Start News Natur Gekommen, um zu bleiben - Internationale Neuankünfte in unserer Flora

Gekommen, um zu bleiben – Internationale Neuankünfte in unserer Flora

Jedes Jahr kommen neue exotische Arten zu unserer Flora hinzu. Drei davon werden in diesem Artikel vorgestellt. Die meisten Neuankömmlinge verhalten sich nicht invasiv. Um jedoch korrekt beurteilen zu können, wie sie sich in ihrer neuen Umgebung verhalten, ist es wichtig, solche Neufunde zu dokumentieren, insbesondere wenn sie nicht in der Nähe von Gärten, sondern mitten in der Natur vorkommen.

Text von Stefan Eggenberg, Brigitte Marazzi, Adrian Möhl und Helder Santiago, Artikel aus der «FloraCH – Die Botanische Zeitschrift der Schweiz» (N°11, Herbstausgabe 2020)»

Um neue Arten zu entdecken, braucht es ein gutes Auge und Forschergeist. Tatsächlich kann es jeder und jedem passieren, in natürlicher Umgebung auf eine unbekannte Pflanze zu treffen, die sich nicht einmal mit den neuesten Bestimmungsschlüsseln identifizieren lässt. Ein möglicher Name kann vielleicht dank Floren der Nachbarländer oder im Internet gefunden werden. Und wenn der Name noch nicht auf der Website von Info Flora aufgeführt ist? Handelt es sich dann um eine neue Art für die Schweiz? Wenn Sie sich in dieser Situation befinden, melden Sie Info Flora Ihren Fund, beispielsweise mit dem Online-Feldbuch.

Lesen Sie die detaillierten Anweisungen unter www.infoflora.ch/neophyten und zögern Sie nicht, Info Flora ein E-Mail mit Ihrer Entdeckung zu senden – mal sehen, ob es sich um eine internationale Neuankunft handelt!

Bothriochloa barbinodis – Ein Gras auf der Überholspur

Das aus dem subtropischen Amerika stammende Wimperknoten-Bartgras (Bothriochloa barbinodis) war schon seit den Neunzigerjahren als Neophyt in Südfrankreich bekannt und findet sich dort an Wegrändern, in Brachen und auf Äckern. Seit etwa 2005 breitet sich die Art rasant nach Norden aus und hat nun schliesslich bei Genf auch die Schweiz erreicht. Patrice Prunier konnte das Gras seit 2018 beim Autobahnkreuz Perly (Kilometer-Quadrat 496000/113000) beobachten. Es ist zu erwarten, dass es sich entlang der Verkehrsachsen nach Osten weiterverbreiten wird. Das Gras ist leicht vom einheimischen Bothriochloa ischaemum zu unterscheiden: Es ist generell hochwüchsiger (bis über 1 m hoch!), hat bewimperte Knoten (bei B. ischaemumkahl), daher auch der Name «barbinodis», und in den Ährchenpaaren ist das gestielte Ährchen deutlich kürzer als das sitzende (bei B. ischaemum sind beide etwa gleich gross).

Oenanthe javanica – Asiatisches Gemüse auf der Flucht

Javanischer Wasserfenchel, Chinesischer Wassersellerie oder lieber Japanische Petersilie? Oenanthe javanica hat es schon zu einer ganzen Reihe von volkssprachlichen Namen gebracht, die seine weite Verbreitung und Nutzung widerspiegeln. Die Art ist nicht nur auf Java verbreitet, wie ihr wissenschaftlicher Name vermuten liesse, sondern kommt von Japan über China bis nach Australien vor. Ihre würzigen Blätter werden als Gemüse genutzt und so hat sie sich mit dem Menschen weit über ihr natürliches Gebiet verbreitet. In Europa wird Oenanthe javanica manchmal als Gemüse- oder Zierpflanze angeboten, und vom Garten gelangt sie schnell in die Natur. So wurde sie 2017 erstmals in der Magadino-Ebene beobachtet. Mit ihren relativ grob gefiederten Blättern unterscheidet sie sich deutlich von den einheimischen Oenanthe-Arten. Es wird befürchtet, dass sie sich bei fehlendem Winterfrost massiv ausbreiten könnte, was in empfindlichen aquatischen Ökosystemen dramatisch wäre.

Oenanthe javanica
Oenanthe javanica wird auch «Wassersellerie» genannt und hat würzige Blätter, die als Gemüse verwendet werden. Durch das Wirken des Menschen hat sie sich weit über ihr natürliches Gebiet verbreitet. © Sofia Mangili

Soliva sessilis – Nichts für zarte Füsse

Ausser passionierten Botanikerinnen und Fakiren wird sich wohl niemand über die Ankunft von Soliva sessilis freuen. Beim genaueren Hinschauen ist die Art zwar durchaus hübsch – aber ihre Früchte stechen wie Reissnägel und wer einmal auf sie tritt, wird sie so schnell nicht wieder vergessen. Der unter dem Volksnamen «Bindikraut» bekannte Korbblütler ist im Tessin und in der Waadt aufgetaucht. Ursprünglich stammt die Art aus Südamerika, hat schon grosse Teile der Südhemisphäre erobert und macht sich auch in Europa breit, besonders in Südfrankreich. Die Blätter erinnern etwas an Petersilie, und mit ihren perfiden Früchten kann sie sich mit Mensch und Tier gut ausbreiten. Soliva sessilis fühlt sich besonders in Rasen sehr wohl und verbreitet sich allem voran in Parks, Spielwiesen und Campingplätzen. Sollte es Sie beim Gang durch den Rasen in die Füsse stechen, so lohnt sich ein genauer Blick – und besonders eine Meldung bei Info Flora für diese frisch eingewanderte Art.

Soliva sessilis
Soliva sessilis fühlt sich besonders in Rasen sehr wohl und die Früchte stechen wie Reissnägel. Wenn Sie das Unglück haben, barfuss darauf zu treten, werden Sie die Pflanze nicht so schnell vergessen. © Nicola Schoenenberger

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