StartNewsKontroverse um Laubbläser-Verbot in der Stadt Zürich

Kontroverse um Laubbläser-Verbot in der Stadt Zürich

Anfangs Jahr hat sich das Zürcher Stadtparlament für ein Verbot von benzinbetriebenen Laubbläsern ausgesprochen. Dagegen haben die bürgerlichen Parteien das Referendum ergriffen und nun kommt es am 28. September zur Volksabstimmung.

Laubbläser – wie der Name schon sagt – waren ursprünglich dazu gedacht, Laub zusammenzunehmen. Allerdings werden sie heute viel breiter und ganzjährig angewendet, um Unrat jeglicher Art effizient entfernen zu können. Dabei werden die Geräte auch zunehmend von Privatpersonen eingesetzt und es gibt mit Ausnahme der gesetzlichen Ruhezeiten praktisch keine Regulierungen zu deren Nutzung. Gegen diese Praxis regt sich jedoch Widerstand und Laubbläser werden aufgrund des Lärms sowie der Risiken für Natur und Gesundheit von vielen Menschen als störend und unsinnig empfunden.

Seit Jahren beschäftigt sich auch schon die Politik der Stadt Zürich mit den Laubbläsern und Laubsaugern – zahlreiche politische Vorstösse zeugen davon. Nun hat der Stadtrat im Februar dieses Jahres nach emotionaler Debatte beschlossen, den Gebrauch von benzinbetriebenen Laubbläsern vollständig zu verbieten. Ab sofort sind nur noch die leiseren elektrobetriebenen Geräte erlaubt und die Nutzung soll auf den Zeitraum von Oktober bis Dezember eingeschränkt werden – also die Hauptzeit fürs Laubsammeln. Für bestimmte Grossanlässe wie beispielsweise das Sechseläuten oder die Streetparade sind Sonderbewilligungen vorgesehen. Diese Einschränkungen sind für die bürgerlichen Parteien jedoch nicht tragbar und sie haben umgehend das Parlamentsreferendum ergriffen. Das Zürcher Stimmvolk hat deshalb am 28. September das letzte Wort und kann sich an der Urne zur Vorlage «Einsatzbeschränkung Laubbläser und Laubsauger» äussern.

Schlecht für Biodiversität und Gesundheit

Für das Referendumskomitee aus FDP, SVP und Die Mitte/EVP ist klar, dass die vorgesehene Nutzungseinschränkung von Laubbläsern und Laubsaugern zu weit geht, da diese für verschiedene Berufsgruppen wie Gärtner:innen, Hauswartungen oder Reinigungskräfte eine wesentliche Arbeitserleichterung darstellen. Allerdings besteht auch mit Annahme der Vorlage nach wie vor die Möglichkeit, elektrobetriebene Laubbläser in der Herbst- und Winterzeit einzusetzen.

Aus Sicht einer breiten Umweltallianz bestehend aus Grüne, SP, AL, WWF oder auch IG Wilde Biene ist es hingegen nicht notwendig, jede Grünfläche von Blättern und Nadeln zu befreien. Laub darf unter Büschen oder auf Wiesen durchaus auch mal liegen bleiben und kann als Rückzugsort sowie Winterschutz für Igel, Heuschrecken, Falter, Raupen und andere Kleinlebewesen dienen. Ein Leserbrief von Christine Dobler Gross der diese Ansicht unterstützt, hatten wir bereits 2018 publiziert. Der ganzjährige Einsatz von Laubbläser und Laubsauger als Ersatz für Wisch- oder Rechenarbeiten gefährdet nicht nur die einheimische Biodiversität, sondern wirkt sich auch gesundheitsschädigend aus, da Laubbläser auch Feinstaub, Viren, Schimmelpilzsporen und Wurmeier aufwirbeln.

Andere Städte kennen bereits solche Verbote

Städte wie Genf oder Graz haben bereits vergleichbare Massnahmen zur Regulierung von Laubbläsern und Laubsaugern eingeführt. Am 28. September wird sich zeigen, ob sich auch Zürich diesen Städten anschliesst und das Stimmvolk eine Rückkehr zu einem reduzierten Einsatz der Geräte unterstützt.

5 Kommentare

  1. Liebe Christine Dobler,
    (wir kennen uns vom QV-Riesbach und Wynegg)
    Die FDP hat medial eine Grossoffensive gegen das Laubbläserverbot lanciert (Heute im Forum vom Tagblatt, und auch sonst in den online Medien)
    und ich bitte Dich dringend, dem öffentlich und medial energisch Paroli zu bieten, besten Dank.
    Steven Baumann QVR, Zürich

    – Hier nachfolgend mein Leserbrief an das heutige Tagblatt der Stadt Zürich, als Reaktion auf die Kolumne „Forum der Parteien“ :

    Leider wollen gewisse Leute irgendwie leider nicht wahrhaben, wie verhasst diese völlig überbewerteten Geräte selbst weit in bürgerlichen Kreisen hinein sind.
    Erstens werden diese im Forum angepriesenen neuen und angeblich „leisen“ Geräte ausser vielleicht von Grün Stadt Zürich kaum angewendet, und zweitens ist die Aussage, wonach man sich gegen damit verbundenem, rücksichtslosem Lärm wehren kann, lächerlich, da die Polizei kaum für sowas ausrücken wird, wo der Aufwand, den Fall zu überprüfen, für sie viel zu disproportional aufwendig ist.
    Diese gehörschädigenden Laubbläser – die Gärtner müssen ja Hörschutzmuscheln tragen – werden eben genau tatsächlich mit ihrem Höllenlärm rücksichtslos und unnötig oft angewendet, selbst um einzelne Blätter und Kleinstabfall vor sich hin wegzujagen, statt mal einen kräftigen Reisigbesen oder Rechen zu benützen. Darum von mir ein klares JA zum Laubbläserverbot, dies trotz der Behauptung, diese seien (angeblich) effizient, was bei nassem Laub schon mal sicher nicht stimmen kann. Früher ging es auch gut ohne diese.

