Am vergangenen Wochenende haben trotz wechselhaftem Wetter rund 5’000 Personen an der «Stunde der Wintervögel» mitgemacht und über 136 ’000 Vögel in Schweizer Siedlungsräumen registriert. Die Aktion unterstreicht die Bedeutung naturnaher Gärten und Parks für Vögel im Winter und zeigt das Potential lokaler Lebensraumförderung.
Der jüngste Wintereinbruch hat dafür gesorgt, dass am vergangenen Wochenende die Vögel vermehrt den Siedlungsraum aufgesucht haben. Dies zeigen die Beobachtungen an der nationalen Zählaktion «Stunde der Wintervögel»: Arten wie die Wacholderdrossel oder der Buchfink, die ansonsten bevorzugt im Agrarland oder im Wald leben, wurden im Vergleich zum letzten Jahr häufiger und insbesondere in grösseren Trupps gemeldet. Auch bei den Dohlen oder den Bergfinken – hübsche Gäste aus Nordeuropa – konnten grössere Trupps gesichtet werden. Der Buntspecht, der im letzten Jahr in rund 20 % der Gärten gesehen worden war, kam in diesem Jahr in fast jedem dritten Garten vor, aus dem Beobachtungen gemeldet wurden.
Gärten, Parks und Balkone als Rettungsinseln für die Vogelwelt
Gerade wenn Schnee und Eis die Nahrungssuche erschweren, ist der Siedlungsraum mit seinen kleinräumigen Strukturen für die Vögel attraktiv, um an Fressbares zu gelangen. Voraussetzung dafür sind jedoch Gärten und Parks mit einheimischer Vegetation und vielen naturnahen Strukturen, die für die Tiere als Überwinterungsplätze und Futterstellen dienen. BirdLife Schweiz setzt sich unter anderem mit Beobachtungsaktionen wie der «Stunde der Wintervögel» dafür ein, dass mehr einheimische Pflanzen und mehr naturnahe Strukturen bei Gartenbesitzenden, Immobilienbewirtschaftenden und auch in den Gemeinden zur gängigen Praxis werden.
Die Biodiversität ist in der Schweiz besonders stark bedroht, unsere Roten Listen sind proportional länger als diejenigen all unserer Nachbarländer. «Langfristig können wir die Vogelwelt und die Biodiversität insgesamt nur erhalten, wenn wir in allen Habitaten für wertvolle Lebensräume sorgen, also im Kulturland, im Siedlungsraum, in Feuchtgebieten oder auch im Wald», betont Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz. BirdLife engagiert sich deshalb in zahlreichen Projekten für die Schaffung solcher Lebensräume und damit für die Förderung der Biodiversität und gefährdeter Arten. Aber auch im Kleinen kann jede und jeder im eigenen Garten mit einheimischen Bäumen, Büschen oder Blumenwiesen zur Förderung der Biodiversität beitragen. Sogar ein kleiner Balkon mit einheimischen Blumen trägt dazu bei. Heute ist die Biodiversität im Siedlungsraum vielerorts bereits höher als im intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet. Und es besteht weiterhin viel Potenzial für ihre Förderung.
Überraschungen der Wintervogelzählung
Der am häufigsten gezählte Vogel am letzten Wochenende ist der Haussperling (22’721 Individuen), gefolgt von der Kohlmeise (13’671 Ind.) und der Rabenkrähe (12’799 Ind.). Dies entspricht den Erwartungen der Vogelexpert/innen. «Wir beobachten seit Jahren eine Konzentration auf wenige anspruchslose Arten. Lebensraum-Spezialisten hingegen werden immer seltener. Daher überraschen die Plätze eins bis drei nicht», erklärt Raffael Ayé. Meldungen von über 2700 Stieglitzen oder 316 Zaunkönigen, die Sämereien bzw. naturnahe Strukturen wie z. B. Asthaufen benötigen, zeigen jedoch, dass die naturnahe Gartenpflege bereits an einigen Orten praktiziert wird. Davon brauchen es mehr!




