Das neue Jagd- und Schutzgesetz bedroht geschützte Tierarten, während andere wie der Birkhahn weiterhin ungeschützt bleiben. © Patrick Fussel [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Das neue Jagd- und Schutzgesetz bedroht geschützte Tierarten, während andere wie der Birkhahn weiterhin ungeschützt bleiben. © Patrick Fussel [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Gesetzesrevision gefährdet geschützte Wildtiere

  • Selina Fehr
  • 9

Das revidierte Jagd- und Schutzgesetz (JSG) schützt die gefährdeten einheimischen Wildtiere nicht mehr. Ein Gesetz, das bisher Schutz und Abschuss gleichgewichtet hat, wird so zum Abschussgesetz. BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz sagen Nein zum Abschuss auf Vorrat: Sie pochen darauf, dass die Kompetenz zur Regulierung geschützter Arten beim Bund bleibt.

Das heutige Jagd- und Schutzgesetz ist ein guter Kompromiss zwischen Schutz, Regulierung und Jagd. Dieses ausgewogene Gesetz soll nun zu Ungunsten geschützter und gefährdeter Tiere revidiert werden – der Schutz wird durch erleichterte Abschussmöglichkeiten massiv geschmälert. Der letzte Woche publizierte Gesetzesvorschlag der ständerätlichen Umweltkommission (UREK-S) wird deshalb von den drei grossen Umweltverbänden BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF Schweiz als «Abschussgesetz» betitelt. Bedrohte einheimische Wildtiere würden so zunehmend ins Visier geraten, wie die Organisationen in einer gemeinsamen Mitteilung berichteten.

Die Umweltverbände weisen auf drei schwerwiegende Fehlkonstruktionen in der neuen Fassung hin. Alle verschlechtern die Situation der geschützten einheimischen Wildtiere:

  • Neu soll es Abschüsse «auf Vorrat» geben: Inakzeptabel
    Diese Neuerung hätte zur Folge, dass bereits «wahrscheinliche» Schäden (d.h. noch nicht eingetretene) als Grund zum Abschuss von Tieren ins Feld geführt werden könnten. Besonders stossend ist dabei, dass nicht einmal mehr  schadensvermindernde Schutzmassnahmen  vorausgesetzt werden.
  • Neu soll die Regulierung der Bestände von Bundes- in Kantonskompetenz übergehen: Inakzeptabel
    Das führt zu immensen kantonalen Diskrepanzen beim Umgang mit den schweizweit geschützten Arten. Der Bund wird damit seinen verfassungsrechtlichen und internationalen Schutzauftrag nicht gewährleisten. Denn betroffene Arten orientieren sich nicht an Landes-, geschweige denn an Kantonsgrenzen.
  • Neu soll der Bundesrat die Liste geschützter Arten, die reguliert werden dürfen, jederzeit erweitern können – ohne Mitsprache des Parlaments: Inakzeptabel
    Dadurch wird das Management geschützter Arten zum Spielball von Interessen einzelner Nutzergruppen. Und dies noch mehr als es heute bereits der Fall ist. Eine ganze Reihe geschützter Tierarten läuft dadurch Gefahr, künftig regulierbar und daher «quasi-jagdbar» zu werden.

All diesen massiven Verschlechterungen beim Artenschutz stehen keinerlei Verbesserungen für gefährdete Arten und ihre Lebensräume gegenüber. So dürfen bedrohte und gefährdete Arten wie der Feldhase, der Birkhahn oder die Waldschnepfe beispielsweise weiterhin gejagt werden. Zudem werden die für die Verbreitung und die natürlichen Wanderbedürfnisse der Wildtiere wichtigen Wildtierkorridore weiterhin nicht geschützt.

Die Umweltverbände lehnen die extreme, völlig aus dem Gleichgewicht geratene Revision des Jagd- und Schutzgesetzes ab. Sollte das Gesetz in der vorliegenden Form vom Parlament bestätigt werden, werden die Verbände ein Referendum gegen dieses Abschussgesetz prüfen.

9 Kommentare

  • Kurt Schneeberger

    Jagd sollte überhaupt grundsätzlich verboten werden!
    Jagd trägt nie zu Lösung eines Problems bei, Jagd ist das Problem!

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  • W. Hofstetter

    Luchse bejagen?
    Die kreppieren doch ohnehin bald an Inzucht !
    Die Jäger werden sich nicht mehr rausreden können, mit faulen Argumenten.
    Man kann ja auch grad den einzigen Bär regulieren – der kann sich nicht mehr lange verstecken.

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  • Thomas Meier

    Die einschlägig bekannten Kantone werden das sehr verantwortungsvoll nutzen…
    Wilderei wurde ja bis jetzt auch konsequent nicht verfolgt oder gar dazu aufgerufen. Kuscheljustiz ist das richtige Wort dafür – aber bald ist die Ausrottung ja auch legal möglich – verwerflich und verantwortungslos

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  • Franz Zurbriggen

    Schalenwildbestände explodieren – der Wald kann sich nicht an den Klinawandel anpassen. Und nun rottet nan die Geschützten Beutegreifer noch aus – dümmer gehts nicht

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  • Huber Kobi

    Einen Micro – Luchsbestand bejagen = ausrotten.
    Ich merke mir diese Politiker.
    Wahltag ist Zahltag

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  • Derungs Jo

    Ihr könnt Euch ja denken, wie die Kantone „regulieren“ werden – und nachher können wir den Schutzwald noch mit Millionen unterstützen – da abgefressen von Hirsch, Reh und Gämse.
    Ein gesunder Wald braucht Luchs und Wolf – die Jagd kanns nicht – siehe in Graubünden – jedes Jahr Sonderjagden nötig – ausser bei uns am Calanda – warum wohl – danke Wolf !

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  • Rolf Müller

    Referendum durchziehen und verantwortungslosen SR und NR stoppen. Die Jäger sehen sich am Ziel: Luchs und Wolf wieder ausrotten – zum zweiten Mal ?!? Das ist die so genannte „Hege“

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  • Christian Stettler

    So sind die Schweizer!Ein schaut nur für Sich,alles andere ist ihm Egal Aber wenn unsere Kinder weiter leben sollen müssen wier,die Alten,konnsequent umdenken.Wenn wir das nicht tun haben wir alles so vergiftet das kein lben mehr möglich ist.

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  • Walter Fischer

    Die „Ständerätliche Umwelkommission“! Welch ein Hohn! Dieses von bürgerlichen Lobbysten mit handfesten materialistischen Interessen dominierte Gespann (Roland Eberle SVP, Martin Schmid FDP, Joachim Eder FDP), will diese Gesetzesrevision. Sie wollen Eigeninteressen über den Schutz vieler bedrohter Tierarten stellen. Und es soll mir keiner sagen, „dass die nicht wissen, was sie tun“! Einmal mehr sind es die Umweltverbände, und letzendlich das Volk, die (hoffentlich) diese Bestrebungen zu verhindern wissen. Setzen wir uns ein dafür!
    Siehe auch https://www.infosperber.ch/Umwelt/Diese-Lobbyisten-torpedieren-den-Landschaftsschutz

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