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Überleben im Winter: Die cleveren Strategien der Wildtiere

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, verbringen wir Menschen gerne möglichst viel Zeit im Haus und wärmen uns mit Decken, Wärmflaschen und warmen Getränken auf. Aber was machen die Wildtiere, um die kalten Wintermonate im Freien zu überstehen?

Im Winter stehen fast alle Wildtiere vor einem Dilemma: Sie benötigen viel Energie, um in der Kälte zu bestehen, finden aber kaum energiereiches Futter. Im Verlaufe der Evolution haben sie deswegen diverse ausgeklügelte Strategien entwickelt, die ihnen das Überleben in der Kälte ermöglichen.  

Gartenbaumläufer und Bienen Kuscheln gegen die Kälte

Was wir Menschen im Winter am liebsten tun, ist für viele Tiere eine Überlebensstrategie. Und keiner beherrscht die Kunst des Kuschelns so gut wie der Gartenbaumläufer. Bis zu 20 Tiere können sich als Schlafgemeinschaft in einer kleinen Höhle zusammendrängen. Erstaunlich, denn Gartenbaumläufer sind sonst eher Einzelgänger. Bei besonders tiefen Temperaturen setzen die Vögel auch ihre Körpertemperatur und den Stoffwechsel herab, um Energie zu sparen. Aber nicht nur Vögel, sondern auch Wildschweine und Bienen sind im Winter auf Kuschelkurs. Bienen rotten sich eng zusammen und bilden eine Wintertraube, eine Art Kugel aus ihren Körpern um die Bienenkönigin herum. Die Bienen der äussersten Schicht erzeugen Wärme durch Vibration. Dabei wird immer schön abgewechselt, wer aussen vibriert und wer nach innen in die Wärme darf.  

Der Marienkäfer produziert Frostschutzmittel  

Einige Insekten haben einen besonders raffinierten Trick, um den tiefen Temperaturen zu widerstehen. Sie haben eine Art körpereigenes Frostschutzmittel. Dadurch frieren ihre Körperflüssigkeiten (wie z.B. ihr Blut) bei Minustemperaturen nicht ein. Marienkäfer produzieren zum Beispiel Glycerin (einen Zuckeralkohol), um den Gefrierpunkt ihrer Körperflüssigkeit zu senken. Auch der zierliche Zitronenfalter kann durch sein körpereigenes Glycerin problemlos Temperaturen von minus 20°C standhalten. Die höheren Temperaturen im Frühling sind ihr natürlicher Wecker.  

Marienkäfer produzieren eine Art körpereigenes Frostschutzmittel. © Nikiko, via pixabay

Der Igel macht Winterschlaf 

Eigentlich ganz simpel: Einige Säugetiere verschlafen den Winter einfach. Dafür fressen sie sich einen Winterspeck an, suchen sich einen geschützten Platz und fahren ihren Energiebedarf um bis zu 99 % herunter. Atemzüge werden seltener, die Körpertemperatur sinkt und der Herzschlag verlangsamt sich. So holt der Igel im Winterschlaf pro Minute gerade mal ein bis zwei Mal Luft – normalerweise nimmt er bis zu 50 Atemzüge pro Minute. Auch die Körpertemperatur senkt das stachelige Tier von 36°C auf 1 bis 8°C und sein Herz schlägt nicht mehr 200, sondern nur noch fünf Mal pro Minute. Der Igel bleibt aber nicht den ganzen Winter in diesem Zustand. Manchmal wechselt er seine Schlafposition oder gar den Schlafplatz und erledigt sein Geschäft. Allerdings benötigt das alles viel Energie, weshalb häufige Störungen tödlich sein können für den kleinen Insektenfresser. Neben den Igeln sind auch Siebenschläfer, Fledermäuse und Murmeltiere Winterschläfer. Wie die Tiere einschlafen ist noch nicht abschliessend geklärt. Vermutlich sind aber Hormonumstellungen und die Tageslänge ausschlaggebend. Wie das Einschlafen ist auch das Aufwachen im Frühling ein Rätsel. Es wird angenommen, dass die steigenden Temperaturen und angereicherte Stoffwechselprodukte als Wecksignale dienen. Durch diese Signale werden Hormone ausgeschüttet, welche die Körpertemperatur erhöhen. Bei Überschreitung von 15°C, kann Muskelzittern zur weiteren Erwärmung beitragen.  

