© Obra Social Caja Cantabria [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
© Obra Social Caja Cantabria [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Der Hirschkäfer – ein gefährdeter „Geweihträger“

  • Mélanie Guillebeau
  • 1

Es ist wieder so weit! Die Hirschkäfer schwirren während der momentan lauen Sommerabende durch die Luft auf der Suche nach „Zapfsäulen“ und Geschlechtspartnern. Erfahren Sie Spannendes, Nützliches und Amüsantes über den gefährdeten „Geweihträger“.

Bis zu acht Jahre ihres Lebens verbringen Hirschkäfer als Larve im Totholz, bevor sie sich für die Verpuppung in den Boden graben. Im Gegensatz dazu ist der darauffolgende Lebensabschnitt in beflügelter Form von weit kürzerer Dauer: Nur während vier bis acht Wochen – in der Regel zwischen Ende Mai bis Ende Juli – können wir die fliegenden Hirschkäfer abends in der Dämmerung beobachten.

Doch womit sind die adulten Hirschkäfer während dieser Zeit beschäftigt und wieso werden sie immer weniger? In einem kurzen Frage-Antwort-Abschnitt erläutern wir die wichtigsten Fakten und lassen Sie mehr über die gefährdeten „Geweihträger“ erfahren.

Klicken Sie auf eine Frage, um die entsprechende Antwort zu erhalten.

 

 

– Wieso sind Hirschkäfer auch als Schröter bekannt?

Hirschkäferlarven „schroten“ sich sozusagen durchs Totholz, wobei Mulm entsteht, der später zu nährstoffreichem Humus abgebaut wird. Larven „schroten“ sich aber nicht durch frisches, sondern nur durch stark von Pilzen zersetztes Totholz. Somit muss keine Angst vor eventuellen wirtschaftlichen Schäden bestehen.

Die Larve eines Hirschkäfers. | © Dave Edens [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
– Wie gross werden Hirschkäfer?

Bis zu neun Zentimeter Messen männliche Hirschkäfer vom Hinterleibsende bis zum „Geweihende“. Mit diesen stolzen Ausmassen sind sie gar die grössten Käfer Mitteleuropas. Weibchen hingegen besitzen kein „Geweih“. Dementsprechend fällt auch deren Grösse um einiges kleiner aus: Sie werden durchschnittlich lediglich halb so lang, also ungefähr vier Zentimeter.

Hirschkäfer-Weibchen besitzen kein „Geweih“ und sind daher auch kleiner. | © Jürgen Mangelsdorf [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
– Ich habe einen Hirschkäfer gesehen, aber er ist ja gar nicht so gross. Wie kann das sein?

Das Grössenspektrum bei Hirschkäfern ist sehr gross: Beim Männchen zum Beispiel kann die Grösse zwischen drei und den erwähnten neun Zentimetern schwanken. Teils gründet dies auf genetische Unterschiede, oft sind aber Nahrungsvorkommen und -qualität entscheidend. Ebenfalls führen Störungen von aussen zu einem verfrühten Schlüpfen der Imagines (beflügelte Form).

– Wozu dient das immense „Geweih“ der Männchen?

Was von uns als „Geweih“ wahrgenommen wird, ist in Tat und Wahrheit der Oberkiefer des Hirschkäfermännchens. Zum Beissen oder Kauen dient der übergrosse Oberkiefer schon lange nicht mehr. Stattdessen soll er männlichen Rivalen imponieren oder diese ausser Gefecht – sprich auf den Rücken – setzen. Ausserdem wird mithilfe des Geweihs das Weibchen beim Akt der Fortpflanzung in Position gehalten, und dies bis zu mehreren Tagen.
Und so kann sich ein Kampf zwischen zwei Rivalen abspielen (das Weibchen verfolgt in diesem Fall den Kampf live mit):

– Wozu dient der „gelbe“ Pinsel?

