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Der Traum eines jeden Wildbienenfreundes

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Schon seit bald 10 Jahren biete ich in unserem Garten der Blauen Holzbiene, der grössten einheimischen Wildbiene, alles an, damit sie hier nistet. Es hat schon ziemlich viele Totholzstämme in verschiedenen Zerfallstadien da und dort verteilt im Garten. Auch Nahrung in Form von Pflanzen, welche sie besonders mag. Sie liess sich zwar fast jedes Jahr hin und wieder einmal blicken, nagte auch schon an einem Totholzstamm herum, aber geblieben ist sie nicht, um ein Nest anzulegen.

Muscatellersalbei Blüte.
© Christine Dobler Gross

Der Muscatellersalbei ist eine ihrer Leibspeisen. Jedes Jahr versamt sich die imposante Blütenstaude und lockt auch andere Wildbienen an, hier eine Mörtelbiene.

Aquarell von der Blaue Holzbiene auf Muscatellersalbei
© Barbara Dobler Gross

Vor 25 Jahren malte mir meine Schwester zum Geburtstag die Blaue Holzbiene auf Muscatellersalbei – auch sie war fasziniert von ihr, aber damals war die wärmeliebende Biene wohl noch nicht in Zürich – meine Schwester wohnt am Genfersee.

Eine Mörtelbiene auf Platterbse.
© Christine Dobler Gross

Die Platterbse Lathyrus latifolius wirkt ebenfalls wie ein Magnet auf die Blaue Holzbiene. Hier ebenfalls eine Mörtelbiene als Besucherin.

Eine Blaue Holzbiene am Holz.
© Christine Dobler Gross

Nun ist sie da, seit April regelmässig, und hat ein Nest in einem toten Seitenstamm des Holunderbaums angelegt. Unterhalb der Stelle, wo ich den Stamm angebohrt habe, um sie anzulocken.

Das Bohrmehl von der Wildbiene sammelt sich unterhalb des Baumes.
© Christine Dobler Gross

Unter dem Nest, welches das Insekt mit seinen starken Mundwerkzeugen gut hörbar ins Holz genagt hat, liegt eine beachtliche Menge an Holzspänen. Und es kommen immer noch laufend welche dazu.

Im Holunderstamm verstecken sich einige Löcher von Holzbinene und einem Grabwespennest.
Nr. 1 meine Bohrung zum Anlocken, Nr. 2 erste Holzbiene, Nr. 3 zweite Holzbiene und Nr. 4 Grabwespennest. © Christine Dobler Gross

In einem anderen Garten wäre der abgestorbene Seitenstamm wohl der Ordnungsliebe zum Opfer gefallen. Wer aber um die totholzbewohnenden Bienen weiss, lässt so etwas als Kostbarkeit stehen. Nicht auszudenken, um welch aufregende Beobachtungen ich mich gebracht hätte, hätte ich den Stamm weggesägt: es dauerte nämlich nicht lange, besiedelte eine zweite Holzbiene den Stamm! Und damit nicht genug: inzwischen bewohnen auch Grabwespen den Stamm. Und wer weiss, was noch alles kommen wird!

Eine Grabwespe kriecht gerade in ihr Holzloch.
© Christine Dobler Gross

Aus diesem Grabwespennest bröseln auch seit Wochen regelmässig Holzspänchen – da muss inzwischen ein richtiges System an Gängen angelegt worden sein, und mehrere kleine schwarze Grabwespen gehen ein und aus. Ich vermute, es ist eine Art, welche ihre Brut mit Blattläusen füttert.

Ein Widderbock auf Totholz.
© Christine Dobler Gross

Hier spaziert ein Widderbock auf dem Stamm herum, auch seine Larve entwickelt sich in Totholz. Der Harmlose erweckt den Anschein, gefährlich wie eine Wespe zu sein mit seiner gelb-schwarzen Zeichnung.

Eine Schlupfwespe auf Totholz.
© Christine Dobler Gross

„Hoppla, wo bin ich denn hier gelandet?“

Eine Schlupfwespe auf Totholz.
© Christine Dobler Gross

Wo Bienen und Wespen nisten, sind auch die Parasiten nicht weit. Hier schaut sich eine Schlupfwespe um. Sie wird versuchen, ihren langen Legebohrer ins Holz zu stossen und ihr Ei auf die Larve einer Biene oder Wespe zu legen. Die Holzbienen jedoch müssen sich vor dieser Wespe nicht fürchten. Ihre Brut liegt sicher, tief innen im Holunderstamm!

Fortsetzung folgt.

