Leben erfreuen.

Macht Sie der Anblick der sterilen Privatgärten und öffentlichen Grünflächen, die vielerorts immer mehr Überhand nehmen, auch traurig und frustriert? Schluss mit den trost- und leblosen Grünflächen! Zumindest ihren eigenen Garten können Sie in eine farbenprächtige Blumenwiese voller blühendem, summendem und zirperndem Leben verwandeln. Damit das auch gelingt und Ihnen nicht die typischen Anfängerfehler passieren, haben wir diese sieben goldene Regeln zusammengestellt:

© Ennia Bosshard

1. Sich bewusst sein, wie man Wildblumenwiese nutzen möchte

Wie bei vielem im Leben ist es wichtig, sich klar zu sein, was man überhaupt mit einer bestimmten Aktion erreichen möchte. Möchte man im eigenen Garten die Biodiversität fördern, eine landwirtschaftliche Fläche ökologisch aufwerten, oder einen begehbare Naturoase gestalten? Wer sich für eine wilde Blumenwiese entscheidet, dem soll bewusst sein, dass man diese nicht ständig betreten kann. Falls man also die Wiese gerne betreten möchte, so eignet sich ein Blumenrasen besser. Ausserdem kann eine solch artenreiche, wilde Blumenwiese nicht mit dem Rasenmäher gemäht werden, man muss sich also beispielsweise mit der Handsense anfreunden.

2. Ökologisch hochwertige und regionale Saatgutmischung mit Gräsern auswählen

Grundsätzlich eignet sich fast jeder Standort im Schweizer Mittelland für das Anlegen von Wildblumenwiesen. Die sinnvollste Wildblumenmischung ist abhängig von der Nutzung, Exposition und vom Boden. Bei der Wahl des sinnvollsten Saatguts werden die häufigsten Fehler gemacht und es lohnt sich, die Meinung eines Experten zu Rate zu zieheh. Villeicht wider Erwartung ist nicht unbedingt die Mischung mit den meisten Blumen die beste. Eine Wiese besteht grundsätzlich aus Gräsern (sonst sprechen wir von einem Blumenbeet, nicht von einer Wiese) – deshalb gehören sowohl Gräser als auch Wildblumen in eine Wildblumenwiese. Saatgutmischungen, die keine Gräser enthalten sind nicht zu empfehlen, denn die Blumenansammlung, die daraus wächst ist nicht stabil. Um eine möglichst stabile Blumenwiese anzulegen ist es ausserdem wichtig, dass das Saatgut möglichst regional ist und mehrjährige Pflanzen enthält. Es lohnt es sich darauf zu achten, dass die Mischung nicht (nur) für einen optischen Genuss zusammengestellt ist, sondern eben einheimische und mehrjährige Wildblumen mit einem hohen ökologischen Mehrwert begünstigt. Preisgünstige Wildblumenmischungen setzen leider oft auf einjähirge Ackerpflanzen, die dann nach einem Jahr von anderen Pflanzen verdrängt werden.

Fertige Saatgutmischungen bieten jedoch generell eine grosse Bandbreite an verschiedenen Arten, was den Vorteil hat, dass eine Vielzahl von Arten überleben, die am besten an den jeweiligen Standort angepasst sind. Die ökologischste Methode für die Saatgutgewinnung ist eine Direktbegrünung. Das bedeutet, eine artenreiche Wildblumenwiese des Nachbarns oder Bauerns um die Ecke («Spenderfläche») wird bei beginnender Samenreife der gwünschten Blumenarte gemäht und direkt auf der Empfängerfläche getrocknet, sodass die Samen in den Boden gelangen. Die Direktbegrünung begünstigt angepasste Arten und eine hohe genetische Vielfalt, und funktioniert besonders gut, wenn die Standortbedingungen der Spender- und Empfängerfläche sehr ähnlich sind.