Igel
Der Igel verbringt die kalte Jahreszeit im Winterschlaf. © Christoph Scholz [CC BY-ND 2.0] via flickr

Der Braunbär ruht sich aus 

Nicht ganz so drastisch wie der Igel geht der Braunbär vor. Auch er verbringt den Winter zwar in einem schlafähnlichen Ruhezustand, ist aber häufiger wach als die Winterschläfer, um seine Position zu wechseln, den Hunger zu stillen oder um sich zu erleichtern. Seine Körpertemperatur und die Atmung sinken weniger stark als bei den Tieren, die Winterschlaf betreiben und in sehr milden Wintern benötigt der Braunbär auch mal gar keine Winterruhe. Wie der Bär machen es auch Dachse und Eichhörnchen.

Der Mauersegler wandert aus

In der kalten Jahreszeit einfach irgendwo in die Wärme fliehen – Millionen von Zugvögeln tun genau das.  In der Schweiz ist der Mauersegler der erste Vogel, der das Land verlässt. Bereits Ende Juli/Anfang August macht er sich auf seine lange Reise nach Afrika. Dabei versucht er, mit Rückenwind und bei trockenen Wetterverhältnissen zu fliegen. Zudem reist er in Etappen und legt immer wieder längere Rastpausen ein. Vogelarten, die sich erst später im Jahr auf den Weg machen, haben sich oft Marokko, Algerien, Spanien oder Südfrankreich als Winterdestination ausgesucht.

Die Blaumeise plustert sich auf

Im Gegensatz zum Mauersegler bleibt die Blaumeise im Winter bei uns. Um sich vor Kälte und Frost zu schützen plustert sich die Blaumeise oft auf. Dadurch entsteht eine isolierende Luftschicht unter dem Gefieder, welche das Tier warm hält. Zudem versteckt sich der Vogel häufig in Höhlen oder sucht Schutz in immergrünen Bäumen und Sträuchern. Den Trick mit dem Aufplustern kennen neben der Blaumeise auch ganz viele andere Vögel.

Aufgeplustert trotzt die Blaumeise der Kälte. © NickyPe, via pixabay

Der Grasfrosch erstarrt

Der Grasfrosch ist wechselwarm, das heisst, seine Körpertemperatur ist abhängig von der Aussentemperatur. Wird es demnach draussen kalt, wird auch der Frosch kalt und erstarrt am Ende fast komplett. Um sich vor Frost zu schützen, vergräbt sich der Frosch aber zuvor in der Erde. Dort harrt er bewegungsunfähig die kalte Jahreszeit in der sogenannten Winterstarre aus. In diesem Zustand verbraucht er kaum Energie, da er nicht nur die Körpertemperatur, sondern auch der Herzschlag und die Atmung drastisch senkt. So können die Tiere problemlos Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überleben. Das System der Winterstarre kennen vor allem Fische, Amphibien, Reptilien und Insekten.

Der Luchs lässt sich ein warmes Fell wachsen 

Jede*r Hunde- oder Katzenbesitzer*in kennt es: Haare überall, endloses Staubsaugen, Fellwechsel. Aber nicht nur unsere geliebten Haustiere, sondern auch fast alle einheimischen Säugetiere lassen sich im Winter ein warmes Fell aus Unterwolle und Deckhaar wachsen. Dabei ist der Luchs Spitzenreiter in Sachen Winterfell. Er hat eines der dichtesten Felle im gesamten Tierreich. Besonders das zusätzliche Fell an den Pfoten kommt der Kleinkatze gerade recht. Durch die Oberflächenvergrösserung kann der Luchs nämlich wie mit Schneeschuhen durch die Winterlandschaft pirschen.

Der Luchs hat eines der dichtesten Winterfelle im Tierreich. © sabrinabelle, via pixabay

Der Schneehase färbt sich die Haare

Einige Tiere sind besonders clever und passen ihre Fellfarbe den winterlichen Gegebenheiten an. So ist der Schneehase im Sommer braun, im Winter jedoch weiss wie Schnee. Auch das Schneehuhn tauscht sein grau-gesprenkeltes Gefieder gegen ein Schneeweisses ein. Aber auch Rehe oder Hirsche machen eine Veränderung durch, allerdings ist diese weniger extrem. Ihr rotbraunes Fell verwandelt sich im Winter in eine unscheinbarere gräuliche Variante.  

Weiss in Weiss: Der Schneehase hoppelt gut getarnt durch den Winter. © Bouke ten Cate [CC BY-ND 4.0], via Wikimedia Commons

In unserem Quiz können Sie Ihr Wissen über die Überwinterungsstrategien der Wildtiere auf die Probe stellen.

1 Kommentar

  1. Ja, toll. Ich habe mich gerade gefragt, was denn mit Bären in der Schweiz aktuell ist?

    Man hat ja lange nichts von ihnen gehört, so dass ich davon ausgehe, dass es aktuell gar keine mehr gibt.

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