Lagererzwespe_in_Aktion

Bio-Waffe: Nützlinge in der Zuchtbox

  • Eliane Küpfer
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Es ist nicht genau bekannt welchen Schaden der Kornkäfer Jahr für Jahr in der Landwirtschaft anrichtet. „Betroffene Landwirte erleiden schnell einen Totalausfall, wenn sich der Schädling über ihre Getreideernte hermacht“, erklärt Prof. Dr. Johannes Steidle, Leiter des Fachgebiets Tierökologie an der Universität Hohenheim.

Doch ökologisch wirtschaftende Landwirte haben dem Kornkäfer nicht viel entgegenzusetzen. Als biologische Wunderwaffe bleibt ihnen die kaum einen Millimeter große Lagererzwespe. Sie durchsticht die Schale eines Weizenkorns mit ihrem Stachel, zapft die Larve des Kornkäfers an, die im Weizenkorn schlummert, und legt ihre Eier auf ihr ab. An den Folgen dieses Angriffs geht der Schädling langsam zugrunde.

Das Problem war bisher, dass die nützlichen Insekten ihre besten Tage in einem Versandpaket verbrachten und so bereits geschwächt auf dem Kornfeld ankamen. In Zukunft sollen die Larven gleich an ihrem Einsatzort schlüpfen und frisch in den Kampf ziehen.  Ermöglichen soll dies die Hohenheimer Zuchtbox, die von Steffi Niedermayer, einer Doktorandin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Steidle entwickelt wurde.

Der Prototyp ist ein durchsichtiges Plastikgefäß, das Schwarzaugenbohnen enthält. „In den Bohnen nistet sich die Larve des Bohnenkäfers ein“, erklärt Prof. Dr. Steidle. „Auch auf diesen Larven legt die Lagererzwespe ihre Eier ab und vermehrt sich so in der Zuchtbox.“ Durch ein Sieb im Deckel verlassen die ausgewachsenen Jungtiere der Lagererzwespe die Zuchtbox und schwärmen ins Getreidelager aus. Über den Geruchssinn spüren sie die Kornkäferlarven auf und befallen sie. Der Bohnenkäfer hingegen muss weiterhin sein Dasein in der Zuchtbox fristen. Denn die Maschen des Siebs sind nur so groß, dass die Lagererzwespe durchpasst.

In Spitzenzeiten gehen über 200 junge Lagererzwespen gleichzeitig gegen den Kornkäfer vor und sorgen dafür, dass er sich nicht weiter im Getreidelager ausbreiten kann. Mit der Hohenheimer Zuchtbox haben Landwirte künftig sechs bis sieben Monate lang ihre Ruhe vor dem Schädling. „Für Menschen ist die Lagererzwespe nicht gefährlich“, versichert Prof. Dr. Steidle. Auch das Ökosystem wird durch den winzigen Nützling nicht aus dem Gleichgewicht gebracht. Denn: Ohne Beute sterben die Wespen einfach weg.

Bild: Eine Lagererzwespe durchsticht mit ihrem Stachel ein Getreidekorn und legt ihre Eier auf der Larve des Kornkäfers ab, Universität Hohenheim

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