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Ab dem Spätherbst birgt der Naturgarten ein grosses Geheimnis: Wo sind all die Insekten, Spinnen und anderen Krabbeltiere hin, die im Sommer überall herumflogen und –wuselten? Plötzlich sind sie wie weggeblasen.

Text und Fotos von Beatrix Mühlethaler

Herbstgarten
Der Rainfarn, der zur Blütezeit voller Insekten ist, wirkt verlassen.

Natürlich erreicht spätestens bei Einbruch der Kälte ein grosser Teil der ausgewachsenen Kleintiere das Ende des Lebenszyklus und stirbt. Aber ihre Nachkommen überdauern irgendwo den Winter, ohne dass ich konkret wüsste, wo sie untergekommen sind. Es bleibt mir auch verborgen, wo die Königinnen, die nächstes Jahr neue Hummel- und Wespenstaaten gründen, eine Winterhöhle gefunden haben.

Laub
Laub bietet vielen Insekten Winterschutz

Alles liegt still da, bewegt höchstens von Wind und Wetter. All die Moose, die den Boden bedecken, Steine, die Hohlräume bilden, Ritzen von Holzwänden, Stängel und Samenstände von Stauden, Rinde an Bäumen, die Decke aus Laub – sie bewahren das Geheimnis. Aber die Hauptsache ist: Es gibt diese Unterkünfte, aus denen der Garten nächstes Jahr wieder belebt wird.

Moos
Unter Moos können beispielsweise Käfer überwintern.
Holz
In dieser toten, stehengelassenen Weide leben zahlreiche Larven
Eselsdistel
Auch Samenstände sind potenzielle Winterquartiere.
Rosengalle
Die Rosengalle enthält mehrere Kammern, in denen sich die Larven einer Gallwespe entwickeln. Ausserdem sind die Gallen Wohnraum für andere Insekten.

Beim Rundgang im Garten, der auch in diesem November schmuck und farbig ist wie vor einem Jahr (siehe «Hotspot Naturgarten» vom November 2018) treffe ich doch noch auf einen unerwarteten späten Gast: Ein Distelfalter versucht sich an der Sonne zu wärmen – wohl nicht mehr lange.

Distelfalter
Ein verspäteter Distelfalter tankt an einem kühlen Novembertag wärmende Sonnenstrahlen.

Weg sind sie dennoch – die Weisslinge und der Schwalbenschwanz, die Bienen und Wanzen, die Spinnen und Wespen. Von letzteren bleibt mir das prägnanteste Insekten-Erlebnis des Sommers in Erinnerung. Ich meine damit nicht jene Wespen, die sich beim Essen im Garten aufdrängen, sondern die zurückhaltenden, aber dennoch auffälligen Feldwespen. Eine Feldwespen-Königin hatte sich offenbar als Wohnung ein hohles Metallgeländer ausgesucht. Ich bemerkte es, als ein erstes Individuum durch ein Loch im Geländer ein- und ausflog.

Wespe
Ein hohles Geländer wurde zum Wohnraum für Feldwespen.

Mit der Zeit wurden es mehr. Offenbar bauten die Wespen im Innern des Geländers an ihrem Nest für eine kleine Kolonie. Sie verwenden dafür abgeraspeltes Holz. Ich hatte zuvor auch schon mal ein beschädigtes Feldwespennest in einer metallenen Spritzkanne gefunden.

Im Lauf des Sommers wuchs der Wespenstaat, und es herrschte ein Gewusel vor dem Loch: Jede aus dem Loch schlüpfende Feldwespe wurde von den anderen mit den Beinen betrillert und dem Mundwerkzeug befühlt. Ebenso geschah es mit jedem Individuum, das sich entfernt hatte und wieder anflog. So vergewissern sich die Tiere, dass die anderen zu ihrem Volk gehören.

Wespen
Die Wespen identifizieren sich gegenseitig durch Betrillern.

In einer Kolonie kann es mehrere Königinnen haben, wobei nur jene, die sich den höchsten Rank erkämpft hat, Eier legen darf. Die Arbeiterinnen versorgen die Larven mit Insekteneiweiss. Für sich selbst suchen sie Nektar. Deshalb trifft man Feldwespen häufig auf Blüten an.

Wespe auf Fenchelblüten
Eine Feldwespe verköstigt sich auf Fenchelblüten.

Feldwespen bevorzugen für ihre Waben wettergeschützte sonnige Stellen, wo die Brutzellen gewärmt werden. So heiss, wie es im gewählten Metallgeländer an Sommermittagen wurde, müsste es aber sicher nicht sein. Vielleicht versammelten sich die Wespen deshalb mittags lieber draussen. Allerdings habe ich in der Literatur folgenden Hinweis gefunden: «Bei Temperaturanstiegen im Nest setzen sich die Feldwespen an den Oberrand der Wabe, um durch Flügelfächeln die überschüssige Wärme abzutransportieren. An extrem heißen Tagen wird zusätzlich Wasser in die Zellen transportiert, das Verdunstungskälte erzeugt. Auf diese Weise kann eine für die Brut schädliche Temperatur vermieden und tagsüber eine konstante Nesttemperatur gehalten werden.»

Wespenparade
Wegen der Feldwespen liess sich das Geländer zwar kaum mehr benutzen. Aber ihre Putzigkeit machte das wett.

Neben den Feldwespen weckte eine grosse schlanke Wespe mein Interesse: Sie flog die groben Steine am Teichrand an und verschwand dann in den Spalten. Offensichtlich betrieb sie im Schutz der Steine Nestbau für den Nachwuchs.

Mörtelwespe
Eine Mörtelwespe nutzt den Schutz der Steine für den unterirdischen Nestbau.

Es handelt sich dabei um eine orientalische Mörtelwespe (Sceliphron curvatum), die aus Asien stammt, sich aber in Europa verbreitet hat. Sie baut ihre Lehmtönnchen, in die sie Spinnen als Nahrung für die Larven einträgt, vor allem im Siedlungsraum. Sie habe sich «problemlos eingenischt», erfuhr ich von einem Stechimmen-Spezialisten. Nächsten Frühsommer, wenn die jungen Wespen geschlüpft sind, werde ich nach ihren Tönnchen unter den Steinen suchen.

Eine ähnliche Lebensweise wie die orientalische Einwanderin hat auch die heimische grosse Lehmwespe (Delta unguiculata), die ich auf Nahrungssuche im Weidenröschen angetroffen habe. Sie fertigt ebenfalls Lehmnester, die sie zu mehreren miteinander verbindet. Dort trägt sie Raupen ein, von denen sich ihre Larven ernähren können. 

Lehmwespe
Grosse Lehmwespe auf Nahrungssuche im schmalblättrigen Weidenröschen.

Und wo bleiben nun die verschiedenen Wespen im Winter? Bei den Feldwespen sterben Arbeiterinnen und Männchen im Herbst, während die neu geschlüpften Königinnen sich einen Unterschlupf suchen, allenfalls sogar gleich im Sommer-Nest bleiben. Die Einzelgängerinnen, die keine Kolonie mit Arbeiterinnen hervorbringen, sterben ebenfalls, während ihre Larven sich in den schützenden Bauten weiter entwickelt haben und als Puppen überwintern.   

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