Start Hintergrund Portrait 10 Fragen an... Jacqueline Badran

10 Fragen an… Jacqueline Badran

Die SP-Politikerin ist bekannt für ihre Beharrlichkeit und Direktheit. Seit 2011 ist sie im Nationalrat und setzt sich für eine solide KMU-Politik, einen starken Naturschutz und einen fairen Immobilienmarkt ein – das sind grosse Themen. Und trotzdem kann sie sich an kleinen Dingen erfreuen, wie etwa am Tanz der Glühwürmchen in einer lauen Sommernacht.

Der Sinn für Gerechtigkeit trägt die Biologin und Unternehmerin schon durch ihr ganzes Leben. Mehrmals hat sie einen Unfall mit- und überlebt – sogar einen Flugzeugabsturz: Im November 2001 stürzt ihr Flugzeug kurz vor dem Zürcher Flughafen ab, und Jacqueline Badran kommt ohne grösseren Schaden davon. So hat sie sich schon immer als glücklichen und privilegierten Menschen wahrgenommen. Und wer mehr Glück im Leben hat, solle denjenigen etwas zurückgeben, die weniger davon haben. Das zeigt sich auch an den Gehaltsklassen in ihrem Unternehmen: Der tiefste Lohn im Verhältnis zum Höchsten ist 1 zu 1.6. Hat sie diesen Gerechtigkeitssinn auch, wenn es um Fragen zur Umwelt geht? Im Kurzinterview erzählt sie uns über ihre Beziehung zur Natur.

Wann oder wo geniessen Sie die Natur am meisten?

Leider kann ich die Natur viel zu selten geniessen. Deshalb suche ich die Naturschätze vor der Haustüre, wie beispielsweise Glühwürmchen-Tanz im Sommer bei unserer Kirche um die Ecke. Oder auf meiner voll bepflanzten Dachzinne. Wenn ich aber weggehe, dann liebe ich die Berge.

Welches ist das faszinierendste Tier, welches Sie in der Schweiz je beobachten konnten?

Der Luchs. Ich hatte das Privileg, als ich vor Jahrzehnten als Biologin arbeitete, einen Luchs mit Nachtsichtgerät viele Minuten beobachten zu dürfen.

Und welche Tierart nervt Sie am häufigsten?

Wespen mag ich nicht. Bienen hingegen sehr.

Wie viele Vogelarten erkennen Sie an der Stimme?

Ich habe früher viel geübt, aber ich bin gänzlich untalentiert und habe deshalb meine Ambitionen begraben, alle Vögel der Schweiz an der Stimme zu erkennen. Ich würde schätzen, ich kenne rund zwölf Vogelarten an der Stimme.

Wann haben Sie das letzte Mal unter freiem Himmel geschlafen und wie kam es dazu?

Letzten Sommer auf meiner Dachzinne mitten in Zürich. Das mache ich ganz häufig, weil ich es liebe unter freiem Himmel zu schlafen und man da bequem und wohlstandsverwöhnt auf einer Matratze und krabbeltierfrei draussen schlafen kann.

Was war Ihre letzte Umweltsünde?

Schwierige Frage. Denn eigentlich bin ich ständig eine wandelnde Umweltsünde, da ich (noch) nicht auf Fleisch verzichte und viel zu viele Kleider besitze.

Und welche gute Tat haben Sie zuletzt für die Umwelt getan?

Im Sinne von «urban gardening» habe ich die Begrünung einer riesigen Betonfläche in unserem Quartier initiiert. Zurzeit bin ich daran, eine Wiese entlang den Gleisen in unserem Quartier in ein Biodiversitäts-Paradieschen für verschiedene Schmetterlinge, Wildbienen, Igel, Wildblumen und Vieles mehr umzuwandeln.

Wenn Sie – für einen nachhaltigeren Lebensstil – die Wahl haben, entweder auf Fleisch oder Flugreisen zu verzichten, wie würden Sie sich entscheiden?

Keine Frage – auf’s Fliegen kann ich gut verzichten. Warum auch in die Ferne schweifen? Das Schöne ist so nah.

Wofür sollten im Umwelt- und Naturschutz mehr Ressourcen zur Verfügung stehen?

Ganz klar für die Biodiversität. Für Biodiversität zu sorgen heisst Lebensraumschutz, Klimaschutz, Tier- und Pflanzenschutz in einem.

Was ist Ihr ganz persönlicher Umwelttipp an unsere Leserschaft?

Mein Tipp ist es, in jeder Beziehung sehr kleinräumig zu leben: Lokal produzierte Produkte und Nahrungsmittel kaufen, Arbeit, Freizeit und Wohnen (wenn möglich) in einem kleinen Perimeter halten. Das ist ein Privileg und Segen für die Umwelt. Vor allem die schönen Dinge vor der Haustüre und um die Ecke entdecken und geniessen, und natürlich Freude an den kleinen Dingen und Begegnungen entwickeln. Oder anders gesagt: Das Lebensglück von materiellen Dingen unabhängiger machen. 

Herzlichen Dank für das Interview, Frau Badran!


1 Kommentar

  1. Ich kannte diese Seite von Jaqueline Badran als Naturschützerin nicht. Wenn ich das vor 2 Jahren gewusst hätte ich Sie gerne eingeladen, vom 27. – 31.07.18 gebeten mit anderen Gleichgesinnten neben meinem Hotel RENAULT Mégane Break 1,6 auf dem Parkplatz des Gros Mont im Greyerzerland die Zelte aufzuschlagen.
    Ich habe in diesen 6 Tagen fast wie ein Trapper gelebt, draussen unter Bäumen geschlafen, und war jeden Tag zu Fuss, davon einen Tag mit dem MTB in dieser einzigartigen Natur- und Berglandschaft unterwegs. Das war mein monatelang vorbereitetes, persönliches Geburtstagsgeschenk an mich. In dieser Landschaft wo die Vorfahren meine Jauner Freunde seit Urzeiten lebten
    und heute noch nach alten Rezepten Käse herstellen, handörgelen und die Alpweiden bewirtschaften.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Newsletter Anmeldung

Erhalten Sie die neusten Jobs und News.

Dank Ihrer Hilfe können wir spannende Artikel aufbereiten, den Veranstaltungskalender pflegen und die Job-Platform betreuen.

TOP-NEWS

X
X