Wenn Hirschkäfer der Hunger plagt, „zapfen“ sie Bäume an, die aufgrund von Wind oder Wetter Risse in ihrer Rinde verzeichnen. Dabei nutzen sie den „gelben“ Pinsel, ihre Unterlippe, um den zucker- und pilzreichen Baumsaft zu schlecken, der aus den Wunden austritt. Am beliebtesten ist der Saft von Eichen, doch notfalls kann auch auf Früchte, wie Kirschen, zurückgegriffen werden. Wenn keine verwundeten Bäume zu finden sind, kann das Weibchen gesunde Bäume mit ihrem Kiefer aufritzen, um an den begehrten Saft zu gelangen. Männchen sind hier auf die weibliche Vorarbeit angewiesen, da deren überdimensional grosser Oberkiefer ein solches Vorgehen verunmöglicht.

Mit der Unterlippe, die einem gelben Pinsel gleicht, schlecken Hirschkäfer den Baumsaft. | © Andreas Kalbow [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
– Ein Hirschkäfer torkelt umher. Was ist hier nur passiert?

Hier handelt es sich um ein betrunkenes Exemplar. Ja, dies kann tatsächlich passieren, wenn Hirschkäfer zu viel vergorenen Baumsaft „tanken“. Bakterien zersetzen den Zucker, der in grossen Mengen im Baumsaft vorkommt, zu Alkohol. Und so kann es kommen, dass Hirschkäfer sich versehentlich einen Rausch antrinken.

– Wo findet man Hirschkäfer in der Schweiz?

Nördlich der Alpen findet man den Hirschkäfer nur an vereinzelten Stellen und in geringer Anzahl. Häufiger kann er im Tessin beobachtet werden. Der Hirschkäferbestand ist jedoch tendenziell abnehmend und die Art ist auf der Roten Liste als „verletzlich“ gekennzeichnet. Zudem sind sie europaweit geschützt.

Der Hirschkäfer in der Schweiz: Beobachtungen vor 2000 sind orange markiert, solche nach 2000 rot. | © CSCF / karch / CCO-KOF / Swisstopo 
– Wieso gibt es immer weniger Hirschkäfer?

Aufgrund der langsamen Entwicklung (zur Erinnerung: das Larvenstadium dauert 5 bis 6 Jahre) sind Hirschkäfer besonders anfällig auf äussere Störungen. Zudem beschränkt bereits das Vorhandensein geeigneter Lebensräume die Verbreitung in vielen Fällen. Zwar hat die Totholzmenge in Schweizer Wäldern seit den 1980er Jahren durchschnittlich zugenommen, jedoch variiert die Menge je nach Region stark. Zudem ist die Totholz-Qualität gesunken. Qualitativ hochwertiges Totholz bedeutet in diesem Zusammenhang dickes, stark zerfallenes Holz von grossen, alten Bäumen – eher eine Mangelware in Schweizer Wäldern.

– Wieso sollte uns dieser Rückgang aufhorchen lassen?

Wie auch andere Holz bewohnende Käfer reagiert der Hirschkäfer empfindlich auf Umweltveränderungen und ist daher ein guter Indikator für den Zustand der Biodiversität.

– Was soll ich machen, wenn ich einen Hirschkäfer finde oder auf dessen Larven stosse?

Sollten Sie einen Hirschkäfer beobachten, können Sie Ihren Fund beim Schweizerischen Zentrum für die Kartografie der Fauna (CSCF) melden.

Hirschkäferlarven kommen auch in Gärten und Parkanlagen vor und so kann es passieren, das man beim Umgraben des Gartens auf eines ihrer Nester trifft. In diesem Fall sollten Sie natürlich die Arbeiten einstellen und versuchen, das Nest zu retten. Sammeln Sie die Larven in einem Gefäss und bedecken Sie sie mit Mulm oder verrotteten Blättern. Anschliessend sollten Sie das Gefäss lichtgeschützt und an kühler Stelle (am besten im Keller) lagern. Sie können sich dann an die Käferwarte wenden, die die Larven übernehmen und aufziehen kann. Auf deren Website können Sie ausserdem Rettungsboxen bestellen, die geeignetes Substrat enthalten.

 
Weitere Informationen zum Hirschkäfer finden Sie auf der Website Totholz.ch des WSL sowie auf der Website Hirschkäfer-Suche.

1 Kommentar

  • Manuel

    Gerade letzten Sonntag durfte ich zum ersten Mal einen ausgewachsenen Hirschkäfer beobachten, schönes Tier.

    Antworten

Beitrag kommentieren