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Der verschlafene Siebenschläfer

Der Name sagt alles: Siebenschläfer verschlafen über die Hälfte des Jahres. Wenn es draussen langsam ungemütlich wird und der angefressene Winterspeck wohlige Wärme bringt, ziehen sich die Schlafmäuse für mindestens sieben Monate zurück – Siebenschläfer eben.  

Jedes Kind kennt ihn, kaum jemand hat ihn schon zu Gesicht bekommen: der Siebenschläfer. Obschon der Nager in Häusern immer wieder für Furore sorgt, bedarf es ein wenig Glück diesen zu erspähen. Denn Siebenschläfer sind nachtaktiv und nur selten in Bodennähe anzutreffen. Wie das Eichhörnchen am Tag ist der Siebenschläfer nachts vorwiegend auf Bäumen unterwegs. Zudem verschlafen Siebenschläfer mehr als die Hälfte des Jahres in sicheren, frostfreien Verstecken.

Siebenschläfer und Menschen

Wenngleich Sichtungen nicht häufig sind, geraten Menschen und Siebenschläfer immer wieder aneinander. Der Nager neigt nämlich dazu, seine Tagesverstecke und Nester zur Jungtieraufzucht in Nistkästen, Gartenhäuschen oder unter Hausdächern zu errichten und sich auf seiner nächtlichen Futtersuche auch mal in Wohnhäuser zu verirren. Dabei kann es vorkommen, dass er Wände oder Isolationen annagt und seine Ausscheidungen hinterlässt. Durch seine Hinterlassenschaften lässt sich der Siebenschläfer gut vom Marder unterscheiden: Siebenschläferkot ist bohnenförmig, kompakt und 1-2 cm lang, wohingegen Marder einen zugespitzten, gedrehten und penetrant riechenden Kot von 5-10 cm Länge hinterlassen. Bei der Futtersuche können Siebenschläfer auch ganz schön laut werden. Sie poltern und quieken und schreien, weshalb sie fälschlicherweise immer wieder für Einbrecher gehalten werden. Besonders herumtobende Jungtiere bringen Hausbewohnerinnen und -bewohner um jeden Schlaf.

Da sich das Zusammenleben von Mensch und Siebenschläfer nicht immer harmonisch gestaltet, stellt sich die Frage, was getan werden kann, wenn Siebenschläfer Probleme verursachen. Die vermeintlich naheliegende Lösung «Fangen und Aussetzen» verspricht nur wenig Erfolg. Siebenschläfer finden auch über weite Distanzen problemlos zu ihrem auserwählten Wohnort zurück. Werden die Tiere wiederum zu weit weg ausgesetzt, schwinden ihre Überlebenschancen, da sie in dem fremden Revier schnell Raubtieren zum Opfer fallen oder von Artgenossen vertrieben werden. Der Schweizer Tierschutz STS schlägt alternativ folgendes Vorgehen vor:

  1. Vertreiben: Wer Siebenschläfer im Haus hat, sollte zunächst versuchen, diese zu vertreiben. Siebenschläfer sind sehr geruchsempfindlich, weshalb optimal Düfte eingesetzt werden können. Weihrauch, Lavendel, Pfeffer, Essig, Räucherstäbchen und starke ätherische Öle mag der Nager nicht riechen. Von Gift sollte man unbedingt die Finger lassen, da es qualvoll tötet, auch andere Spezies angreift und insgesamt negative Auswirkungen auf die Umwelt hat.
  2. Vermeiden: Sind alle Siebenschläfer aus dem Haus, muss man dafür sorgen, dass sie nicht mehr so leicht wiederkommen können. Das heisst: Öffnungen dicht verschliessen. Den Nagern reicht schon ein Durchschlupf von 2 cm Durchmesser, um in Gebäude zu kommen. Um den Siebenschläfern den Einstieg zu erschweren, kann es auch helfen, gebäudenahe Bäume zurückzuschneiden.
  3. Ersatzbehausung anbieten: Bei wiederholter Einnistung eines Siebenschläfers im Haus, kann eine Ersatzbehausung Abhilfe schaffen. Diese können an Sträuchern oder Bäumen im Garten angebracht werden. Die Ersatzbehausung kommt beim Schläfer besonders gut an, wenn der Garten naturnah und mit einheimischen Gewächsen gestaltet ist.

Im Wald zu Hause 

Hat sich der Siebenschläfer nicht gerade in einem Haus niedergelassen, verbringt er seine Zeit im Wald. Tagsüber schläft er in einem Nest aus Laub und Moos. Dieses errichtet er sich bevorzugt in Baumlöchern und greift nur bei Wohnungsnot auch mal zurück auf Nistkästen und Hausdächer. Nachts ist er vorwiegend auf den Bäumen unterwegs. Um mühelos an senkrechten und glatten Wänden oder Baumrinden, wie derjenigen der Rotbuche herumklettern zu können, hat der Siebenschläfer lange, gelenkige Zehen und klebrige Fussballen, die wie Saugnäpfe funktionieren. Für den Winterschlaf buddelt sich der Siebenschläfer im September bis zu 100 cm tief in die Erde ein, um sich vor Frost zu schützen. Dort verbringt er die Zeit bis April oder Mai klein zusammengerollt, um so die Wärmeabgabe zu reduzieren. In Siedlungsnähe geschieht es wiederholt, dass sich Siebenschläfer für den Winterschlaf einen geschützten Platz im Innern von Gebäuden suchen. Wie das mit dem Winterschlaf genau funktioniert, erfahren Sie in unserem Beitrag Überleben im Winter.

