Exotisches, sogenanntes «Superfood» liegt im Trend – Nachhaltig und ökologisch ist dieser Boom aber gar nicht. Besser man greift zu lokalen Alternativen. © Sambazon, via unsplash.
Exotisches, sogenanntes «Superfood» liegt im Trend – Nachhaltig und ökologisch ist dieser Boom aber gar nicht. Besser man greift zu lokalen Alternativen. © Sambazon, via unsplash.

«Superfood» schadet der Umwelt – einheimische Alternativen punkten

  • Stefanie Wermelinger

Exotische «Superfoods» sind am Boomen. Sie gelten zwar als gesunde und hochwertige Lebensmittel, haben aber eine schlechte Ökobilanz. Dies vor allem aufgrund des weiten Transportweges und wegen den landwirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, die in den Anbauländern ausgelöst werden. Dabei gibt es auch in unserer Region Nahrungsmittel, die es mit den Superfoods aufnehmen können.

Manch einer schwört auf Superfoods, die besonders gesund machen sollen und hohe Anteile an wichtigen Vitaminen, Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffen und Mineralstoffen beinhalten. Sei es als Smoothie, Joghurt oder in experimentellen Salaten, überall findet man seit einiger Zeit Chia-Samen, Goji-Beeren, Quinoa oder Avocados – die exotischen Super-Nahrungsmittel liegen voll im Trend.

Einmal um die halbe Welt

Dass dieses «Superfood» wichtige Nährstoffe enthält ist nicht mehr gross umstritten. Wie gesund diese sind – vor allem Aufgrund der Behandlung mit Pestiziden – und ob sie wirklich teils heilende Wirkungen haben ist wissenschaftlich oft noch nicht bestätigt. Was man aber weiss: Alle diese «Superfoods» stammen aus fernen Regionen und werden über weite Strecken zu uns transportiert. Eine Mehrheit der typischen Anbauländer liegt in Südamerika. Von dort werden die Nahrungsmittel per Schiff und Lastwagen in die Zieldestination verfrachtet, wo sie dann noch einige Tage in einem Lagerraum gekühlt werden, bis der perfekte Reifegrad erreicht ist. Man kann es sich denken: Mit dem entsprechenden CO2-Footprint bleibt die Nachhaltigkeit auf der Strecke.

Gesteigerte Nachfrage führt zu Monokulturen

Mit der steigenden Nachfrage nach «Superfood» steigt auch die Produktion in den Anbauländern. Es entstehen Monokulturen, um möglichst viel von den nachgefragten Nahrungsmittel zu produzieren. Der Boden und die Biodiversität leiden unter solchen einseitig bestellten Felder. Um diese teils riesigen Flächen zu bewässern braucht es künstliche Bewässerungssysteme, die das Wasser zum Feld umleiten und so benachbarte Flächen austrocknen. Pestizide und Herbizide werden eingesetzt, um den Wachstum und Ertrag der Ernte zu steigern und verschmutzen Gewässer und Trinkwasser in der Nähe. Einige dieser Superfoods haben einen hohen Wasserbedarf, beispielsweise die Avocado: Für ein Kilo Avocado wird circa 1’000 Liter Wasser verbraucht, wie die Medien kürzlich berichteten.

Die gesteigerte Nachfrage führt auch dazu, dass neue Felder gerodet werden, dies teilweise auch illegal. In Mexiko, wo eine Mehrheit aller Avocados angebaut wird, schätzt die nationale Umweltschutzorganisation Gira, dass rund 1’500 bis 4’000 Hektar Waldfläche jedes Jahr gerodet wird. Ist eine Fläche dann einmal bepflanzt, dann wird das Äusserste aus dem Boden herausgeholt. Ruhephasen für die Ackerflächen werden nicht mehr eingehalten und das Land wird ohne Stopp bestellt, worunter die Bodenfruchtbarkeit leidet.

Grosse Flächen werden gerodet, um Monokulturen von sogenanntem «Superfood» anzubauen. © via pixabay.
Grosse Flächen werden gerodet, um Platz für Monokulturen zu erhalten. © via pixabay.

Ernährungssicherheit der Kleinbauern gefährdet

Der Nachfrage-Boom führt auch dazu, dass der Druck auf die Bauern in den Anbau Regionen wächst. Man könnte meinen, dass die Bauern von dem Boom profitieren, jedoch wird der Unterschied zwischen Arm und Reich eher grösser. Für die Kleinbauern ist es oft nicht möglich auf dem internationalen Markt mitzuhalten und es profitieren vor allem Grossbauern mit ihren Monokulturen. Weil durch die Nachfrage auch der Preis für die Nahrungsmittel steigt, können sich viele Einwohner ihre traditionelle Nahrungsmittel nicht mehr leisten und müssen auf andere Lebensmittel ausweichen. Gerade bei Grundnahrungsmittel, wie beispielsweise Quinoa, ist das ein grosses Problem. Das Risiko für Fehl- und Mangelernährungen steigt, weil andere Nahrungsmittel nicht dieselbe Bandbreite an Vitaminen und Ballast- und Mineralstoffen enthalten, wie das Nachrichtenportal DW Akademie informiert.

