Mit ihren einzigartigen Natur- und Kulturgütern sind die Schweizer Pärke attraktive Destinationen für Freizeit und Ferien. Sie stehen vor der Herausforderung, dieses Potenzial auf nachhaltige Weise und im Einklang mit ihren Grundwerten zu nutzen – von der hohen Landschaftsqualität über die lokale Wertschöpfung bis hin zum Erhalt der Artenvielfalt. Die 6. Tagung Parkforschung Schweiz widmete sich genau diesem Spannungsfeld.
Adaptierte Fassung eines Textes von SCNAT
Seit der Gründung des Naturparks Pfyn-Finges im Jahr 1997 stehen dort Schutzbestrebungen und touristische Ansprüche in einem Spannungsfeld, wie Parkdirektor Peter Oggier in seinem Eröffnungsvortrag zur 6. Tagung Parkforschung Schweiz ausführte. Über 90 Teilnehmende kamen zusammen, um sich mit Fragen zu Tourismus und Naherholung in den Schweizer Pärken auseinanderzusetzen. Die Tagung war eine gemeinsame Veranstaltung des Forum Landschaft, Alpen, Pärke (FoLAP), des Naturparks Pfyn-Finges und des Instituts für Tourismus der HES-SO Valais-Wallis. Auf dem Programm standen insgesamt 25 Referate und Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung und Praxis.
Konflikte lösen durch Zusammenarbeit
In einem Vierteljahrhundert Naturpark Pfyn-Finges hat sich gezeigt: Bei Nutzungskonflikten fühlt sich oft niemand verantwortlich. Die grösste Stärke eines Parks kann daher sein, die verschiedenen Akteure an einen Tisch zu bringen. Doch wie schafft man ein gemeinsames Verständnis, wenn die Perspektiven so unterschiedlich sind? Ansätze dafür wurden an der Tagung diskutiert.
Ein Beispiel ist das Reallabor im Jurapark Aargau, ein transdisziplinäres Modell, bei dem sich lokale Akteure und Forschende in Workshops mit konkreten Parkproblemen befassen. Lösungsansätze werden in Experimenten direkt vor Ort getestet – eine Methode, die auch für andere Pärke interessant sein könnte. Ein weiterer vorgestellter Ansatz von Professor Jean-Christophe Loubier (HES-SO Valais-Wallis) zielt darauf ab, tiefere Konfliktursachen wie unterschiedliche Naturverständnisse und Wertesysteme zu entschlüsseln und in die Lösungsfindung einzubeziehen.
Besucher lenken, statt Natur zu belasten
Wie lassen sich Besucherströme steuern, ohne die Natur zu gefährden? Dieser Zielkonflikt stand im Zentrum mehrerer Tagungsbeiträge. Moderne Methoden wie drohnenbasierte Kartierungen oder Heatmaps könnten heute helfen, ökologisch sensible Zonen zu identifizieren und Besucherbewegungen präzise zu analysieren. Das Beispiel der V-Bahn in Grindelwald zeigte, wie wichtig ein früh mitgeplantes Monitoring ist: So lassen sich negative ökologische Folgen von Besucherumverteilungen von vornherein verhindern. Befragungen deckten zudem auf, wo bei den Gästen noch grosser Informations- und Sensibilisierungsbedarf besteht.
Pärke können aber auch zu Orten des gemeinsamen Lernens werden, wie der Verein Erlebniswelt Roggen Erschmatt beweist. Durch interaktive Formate wie Backworkshops vermittelt er das Natur- und Kulturerbe rund um den Roggen und schärft so das Bewusstsein der Parkbesuchenden.
Die Zukunft: Forschung für regenerativen Tourismus
Die Tagung machte deutlich: Die Forschung liefert wertvolles Wissen für einen nachhaltigen Parktourismus. Tourismus und Naherholung sind nicht nur Herausforderung, sondern bieten auch Potenzial für lokale Wirtschaft, Gesellschaft und Natur. Ein zukunftsweisendes Konzept ist der regenerative Tourismus, der aktiv zur Wiederherstellung von Ökosystemen beitragen möchte. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf, ebenso wie in Bereichen der sozialen Nachhaltigkeit (z.B. Gesundheit, Inklusion).
Das Netzwerk Schweizer Pärke hat eine Übersicht mit offenen Forschungsfragen erstellt. Sie soll die Wissenschaft dazu anregen, gemeinsam mit den Pärken den Tourismus integrativer und nachhaltiger zu gestalten und so aktiv zum notwendigen Wandel beizutragen.
- Aktuelles vom Forum Landschaft, Alpen, Pärke (FoLAP)
- Hier gehts zur Tagungssynthese der HES-SO Valais-Wallis