Der Siebenschläfer ist ein waschechter Langschläfer. Zum Schlafen rollt er sich zusammen. © Gartenredakteurin, via pixabay

Am liebsten ist der Siebenschläfer in Laubwäldern unterwegs, aber auch grossen Gärten oder Parks gegenüber ist er nicht abgeneigt. Insbesondere alte Buchen- und Eichenwälder mag der Siebenschläfer gerne, wohingegen er reine Nadelwälder meidet. Dies hat damit zu tun, dass Laubwälder durch ein dichtes Kronendach vor Greifvögeln schützen und viel Unterwuchs vorweisen, in dem sich die Nager verstecken können. Zudem liefern die Samen von Buche & Co. eine ideale Fettreserve für den langen Winter. Für Siebenschläfer sind alte und tote Bäume mit natürlichen Baumhöhlen überlebenswichtig, weshalb sie stehengelassen werden sollten. Der Verlust von alten Laub- und Mischwäldern geht mit einem Rückgang der Siebenschläfer einher.

In der Schweiz ist der Siebenschläfer fast überall unter 1400 m.ü.M. verbreitet, bevorzugt jedoch das Flachland. Besonders häufig ist er im Tessin. Er gehört zu den Profiteuren der Klimaerwärmung, da sich die Jahre mit besonders hoher Samenproduktion bei Buche und Eiche häufen.

Fressen und gefressen werden 

Siebenschläfer sind keine Gourmands. Ihr Nahrungsspektrum ist ziemlich breit aufgestellt und reicht von Samen und Knospen über Nüsse und Baumrinde zu Früchten, Insekten und anderen Wirbellosen. Indes galten Siebenschläfer im Rom der Antike selbst als Delikatesse. Sie wurden in Gehegen gezüchtet und gemästet und landeten vor allem in gut betuchten Haushalten als Snack oder Zwischengang auf dem Tisch. In Slowenien und Italien ist der Siebenschläfer auch heute noch eine Spezialität, wobei das Tier in Italien unter Schutz steht und sein Verzehr illegal ist. Um bei festlichen Gelegenheiten nicht auf die Delikatesse verzichten zu müssen, betreibt die kalabrische Mafia Wilderei und jagt Siebenschläfer gezielt.  

Damit der verschlafene Nager seinen Fressfeinden nicht hilflos ausgeliefert ist, hat sich die Natur etwas Raffiniertes einfallen lassen. Packt nämlich ein Waldkauz oder ein gemeiner Mafioso einen Siebenschläfer am Schwanz, bricht dieser einfach ab. An der Sollbruchstelle wachsen bald darauf wieder neue Haut und neues Fell. Der neue Schwanz ist zwar etwas kürzer als der alte, ansonsten ist vom Schwanzabwurf aber nichts mehr zu sehen.

Unterstützung für Siebenschläfer

In der Schweiz besteht für den Siebenschläfer nicht die akute Gefahr, von Menschen gefangen und als Delikatesse serviert zu werden. In zwölf Kantonen stehen die Nager unter Schutz und gelten auch in der übrigen Schweiz als nicht jagdbar. Dadurch, dass Spechthöhlen, hohle Baumstümpfe oder ausgefaulte Astlöcher immer seltener werden, benötigt der Siebenschläfer dennoch etwas Unterstützung. Schützt man seinen Lebensraum, schützt man auch ihn. Der Nager mag es möglichst natürlich und verwildert. Für ihn sind Unterholz, Totholz und Baumhöhlen überlebenswichtig. Diese bieten nämlich ein ideales Versteck für die Jungtieraufzucht und dienen tagsüber und im Winter als Schlafplatz. Erhalten oder schaffen Sie deshalb wenn möglich solche Versteckmöglichkeiten. Wer seinen Garten siebenschläferfreundlich gestalten möchte, tut dies am besten, indem er ihn möglichst naturnah belässt. Etwas Unordnung, Büsche und Hecken sind ideal und Gewächse wie Eichen, Buchen, Obst- und Nussbäume oder Beerensträucher besonders attraktiv für den Nager. Als Unterschlupf können Sie Siebenschläfern Nistkästen oder Gartenhäuschen anbieten. Da es immer wieder vorkommt, dass Siebenschläfer in Regentonnen ertrinken, ist es wichtig, diese stets abzudecken. Auch Vergiftungen der kleinen Nager sind keine Seltenheit. Verzichten Sie deshalb auf Ratten- und Schneckengift, um Siebenschläfer zu schützen.

Kurzportrait

Name: Siebenschläfer (Glis glis)
Gruppe: Schlafmäuse oder Bilche (Gliridae)
Nahe Verwandte: Gartenschläfer, Haselmaus
Aktivität: Nachtaktiv
Kopf-Rumpf-Länge: 13-20 cm
Färbung: Rücken grau, Bauch weiss, dunkle Ringe um die Augen
Alter: bis zu 9 Jahre
Besonderes: Buschiger Schwanz, runde Ohren, dunkle Augenringe, Alter (kleine Nager werden gewöhnlich selten älter als 3 oder 4), Schwanzabwurf bei Gefahr


Quellen

Furrer Samuel, STS-Merkblatt: Kobolde im Haus – Was tun gegen Siebenschläfer?, Schweizer Tierschutz STS

1 Kommentar

  1. Garantieren Sie mir, dass Lavendel die Siebenschläfer vom Haus fernhält oder ist der Wahrheitsgehalt dieser Aussage analog einem Horoskop?

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