3. Das Saatbett früh genug vorbereiten

Bevor das Saatgut ausgesäht werden kann, muss der alte Bewuchs auf der gesamten Fläche restlos beseitigt werden. Dafür muss der Boden umgegraben, gehackt und gepflügt werden, sodass auch alle Wurzeln komplett entfernt werden. Die Saatbettvorbereitung sollte mindestens vier Wochen vor der Aussaat durchgeführt werden, damit der Boden danach genügend Ruhezeit hat. Während dieser Zeit wird zwar Unkraut wachsen, dieses sollte jedoch nur oberflächlich (max. 3cm Tiefe) und im Abstand von einigen Wochen entfernt werden.

4. Aussaat zum richtigen Zeitpunkt

Am idealsten für die Aussaat ist die Zeit zwischen April und Anfang Juni, denn frühere oder spätere Aussaaten machen den Wildblumen das Überleben schwer. Bei einer Direktbegrünung ist der Zeitpunkt eher später, also ungefähr anfangs Juni. Am Tag der Aussaat sollte Unkraut noch ein letztes Mal oberflächlich (max. 3cm) entfernt werden. Für die Saatgutmengen am besten die Angaben des Herstellers verwenden, meist wird empfohlen zwischen 5-10g pro Quadratmeter auszusähen. Das Saatgut wird oberflächlich ausgestreut und gut angeklopft oder gewalzt. Es ist wichtig, die frische Saat weder zuzudecken noch zu bewässern.

5. Weniger ist mehr: nicht bewässern, jäten oder düngen

Nach der Aussaat heisst es: Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg. Weniger ist mehr! Das Saatbett sollte weder bewässert, noch gejätet oder gedüngt werden. Die Wildblumen keimen erst nach ungefähr vier bis acht Wochen aus, während Unkraut bereits nach zwei bis drei Wochen wächst. Das Unkraut schützt die Saat jedoch vor direkter Sonneneinstrahlung und sollte deshalb während dieser Zeit nicht gejätet werden! Einzige Ausnahmen sind invasive Neophyten wie beispielweise Berufskraut oder Placken, die man vorsichtig entfernen kann. Auch sollte die Wiese niemals gewässert werden – auch nicht bei grosser Trockenheit. Selbstverständlich sollten auch niemals Dünge- oder Pflanzenschutzmittel verwendet werden! Die Geduld wird nach der ersten Überwinterung belohnt, und mit der Zeit wird die Wildblumenwiese immer schöner.

6. Im ersten Jahr Säuberungsschnitte durchführen

Säuberungsschnitte sind extrem wichtig, damit die Wildblumen genügend Licht haben und nicht vom Unkraut überwuchert werden. Wenn kein Licht mehr auf den Boden gelangt – ungefähr 8 Wochen nach der Aussaat – sollte der erste Säuberungsschnitt durchgeführt werden. Gemäht wird auf etwa 8cm Schnitthöhe. Je nach Bodentyp sind im ersten Jahr mehrere Säuberungsschnitte notwendig.

7. In den Folgejahren: rechtzeitig mähen und Schnittgut nicht sofort entfernen

Im zweiten Jahr sind Säuberungsschnitte nicht mehr unbedingt notwendig. Die Wildblumenwiese muss jedoch ungefähr zweimal pro Jahr gemäht werden um die Artenvielfalt zu erhalten. Grundsätzlich gilt, zwischen Mitte Juli bis Ende August zu mähen, der richtige Zeitpunkt für die Mahd hängt jedoch von den jeweiligen Blühzeiten der Wildblumen ab. Es darf weder zu früh noch zu spät gemäht werden: Wenn die Wildblumenwiese vor dem Aussamen gemäht wird, können die Blumen nicht selbst aussähen, wenn man hingegen mit dem Mähen zu lange wartet, nehmen die Gräser überhand und Artenvielfalt geht verloren.

Extrem wichtig ist auch, dass Schnittgut nach der Mahd vor Ort trocknen zu lassen. Es ist einer der häufigsten Anfängerfehler, dass Schnittgut direkt zu entfernen – dann können die Samen jedoch nicht zurück in den Boden gelangen. Deshalb: Schnittgut vor Ort trocknen lassen und erst entfernen, wenn es getrocknet ist.

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