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Flughunde forsten afrikanische Wälder auf

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Eine einzige Kolonie von Flughunden kann dafür sorgen, dass innerhalb von einem Jahr 800 Hektaren Wald wieder aufgeforstet wird! Dies geschieht dank ihren langen Flugstrecken auf denen sie die Samen der verzehrten Früchte verteilen. Von einem besseren Schutz der bedrohten Palmenflughunde würden zudem nicht nur Wälder sondern auch Menschen profitieren.

Intakte Ökosysteme erfreuen nicht nur Naturliebhaber, sie nutzen Menschen auch finanziell. Wie viel Geld sie jedoch tatsächlich einbringen, ist im Einzelfall schwer zu beziffern. Nun haben Wissenschaftler erstmals den ökologischen und finanziellen Nutzen von Palmenflughunden in Afrika berechnet. Diese Fledermausart fliegt jede Nacht lange Strecken zu ihren Futterplätzen und verbreitet dabei die Samen der verzehrten Früchte. Den Forschern zufolge verbreitet eine Kolonie von 150’000 Tieren in einer einzigen Nacht über 300’000 Samen, berichtet das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell.

Palmenflughunde fliegen bis zu 88 Kilometer pro Nacht

Palmenflughunde (Eidolon helvum) besitzen eine Flügelspannweite von bis zu 80 Zentimetern und ernähren sich von Nektar und Früchten. Tagsüber hängen die Fledertiere kopfüber in den Kronen alter Bäume und schlafen. Bei Sonnenuntergang werden sie aktiv und begeben sich auf Futtersuche. Wenn die Tiere in Kolonien leben und die Konkurrenz um Futter gross ist, fliegen sie bis zu 88 Kilometer weit zu geeigneten Futterbäumen. Erst am nächsten Morgen kehren sie wieder an ihre Schlafplätze zurück. Unterwegs verteilen sie die Samen der gefressenen Früchte über grosse Gebiete mit ihren Ausscheidungen.

Auf diese Weise tragen die Flughunde zur Artenvielfalt der Wälder und deren genetische Diversität bei. Denn gesunde Wälder können nur gedeihen, wenn Früchte-fressende Tiere wie Flughunde die Samen der Bäume über grössere Entfernungen hinweg verbreiten. Dank des weiträumigen Transports durch die Fledertiere können junge Bäume in einer Umgebung ohne direkte Konkurrenz durch Artgenossen und auf sie spezialisierte Pflanzenfresser keimen und aufwachsen. Dadurch können selbst in gerodeten Gebieten neue Wälder entstehen.

Flughunde sind Langstreckenflieger

Dina Dechmann erforscht seit Jahren den in Afrika lebenden Palmenflughund. «Die meisten Früchte fressenden Tierarten verlassen die schützenden Baumkronen ihres Waldes nicht und verteilen deshalb Samen nur in einem kleinen Umkreis», erzählt Dechmann. Der Palmenflughund dagegen überfliegt bei seiner nächtlichen Futtersuche Waldgrenzen. Er fliegt über offene Landschaften und kann die Samen der gefressenen Früchte bis zu 75 Kilometer weit verbreiten. Ausserdem frisst er viele verschiedene Arten von Früchten und lebt in Kolonien von tausenden bis Millionen von Individuen.

Die Forscher haben die Bewegungen der Palmenflughunde mit GPS-Sendern verfolgt und die nächtlichen Flugrouten aufgezeichnet. In Fütterungsexperimenten haben sie ausserdem die Dauer gemessen, bis Samen nach der Verdauung verbreitet werden. Demnach scheiden die Tiere einen Teil der Samen erst relativ spät aus und begünstigen so deren Verbreitung über weite Strecken.

Ein Schwarm von Palmenflughunde verdunkeln den Himmel.
Die Kolonien der Palmenflughunde können aus mehreren hunderttausend Individuen bestehen. Wenn die Tiere am Abend zu ihren Fressplätzen aufbrechen, verdunkeln sie förmlich den Himmel. © Ziegler, MPI f. Ornithologie

Hoher Nutzen für den Menschen

Mithilfe der Daten über Flugbewegung und Ausscheidungszeit der Samen konnten die Forscher das Potential einer ganzen Kolonie berechnen, Samen über lange Strecken zu verteilen und in gerodete Gebiete zu transportieren. Auf diese Weise haben sie herausgefunden, dass eine Kolonie von 150’000 Palmenflughunden in einer einzigen Nacht über 300’000 Samen verteilen kann.

«Die Palmenflughunde verbreiten unter anderem schnell wachsende Bäume, die als Pionierarten die richtige Umgebung für das Ansiedeln und Wachsen weiterer Baumarten schaffen», erklärt Dechmann. Dadurch könnten pro Jahr allein in Ghana 800 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden. Der Gewinn, der dabei für die Bevölkerung durch essbare Früchte, erhöhte Bodenfruchtbarkeit und Holz entsteht, liegt rechnerisch bei über 700’000 Euro. Da die Palmenflughunde durch ganz Afrika migrieren, profitieren viele Gemeinden von ihren Dienstleistungen.

Bedrohung durch Jagd und Verlust von Lebensraum

Die Zahl der in Afrika lebenden Palmenflughunde geht jedoch immer weiter zurück. Die Tiere werden in grosser Zahl gejagt und auf Märkten zum Essen angeboten. Aber auch die Abholzung grosser Bäume, die die Tiere als Schlafplätze brauchen, bedroht die Bestände. «Das ist ein unglaublicher Verlust, denn die Palmenflughunde helfen mit beim Erhalt der Wälder in Afrika. Die Bevölkerung muss deshalb dringend über die Bedeutung der Palmenflughunde informiert werden», sagt Dechmann. Mit gutem Beispiel voran geht dabei ein lokaler König in Kibi, einer Stadt im Süden Ghanas: Die Kolonie Palmenflughunde, die in seinem Garten lebt, hat er unter seinen persönlichen Schutz gestellt.

Ein verletzter Flughund.
Dieser Flughund wurde von einer Steinschleuder getroffen und ist dadurch auf einem Auge erblindet. Viele der getöteten Tiere werden auf lokalen Märkten als „Buschfleisch“ verkauft. © Ziegler, MPI f. Ornithologie

Ein kurzes Video fasst die Studie zusammen:

© MaxPlanckSociety, via youtube

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