In den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn verenden jedes Jahr schätzungsweise rund 4’500 Schafe und 1’000 Ziegen. Wolfsrisse machen dabei nur einen verschwindend kleinen Anteil der Verluste aus. Trotzdem prägt der Wolf die öffentliche Diskussion über die Nutztierhaltung in der Nordwestschweiz. Eine sachliche Einordnung der Zahlen ist deshalb notwendig.
Gemäss der eidgenössischen Tierstatistik leben in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn rund 34’700 Schafe und 7’600 Ziegen. Schweizweit verenden jährlich etwa 13 Prozent des Schafbestands und 14 Prozent des Ziegenbestands. Diese Zahlen verstehen sich zusätzlich zu den regulären Schlachtungen.
Übertragen auf die Nordwestschweiz entspricht dies rund 4’500 verendeten Schafen und rund 1’000 verendeten Ziegen pro Jahr. Demgegenüber wurden in den vergangenen zwölf Monaten in der Region weniger als zehn Nutztiere durch Wölfe gerissen.
Ein tierschützerisches Problem
Die hohe Zahl von Verendungen bei Schafen und Ziegen wirft Fragen zum Tierwohl auf. Anders als bei Rindern, deren jährliche Verlustrate bei rund 3,5 Prozent liegt, fallen die Verluste bei kleinen Wiederkäuern deutlich höher aus. Die amtliche Tierstatistik weist die Ursachen der Verendungen nicht aus. Klar ist jedoch: Wolfsrisse machen schweizweit lediglich einen sehr kleinen Teil der Verluste aus. Gemäss den dokumentierten Rissereignissen entfallen nur rund zwei Prozent der Verendungen von Schafen und Ziegen auf den Wolf. Untersuchungen aus Sömmerungsgebieten zeigen zudem, dass Krankheiten die wichtigste Ursache für Tierverluste sind.
Herdenschutz in der Nordwestschweiz umsetzbar
Für den Schutz von Nutztieren stehen bewährte und wirksame Massnahmen zur Verfügung. Herdenschutzzäune und Herdenschutzhunde können Wolfsangriffe deutlich reduzieren. In der Nordwestschweiz sind Herdenschutzmassnahmen grundsätzlich flächendeckend umsetzbar. Insbesondere auf landwirtschaftlichen Nutzflächen gelten Herdenschutzzäune gemäss den Vorgaben des Bundes als zumutbar und technisch realisierbar. Auch in den Juragebieten können Zäune und – wo sinnvoll – Herdenschutzhunde eingesetzt werden.
Sachliche Debatte statt Emotionalisierung
Die Zahlen zeigen, dass Wolfsrisse in der Nordwestschweiz nur einen sehr kleinen Anteil der jährlichen Tierverluste ausmachen. Eine faktenbasierte Diskussion über Tierwohl, Herdenschutz und die Rückkehr des Wolfs sollte deshalb die tatsächlichen Ursachen von Tierverlusten ebenso berücksichtigen wie die Herausforderungen für die betroffenen Tierhaltenden.
In der Schweiz müssen alle Schafe und Ziegen mit elektronischen Ohrmarken gekennzeichnet und in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) erfasst werden. Die TVD wird von der Identitas AG im Auftrag des Bundes geführt. Tierhalterinnen und Tierhalter melden dort sämtliche relevanten Ereignisse wie Geburten, Todesfälle, Schlachtungen oder Standortwechsel ihrer Tiere.
Auf Basis dieser Daten betreibt die Identitas AG eine öffentlich zugängliche Tierstatistik. Sie enthält unter anderem Angaben zu Tierbeständen, Schlachtzahlen, Verendungen und regionalen Entwicklungen. Die in dieser Medienmitteilung genannten Zahlen stammen aus dieser Tierstatistik beziehungsweise wurden auf Grundlage der dort veröffentlichten Werte berechnet. Es handelt sich somit um offiziell erfasste und von der Branche selbst gemeldete Daten.
https://tierstatistik.identitas.ch/de
Gemäss der Tierstatistik verenden in der Schweiz jährlich rund 13 Prozent der Schafe und 14 Prozent der Ziegen. Diese Werte beziehen sich ausschliesslich auf Verendungen; reguläre Schlachtungen sind darin nicht enthalten.
Da die Nordwestschweiz kaum Sömmerungsbetriebe mit Kleinvieh aufweist und die Verendungsraten gemäss Statistik nicht wesentlich höher sind als auf Heimbetrieben, kann von vergleichbaren Verhältnissen ausgegangen werden. Demnach verenden in der Nordwestschweiz jedes Jahr rund 4’500 Schafe und rund 1’000 Ziegen. Demgegenüber lag der Anteil der Wolfsrisse an den verendeten Schafen in der Nordwestschweiz im Jahr 2025 bei unter 0,1 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass der Wolf nur einen sehr kleinen Anteil der gesamten Tierverluste verursacht.
Warum die Ursachen der Verendungen nicht vollständig erfasst sind
In der TVD können Tierhalterinnen und Tierhalter zwar den Tod eines Tieres melden, nicht jedoch dessen genaue Todesursache. Der Grund dafür ist, dass diese in vielen Fällen ohne tierärztliche Untersuchung nicht eindeutig festgestellt werden kann.
Anders verhält es sich bei Wolfsrissen: Solche Ereignisse müssen gemäss eidgenössischer Jagdverordnung von den Kantonen amtlich abgeklärt werden. Dadurch existiert für Wolfsrisse eine vergleichsweise präzise Statistik. Auf dieser Grundlage lässt sich sagen, dass schweizweit nur rund 2 Prozent der verendeten Schafe und Ziegen nachweislich durch Wölfe gerissen werden. In der Nordwestschweiz liegt dieser Anteil deutlich tiefer.
Wissenschaftliche Einordnung
Eine Studie im Rahmen des Projekts AlpFUTUR (2011) untersuchte die Ursachen von Schafverendungen in Sömmerungsgebieten. Die Untersuchung kam zum Schluss, dass Krankheiten die häufigste Ursache von Verendungen sind; weitere Ursachen waren unter anderem Unfälle, Abstürze und Witterungseinflüsse.
Auch wenn sich die Situation auf Heimbetrieben nicht vollständig mit jener im Sömmerungsgebiet vergleichen lässt, spricht die Studie dafür, dass ein grosser Teil der Tierverluste auf gesundheitliche und haltungsbedingte Faktoren zurückzuführen ist – und nicht auf den Wolf.
https://www.protectiondestroupeaux.ch/fileadmin/doc/Berichte/Studien/Bericht_4_D_Abg%C3%A4nge_.pdf