    Steven Baumann
    Zürich

  2. Umstellung auf Akku-Betrieb ist längst im Gang – Benziner verschwinden sowieso (Betriebskosten).
    Der technische Fortschritt ist schneller als manche wahrhaben wollen.
    Hauptsache wieder mal was verbieten.
    Verhältnisblödsinn – wir machen uns international zum Gespött – passt gut z.B. zu Abstimmung über Subventionen für Kuhhörner.

  3. Herr/Frau Anonym: Warum sind denn die Benziner nicht schon längst verschwunden? Die Probleme bestehen schon seit vielen Jahren, und gerade bei Hauswarten, die auch noch den Garten putzen, sind die Benziner noch sehr verbreitet. Alle Appelle an die Vernunft haben nichts gebracht. Ich glaube nicht, dass wir uns zum Gespött machen. Im Gegenteil: wir wurden schon verschiedentlich angefragt, weshalb wir diese Einschränkung nur für die Stadt Zürich anstreben, es nerve auf dem Land genauso, das regelmässige Gepützel in den Vorgärten mit Laubbläsern das ganze Jahr hindurch.

  4. Grüezi

    Eine Umstellung auf Akkubetrieb ist lediglich weniger dumm, aber noch immer nicht schlau. Im Natur- und Artenschutz muss man aber immer kompromissbereit sein, sonst heisst es schnell, wir seien immer sooo extrem – das dürfen aber nur die anderen.

    Warum ich gegen sinnlose Laubbläser jeglicher Art bin:

    Der Geräuschpegel von über 100 dB schadet der Gesundheit, auch leisere Akku-Bläser nerven/stressen und sind immer noch laut.
    Laubbläser (benzinbetrieben) stossen gesundheitsschädliche Abgase (kleinstes Problem) aus, was primär dazu führt, dass der regelmässige Anwender früher stirbt oder erkrankt. Als Natur- und Menschenfreund möchte ich natürlich für beide das Beste.

    WICHTIG: Laubbläser verletzen häufig Igel oder töten sie sogar (das geht gar nicht !!). Im Herbst sind die Igel besonders aktiv, weil sie bspw. Laub suchen und sammeln, um ihr Winternest zu bauen. Ein Laubbläser beschleunigt den Luftstrom auf bis zu 200 km/h und mehr. Kleine Steinchen, Wurzelreste, Holzstücke werden zu gefährlichen Geschossen, die bei Igeln schwerwiegende Prellungen, Augenverletzungen oder den Tod verursachen. Freundinnen und Freunde des Laubbläsers; engagiert euch in der Igel-Rettung und ihr werdet euch schnell von vielen eurer hocheffizienten «Gartenspielzeuge» trennen, wenn euch nicht schon der Laubbläser das letzte bisschen Seele und ökologisches Verständnis weggeblasen hat.

    Auch Insekten, die am Boden leben (eine wichtige Nahrungsquelle für Kleinsäuger und Vögel) verlieren ihre Lebensgrundlage, werden häufig verletzt und getötet (geht auch gar nicht).
    Laub zersetzt sich nicht länger am Boden, was die natürliche Humus- und Nährstoffbildung beeinträchtigt. Das macht den Laubbläser noch überflüssiger und sinnloser – das Laub wird von Mikroorganismen gratis und lautlos zersetzt.
    Weiter ist der Boden (wenn er nicht mit Asphalt versiegelt ist) durch eine fehlende Deckschicht nicht mehr so gut vor Austrocknung und vielleicht ja auch mal wieder extremer Kälte geschützt.
    Es gibt auch Besen und Rechen, ein bisschen körperliche Ertüchtigung hat noch niemandem zusätzlich beim Ausleben seines pathologischen Ordnungswahns geschadet. Wer sogar externe Unternehmen für diese sinnfreie Arbeit arrangiert, hat sicher auch das nötige Kleingeld, um die etwas mehr Zeit beanspruchende unmotorisierte Variante zu finanzieren. Zeitdruck, Ignoranz gegenüber unserer Natur und Bequemlichkeit sind keine Argumente für den Einsatz von extrem sinnlosen Laubbläsern.

    Wenn es nicht so dramatisch wäre, würde ich Tränen lachen. Wir fahren hier in der Schweiz eine grosse Kampagne gegen ein eingeschränktes Laubbläserverbot – wie abartig gut geht es uns bitteschön, dass wir für so einen Quatsch Geld «verblasen».

    Hoffnungsvolle Grüsse 🙂

    Niels Friedrich

  5. Jawohl! Laubläser verbieten. Unnötiger nerviger Lärm. Ich hasse diese Motoren. In den Alpen auch für Gras und Heu zusammblasen. Richtig unnötig. Es gibt Rechen und Gabel. Unefizient. Die laufen wie blöd den wallmen nach, statt mit einem breiten Rechen einmal, und wenn voll, dann leeren, wie ich früher. Laszlo Pinter

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