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Der Borkenkäfer auf dem Vormarsch: Selten war der Befall so hoch wie 2019

Im Jahr 2019 wurde der zweithöchste je registrierte Buchdruckerbefall in der Schweiz gemessen. Die Gruppe Waldschutz Schweiz an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) führt die massive Zunahme des Borkenkäfers auf die hohen Temperaturen im vergangenen Sommer und auf die extreme Trockenheit des Sommers 2018 zurück.

Erstmals seit 2005 knacken die Zwangsnutzungen an Käferholz wieder die Millionengrenze. Mit Ausnahme des Jahrs 2003 war auch die Anzahl Käfernester, die sogenannten Befallsherde, noch nie so hoch wie 2019. Ungefähr 15000 Befallsherde wurden registriert, so besagt es eine kürzlich veröffentlichte Mitteilung der Gruppe Waldschutz Schweiz der WSL.

Von der kleinen Larve zur Marktkrise

Wer schon mal künstlerische Verzierungen auf der Unterseite der Baumrinde von Fichten gesehen hat, wurde vielleicht an ein beschriebenes Buch erinnert. Es sind die Gänge vom Buchdrucker (Ips typographus) – daher rührt auch sein Name. In der Schweiz ist der Buchdrucker der wirtschaftlich wichtigste Vertreter der Unterfamilie der Borkenkäfer. Mit Vorliebe werden frisch abgestorbene oder geschwächte Fichten befallen. Die Männchen bohren sich in die Rinde der Fichten und locken durch Pheromone weitere Artgenossen, darunter auch Fortpflanzungspartnerinnen, an. Nach der Befruchtung frisst jedes Weibchen einen Muttergang längs der Stammachse und legt ihre Eier in die Seitenwände des Gangs. Wenn die Larven schlüpfen, beginnen diese, sich quer zum Muttergang durch den Rindenbast zu fressen und hinterlassen dabei das charakteristische Muster des Buchdruckers.

Befallene_Fichte
Eine vom Buchdrucker befallene Fichte verliert ihre Rinde, da der Saftstrom im Phloem durch den Befall unterbrochen wurde. Vergesellschaftete Pilze verstopfen den Wasserfluss zusätzlich und der Befall führt schlussendlich zum Absterben des Baumes. ©WaldschutzSchweiz

Die Verpuppung der Larven erfolgt etwa nach 3-6 Wochen. Aus den Puppen schlüpfen die Jungkäfer, die sich weiterhin vom Bast der Rinde ernähren, bis sie die Geschlechtsreife erreichen. Erst dann bohren sich die nun ausgewachsenen Käfer aus der Rinde, fliegen weg und suchen sich wieder neue Wirtsbäume.

Oft werden nahe, bruttaugliche Fichten befallen – und so entsteht ein sich ausdehnender Befallsherd, der bis zu einigen Dutzend Bäumen umfassen kann. Bei hoher Populationsdichte und somit einer grossen Zahl von gleichzeitig einbohrenden Tieren können auch gesunde Bäume befallen werden. In diesen Bäumen ist die Nahrungsqualität hoch, im Vergleich zu kranken oder frisch abgestorbenen Pflanzen – und auch der Konkurrenzdruck durch andere Organismen ist kleiner. Nun kann es zu einer massenhaften Vermehrung dieser Borkenkäferart kommen, was die wirtschaftliche Waldfunktion stark beeinträchtigen kann.

Höchste Käferholzmenge seit 2004

Zu einer Massenvermehrung kam es auch im Jahr 2019, wie die kürzlich publizierte Grafik von Waldschutz Schweiz auf eindrückliche Weise zeigt. Nur im Hitzesommer 2003 war die Menge an Käferholz grösser. Das Käferholz ist die Menge an Holz in Kubikmetern, das von den Tieren befallen wurde. Die Menge setzt sich aus dem im Wald stehen gelassenen Käferholz und dem sogenannten Holz aus Zwangsnutzung zusammen. Als Zwangsnutzung wird in der Forstwirtschaft die Nutzung von Schadholz bezeichnet – befallene Fichten in Wirtschaftswäldern werden aus Gründen des Waldschutzes gefällt, um die Vermehrung des Borkenkäfers zu stoppen. Falls der Holzmark bereits gesättigt und die Nachfrage nach gefällten Holz entsprechend klein ist, kann ein grossräumiger Borkenbefall ein einschneidendes Ereignis für Forstbetriebe und WaldbesitzerInnen sein.

Borkenkäfer_2019
Menge an Käferholz, sowie Anzahl registrierter Befallsherde in der Schweiz (1998-2019). Grafik aus der Publikation «Zweithöchster je registrierter Buchdruckerbefall (Ips typographus) in der Schweiz» des Newsletters Waldschutz Aktuell 1/2020 ©WaldschutzSchweiz

Bereits 2018 wurde ein starker Anstieg der Käferholzmengen verzeichnet – naturschutz.ch berichtete. Alle Kantone der Alpennordseite, mit der Ausnahme des Kantons Zug, meldeten jedoch 2019 eine weitere Zunahme der Zwangsnutzungen. Für die starke Zunahme des Käferholzes und der Anzahl an Befallsherde haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt.

Erstens konnte sich durch den extremen Sommer 2018 die dritte Käfergeneration in den Tieflagen bestens entwickeln. Der Borkenkäfer hatte bereits eine hohe Startpopulation Anfangs Saison 2019 und konnte sich dadurch rasch vermehren. Zweitens war ausreichend Brutmaterial vorhanden: Wegen der Trockenheit im Sommer 2018 waren viele Fichten geschwächt – dies begünstigte den Befall des Buchdruckers. Drittens folgte auf einen durchschnittlichen Frühling dann 2019 der drittheisseste Sommer seit Messbeginn. Zusammengefasst verhalf dies den Käfern zu sehr guten Entwicklungsverhältnissen. Einzig auf der Alpensüdseite nahm die Menge an Käferholz ab.

Was sind die Prognosen für das Jahr 2020?

Waldschutz Schweiz geht davon aus, dass der Höhepunkt der Massenvermehrung erreicht sei – falls sich die Witterung im Jahr 2020 wieder normalisiere. Nach wie vor kann aber auch 2020 mit grossen Mengen an Käferholz gerechnet werden. In den Regionen, die bereits hohe Befälle aufweisen, insbesondere in den Tieflagen des nördlichen Mittellandes, wird die Buchdruckerpopulation auf hohem Niveau bleiben. Da immer noch eine beträchtliche Menge an nicht abgeführtem Käferholz in den Wäldern ist (Siehe Grafik), wird die Entwicklung des Holzmarktes eine entscheidende Rolle spielen.

Wegen des stürmische Jahresbeginns, der ebenfalls Schadholz hinterlassen hat, könnte eine verzögerte Räumung des Sturmholz erneut Brutmaterial für den Borkenkäfer bieten. Wenn dieses Holz besiedelt wird, steigt der Befallsdruck auf angrenzende, stehende Fichten und könnte zu erneuten Befallsherden führen.

Quellen: Waldschutz Aktuell 1/2020 und WSL: Der Buchdrucker

1 Kommentar

  1. Als privater Waldbesitzer wird man vom
    Kanton sowie Gemeinde zu wenig unterstützt. Die Kranken Fichten müssen
    auch im Sommer geschlagen und abtransportiert werden. Auch der Natur Wald im Sihltal müsste diese Pflege haben

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