In Ferenbalm wird eine neue Art der Renaturierung getestet: Nach einigen Bauarbeiten übergibt man das Feld dem Biber, der vielfältige Lebensräume und Strukturen schaffen kann. © via pixabay.
In Ferenbalm wird eine neue Art der Renaturierung getestet: Nach einigen Bauarbeiten übergibt man das Feld dem Biber, der vielfältige Lebensräume und Strukturen schaffen kann. © via pixabay.

Der Biber soll für die Renaturierung sorgen

  • Redaktion Naturschutz
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Beim bernischenFerenbalm soll aus einer ehemals intensiv bewirtschafteten Ackerfläche wieder ein abwechslungsreiches Feuchtgebiet entstehen. Nach einigen Bauarbeiten wird die Fläche nun der lokalen Biber-Familie übergeben. Diese soll mithelfen, das Gebiet in einen artenreichen Lebensraum zu verwandeln. Diese Form der Renaturierung ist ein in der Schweiz bisher einzigartiger Ansatz.

Angefangen hat alles im November 2009, als der Biber mit einigen Dämmen in Ferenbalm einen Bach staute und damit Landwirtschaftsland überflutete: Die ehemalige Aue erwachte langsam wieder zum Leben. Ende 2012 erwarb Pro Natura die rund drei Hektaren grosse, stark vernässte Landfläche «Mühlematt», um darauf ein Feuchtgebiet entstehen zu lassen, das der Biber frei gestalten kann. Die dafür notwendigen Bauarbeiten am Terrain  konnten diesen Herbst abgeschlossen werden. Schwerpunkt des 1, 7 Mio. Franken teuren Vorhabens war nebst der Vorbereitung des Geländes für den Biber die Wiederherstellung der unterbrochenen Längsvernetzung des Flusses Bibere.

Noch im Jahr 2010 wurde die ehemalige Aue Mühlematt bei Ferenbalm intensiv landwirtschaftlich genutzt. © Peter Lakerveld, via Pro Natura.
Noch im Jahr 2010 wurde die ehemalige Aue Mühlematt bei Ferenbalm intensiv landwirtschaftlich genutzt. © Peter Lakerveld, via Pro Natura.

Die Biber sollen angelockt werden

Der Biber kann wie keine andere Tierart vielfältige Lebensräume und Strukturen schaffen. Auf rund der Hälfte der Projektfläche soll daher er der hauptsächliche Landschaftsgestalter und Baumeister sein. Um ihm die Arbeit etwas zu erleichtern, wurden in einigen Zonen der «Mühlematt» die Wiesen bewusst vernässt. Mehrere hundert neu gepflanzte Weiden sollen die Nager auf die Fläche locken. Mit ihrem Stauen und Graben werden die Tiere dafür sorgen, dass in der «Mühlematt» ein lebendiges und dynamisches Naturparadies entsteht, von dem Tiere wie etwa der Grasfrosch, der Teichrohrsänger oder die gebänderte Prachtlibelle profitieren werden.

Mit einigen baulichen Massnahmen wurde in der Mühlematt die Ausgangslage geschaffen, damit der Biber das Projektgebiet umgestalten kann. © Peter Lakerveld, via Pro Natura.
Mit einigen baulichen Massnahmen wurde in der Mühlematt die Ausgangslage geschaffen, damit der Biber das Projektgebiet umgestalten kann. © Peter Lakerveld, via Pro Natura.

Groppen und Forellen können wieder wandern

Im Rahmen der baulichen Aufwertung des Projektgebietes wurde auch die Bibere wieder passierbar gemacht, indem man das Stauwehr durch einen Beckenpass ersetzte. Viel neu eingebautes Totholz macht das Gewässer zu einem strukturreichen Lebensraum, in dem Forellen, Groppen und andere Wasserlebewesen wieder ohne Hindernisse wandern können. Hinter der gelungenen Aufwertung der Biberaue Ferenbalm steht die gute Zusammenarbeit der beiden Kantone Bern und Fribourg, der Gemeinde Ferenbalm und Pro Natura.

Der neu gebaute Beckenpass wird neben seiner Funktion als Aufstiegsbauwerk auch als wertvoller Lebensraum für Fische und für Wasserinsekten dienen. Vorher versperrte hier ein knapp 3m hohes Wehr den Fischen den Weg. © Peter Lakerveld, via Pro Natura.
Der neu gebaute Beckenpass wird neben seiner Funktion als Aufstiegsbauwerk auch als wertvoller Lebensraum für Fische und für Wasserinsekten dienen. Vorher versperrte hier ein knapp 3m hohes Wehr den Fischen den Weg. © Peter Lakerveld, via Pro Natura.

1 Kommentar

  • E. Grütter

    M.E. ein diskutables Artenschutzprojekt. Besonders das neue sog. Aufstiegsbauwerk, stabilisiert mit ortsfremden Steinblöcken in der Sohle und am Ufer, sind ein Beispiel für naturfernen Wasserbau.

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