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Schrecken mit Sichel und Schwert, Keulen und Dornen – Hotspot Naturgarten

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Heuschrecken lebten nicht schon immer in unserem Naturgarten, ausgenommen das Grüne Heupferd, die Punktierte Zartschrecke und die Gemeine Strauchschrecke: diese drei Arten sind seit Jahren regelmässig anzutreffen. Es scheint jetzt aber, dass die wärmeren Sommer der letzten Jahre weiteren Arten ziemlich behagen, denn plötzlich waren sie da: Schwertschrecke, Sichelschrecke, Eichenschrecke, Nachtigall-Grashüpfer, Rote Keulenschrecke, Langfühlerdornschrecke!

Text und Bild von Christine Dobler Gross

Sichelschrecke
Die Sichelschrecke lebt erst seit letztem Jahr in unserm Garten © Christine Dobler Gross

Heuschrecken sind faszinierende Tiere, ihre Identitätskarte ist ihr individueller Gesang, der teilweise auch nachts zu hören ist. Mich versetzt das  Zirpen jeweils in Ferienstimmung  – Kindheitserinnerungen vom Mittelmeerraum. Leider sind höhere Tonlagen mit zunehmendem Alter nicht mehr wahrnehmbar……

Strauchschreckenlarve
Die graubraune gemeine Strauchschrecke ist perfekt getarnt, sie singt bis spät in die Nacht hinein durch Aneinanderreiben der Flügel. © Christine Dobler Gross

Von den 106 Arten in der Schweiz leben 31 Arten in Zürich (Stadtfauna, 600 Tierarten der Stadt Zürich, Haupt-Verlag). Sie fressen Blätter, Blüten, Gräser oder tierische Nahrung, oder beides.

Stelldichein des Punktierten Zartschreckenpärchens
Stelldichein der Punktierten Zartschrecken: vorne das Weibchen, hinten das Männchen. © Christine Dobler Gross

Heuschrecken werden gerne und oft zur Beute von Vögeln, Spinnen, aber auch von andern Insekten.

Isodontia mexicana mit Beute
Eine Grabwespe, der Stahlblauen Grillenjäger Isodontia mexicana, hat eine Eichenschrecke erwischt. Diese Wespe ist in den 60erjahren von Amerika nach Südfrankreich eingeschleppt worden und hat sich in den letzten Jahren auch in der Schweiz immer mehr ausgebreitet. © Christine Dobler Gross
Isodontia mexicana mit Beute
Sie schleppt ihre Beute in ihr Nest, hier eine Nisthöhle für Wildbienen und andere Insekten, und legt ein Ei auf sie. © Christine Dobler Gross
Nest Stahlblauer Grillenjaeger
Ihr Nest erkennt man sofort: das Weibchen trägt lange Grashalme ein und trennt die einzelnen Brutzellen damit ab. © Christine Dobler Gross
Sichelschrecke
Diese Sichelschrecke lag so seltsam schlapp auf einer Golddistel herum, den ganzen Tag. © Christine Dobler Gross
Sichelschrecke Kleid
Bis ich den wahrscheinlichen Grund entdeckte, einen halben Meter nebenan: dort hing ihr zu eng gewordenes Kleidlein! Sie wartete wohl darauf, wieder genügend Schutz durch Festigkeit zu erlangen. Diese Heuschrecke machen sechs Häutungen durch innerhalb von ca. 60 Tagen, bis sie ausgewachsen sind. Erstaunlich, wie sie sich sogar aus den dünnen feinen Fühlern heraushäutet! © Christine Dobler Gross
Sichelschrecken-Paarung
Ende September spielte sich merkwürdiges während der Dämmerung auf den Malvenblättern ab. © Christine Dobler Gross
Sichelschrecke
Um das genauer zu sehen, musste ich den Blitz bei der Kamera betätigen. (Zum Glück liess sie sich nicht stören..). Ein Heuschreckenexperte erklärte mir aufgrund meiner Bilder, dass hier das Weibchen der Vierpunktigen Sichelschrecke Phaneroptera nana nach der Paarung die Spermatophore, das Geschenk des Männchens ans Weibchen, auffrisst! © Christine Dobler Gross
Langflueglige Schwertschrecke Conocephalus fuscus
Ebenfalls ein neuer Gast in unserm Garten ist seit 2017 die Langflügelige Schwertschrecke, die ich hier bei der Eiablage in einen hohlen Pflanzenstängel überraschte. © Christine Dobler Gross
Heupferd,wEiablage
Das grüne Heupferd legt hier seine Eier zwischen die Steinplatten des Sitzplatzes bei unsern Freunden (Bild: Chris Cockayne). Einer der vielen Gründe, die Steinplatten nicht zu verfugen, wenn du etwas für die Biodiversität tun willst.

Auch bei den Heuschrecken ist, wie bei vielen anderen Insekten, ein drastischer Rückgang an Arten und Individuen festzustellen. Wiesenbewohnende Arten leiden besonders unter der Zunahme an Wiesenschnitten in der Landwirtschaft. Aber auch generell setzt die Grünflächenpflege mit den häufigen Rasenschnitten den Tieren zu. Verfugte oder feinsäuberlich ausgeputzte Fugen zwischen den Wegplatten sowie die ausgeräumten Gärten im Herbst zerstören allfällige Eiablagen.

Sensen Nebelbach AG-
Dieses Heupferd konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, bevor die Sense in ihrem Lebensraum langsam, leise und sanft das Gras schnitt © Arno Gross
Mai Grünes Heupferd, Larve
Im Mai, wenn die Larven schlüpfen – hier die Larve des Grünen Heupferdes- sind sie noch zart und zerbrechlich. Sie werden oft Opfer von Vögeln. Als wichtige Eiweisslieferanten für Jungvögel dezimiert ihr Rückgang auch die Vögel durch das geschrumpfte Futterangebot. © Christine Dobler Gross
Nachtigall Grashüpfer
Im Herbst ist noch bis in den Oktober hinein das anschwellende Schrrrr… schrrrrrrrrr des Nachtigall-Grashüpfers zu hören. © Christine Dobler Gross

Heuschrecken bewohnen gerne warme und meist eher trockene Lebensräume und sind eine grosse Bereicherung in jedem Naturgarten.

Langfühlerdornschrecke
Dazu zählt auch die kurlige Langfühlerdornschrecke, die wegen ihrer unscheinbaren Farbe und geringen Grösse und weil sie keine Laute von sich gibt, oft übersehen wird. © Christine Dobler Gross

3 Kommentare

  1. ich möchte mich frau blum anschliessen. Jetzt weiss ich auch warum im Bienenhotel einige Röhrchen mit kleinen Stengelchen und Hälmchen gefüllt sind

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