Alternativen mit besserem ökologischen Fussabdruck

Alle diese negativen Folgen werden natürlich nicht nur beim Anbau des «Superfoods» ausgelöst, sondern auch bei vielen anderen Lebensmitteln mit starker Nachfrage. Aber es zeigt, dass das «Superfood» doch nicht so super ist, wie es uns die Vermarktung klar machen will.

Wer nicht auf die exotischen super Nahrungsmittel verzichten will, hat einige Alternativen. Beim Einkauf sollte darauf geachtet werden, dass man zertifizierte Produkte – zum Beispiel Fairtrade oder Bio-Labels – in den Einkaufswagen legt. Dennoch bleibt der ökologische Fussabdruck auch bei diesen Produkten durch den weiten Transportweg eher gross. Deshalb lohnt es sich auf regionale und lokale Produkte umzusteigen, die ähnlich gesunde Inhaltsstoffe zu bieten haben und dazu noch die importierte Ware an Frische und Qualität übertreffen. Im folgenden werden einige einheimische Alternativen vorgeschlagen:

Quinoa-Samen

Quinoa enthält hochwertige Fettsäuren und ist reich an Eiweiss, Magnesium und Eisen. Beliebt sind die Quinoa-Samen auch weil sie glutenfrei sind. Für einen längerfristigen Getreideersatz solle man jedoch auf Alternativen zurückgreifen. Ein einfacher Ersatz ist die Hirse, diese enthält ebenfalls Eiweiss, Mineralstoffe und Vitamine und ist glutenfrei. Auch andere Getreidesorten wie Dinkel oder Haferflocken wären möglich. Am besten ist es, möglichst unterschiedliche Getreide zu konsumieren und sich nicht nur auf eines zu beschränken.

Quinoa © martingranel, via pixabay.
Quinoa ist eine glutenfreie Getreideart. © martingranel, via pixabay.

Goji-Beeren

Die Goji Beeren sind besonders reich an Vitaminen, Mineralien und Spurenelemente. Sie werden in China angebaut und sind dort seit Jahrtausenden bekannt und wurden vor allem im Bereich der Medizin genutzt. Die positive Wirkung, welche die Einnahme der Goji-Beeren hat, könnte ihrer hohen Nährstoffdichte zuzuschreiben sein. Der Weg von China bis nach Europa ist allerdings lang und es wurden auch immer wieder Pestizidrückstände auf den Beeren gefunden. Deshalb lohnt es sich einheimische Beeren zu konsumieren. Als gleichwertige Alternative gelten beispielsweise Schwarze Johannisbeeren. Oder aber man besorgt sich Goji-Beeren, die direkt in der Schweiz angebaut werden.

© ivabalk, via pixabay.
Auch in der Schweiz werden vereinzelt Goji-Beeren angepflanzt. © ivabalk, via pixabay.

Chia-Samen

Die Anteil an der wichtigen Omega-3-Fettsäure ist bei den Chia-Samen tatsächlich ziemlich gross. Auch wichtige Nahrungsfasern und viel Vitamin E sind darin enthalten. Die Samen sind auch bei Veganern sehr beliebt, da sie mit Wasser vermischt zu einer geleeartigen Masse werden, die sich auch gut zum Backen eignet. Allerdings gibt es eine einheimische Alternative, die den Chia-Samen in nichts nachsteht: die Leinsamen. Neben den anderen wichtigen Nährstoffen ist nämlich auch die hoch gelobte Omega-3-Fettsäure in den Leinsamen zu Genüge vorhanden. Die perfekte Zutat für das nächste Morgenmüsli.

Chia-Samen sind vor allem wegen der Omega-3-Fettsäure bekannt. © ValeriaJa, via pixabay.
Chia-Samen sind vor allem wegen der Omega-3-Fettsäure bekannt. © ValeriaJa, via pixabay.

Açai-Beeren

Die Açai-Beeren enthalten viele Antioxidantien und Nahrungsfasern. Sie gelten als «schlank machend», da sie schnell sättigen. Die Beeren stammen aus dem Regenwald und werden gefriergetrocknet, als Saft oder Pulver bei uns verkauft. Dabei wären Heidelbeeren oder Brombeeren eine genauso gute Alternativen und dazu noch frisch.

© Camila Neves Rodrigues da Silva [CC BY-SA 4.0], via wikimedia commons.
Die Açai-Beeren sollen beim Abnehmen helfen. © Camila Neves Rodrigues da Silva [CC BY-SA 4.0], via wikimedia commons.