12 Kommentare

  1. Wir haben auch einen sehr alten Stamm ,wo die blaue Biene jedes Jahr vorbei kommt, aber dann wieder verschwindet. Wir glaubten immer es sei eine Hummel.
    Ihr Bericht sagt mir nun, die Hoffnung nicht aufgeben, und den Stamm ja nicht wegnehmen. Wir müssen ihn schon befestigen, weil die Katzen daran in den 1. Stock klettern.
    Salbei werde ich nächste Woche pflanzen.
    Mein grosses Anliegen ist der Schwalbenschwanz. Ich behüte die Raupen und konnte so schon in all den Jahren sicher mehrer Hundert Falter das Leben retten und davon flattern sehen.
    Ich wünsche Ihnen weiter viel Erfolg und Freude mit der Natur .
    Claire Aebi

  2. Liebe Christine, wunderbar! Unsere Kinder haben kürzlich eine tote blaue Holzbiene im Quartier gefunden. Ich wundere mich wo sie wohl nisten. Bei uns leider (noch) nicht.

  3. Das ist ja wunderbar und so schöne Fotos! In diesem Jahr habe ich bei uns im Garten das erste Mal eine Holzbiene gesehen und wir haben ebenfalls einen alten Holunder mit abgestorbenen Ästen. Die werde ich morgen mal inspizieren. Liebe Grüsse

  4. Das ist ja wunderbar :)) Wie schön die liebe zu Natur. Ich habe in meinem Schrebergarten auch ein toter Stamm ,viele Insekten haben da ihre Behausung und freue mich immer wieder dies zu beobachten. Salbei ,Boretsch und Wiesenblumen stehen den Bienen zu Verfügung :))

  5. Sind wunderschöne Bienen. Wir haben seit ein paar Wochen, dass Vergnügen, sie bei uns im Wildblumengarten anzutreffen! Und erstaunlicherweise seit einer Woche hat es wieder Hummel die vorbeikommen! Und jeden Tag haufenweise Schmetterlinge. Wir sind leider die einzigen im Quartier, die keinen „Englischen Rasen“ aufzuweisen haben, aber ich erfreue mich über jedes Lebewesen, dass ich neu entdecken kann. Die Blumenwiese wurde diesen Frühling erst angesät, wir leben erst ein Jahr hier. Intressant wie schnell die einzelnen Tiere bei uns eingezogen sind. Auch der Igel marschiert nicht mehr vorbei, sondern düst bei uns durch den Garten. Es ist jeden Tag eine neue Freude, auch die Kleinsten zu entdecken! Schade, dass nicht andere auch so denken und handeln

  6. Sehr schön! Ich habe an meinem Gartenpavillon alte Rebstöcke fest gemacht auf etwa 180 cm über dem Boden. Es hat schon im ersten Jahr mit der Besiedelung geklappt :-). Jetzt versuche ich es mit anderem Holz. An den abgestorbenenen Holunderstämmen sind bisher leider keine, aber sie sind auch im Schatten.

  7. Bei mir vorm Haus steht längere Zeit ein toter Kirschbaum. Dieses Jahr hat es mich gewundert, da ist auf einmal ein Loch im Stamm, wie reingebohrt, ca. 10mm Durchmesser, und um den Stamm rum liegen lauter Holzspäne. Dann habe ich gesehen, warum. Es waren 2 größere schwarze Insekten, mit dunkelblauen Flügeln. Hab ich vorher hier noch nie gesehen. Ich wohne im südlichsten Teil von Nürnberg. Wenn sie fliegen, das brummt ganz schön. Ein Foto wollt ich machen, aber unmöglich, sie schwirren wie wild.

  8. Ich begrüsse jedes Jahr blauschwarze Holzbienen in unserem Garten in Schaffhausen. Heute habe ich sie auf der blühenden Weigelie gesehen; die Muskatellersalbei ist noch nicht so weit. Seit ich viel Zierlauch angepflanzt habe, beobachte ich auch die borstige Dolchwespe; ein wunderschönes insekt!

  9. Laut Wikipedia kommen die Holzbienen in Mitteleuropa bis zu einer Höhe von 500 Metern vor. Wir beobachten sie aber auch hier in Almens (Domleschg, 800 Meter ü.M.) am Muskatellersalbei. Danke für ihre interessanten Informationen.
    Adelheid Hanselmann

  10. Seit Monaten beobachte ich bei mir im Garten in Herrieden, wie eine Holzbiene unregelmäßig in einem getrockneten Baumschwam ein- und ausfliegt. Ab und zu taucht eine zweite Holzbiene auf, die jedoch sofort wieder das Nest verlässt.

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