Es steht schlecht um den Feuersalamander in Europa | © Aah-Yeah [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Es steht schlecht um den Feuersalamander in Europa | © Aah-Yeah [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Alarmstufe Rot für den Feuersalamander

  • Julia Hatzl
  • 2

Zuerst die Niederlande, dann Belgien, jetzt in Deutschland. Wie lange dauert es noch, bis er in der Schweiz ist? Die Rede ist von Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), auch Salamanderfresser genannt. Er ist aggressiv, so gut wie immer tödlich und kommt der Schweiz immer näher.

Alles hat im Jahr 2010 in den Niederlanden begonnen. Eine mysteriöse Krankheit löschte innerhalb kürzester Zeit fast die gesamte Feuersalamanderpopulation aus. Wie Forschungen ergaben, handelte es sich dabei um eine wahrscheinlich aus Asien eingeschleppte Pilzkrankheit. Kurze Zeit später tauchte der Pilz in Belgien auf, mit den gleichen Konsequenzen. Die Population brach schlagartig zusammen. 2014 dann der Erstnachweis in Deutschland an der nordrhein-westfälischen Eifel. 2017 nun in Essen im Ruhrgebiet. Das Erschreckende daran: Essen liegt über 100 Kilometer entfernt von der Eifel. Wie konnte der Pilz dorthin kommen und was bedeutet das für den Feuersalamander?

Wenig Beruhigendes aus der Forschung

An Martel von der Universität Ghent in Belgien und ihre Kollegen haben den Verlauf der Infektion in einer Population von Feuersalamandern (Salamandra salamandra) im belgischen Robertville zwei Jahre lang verfolgt und ergänzende Laborversuche durchgeführt. Was sie beobachteten, war beängstigend: Schon nach wenigen Tagen nach Kontakt verursachte der Pilz Löcher und Geschwulste in der Salamanderhaut und es dauerte nur zehn Tage, bis ein Drittel der Tiere in dem Gebiet befallen und tot war. Von den Überlebenden schafften es nur 13 Prozent die nächsten zehn Tage zu überstehen. Bis zum Ende der Studienzeit waren ca. 90 Prozent der Ausgangspopulation tot.

«Die Einführung von Batrachochytrium salamandrivorans führt zu einem schnellen Kollaps der Salamanderpopulation – ohne jedes Zeichen einer Erholung der Bestände», berichteten Martel und ihre Kollegen.

Denn der Pilz befällt zuerst die erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Tiere. Die wenigen Überlebenden bleiben auch dann noch höchst anfällig: «Steckten sie sich später an, lag ihre Todesrate bei 100 Prozent», so die Forscher.

Ein mit Hautgeschwüren bedeckter Feuersalamander © F. Pasmans [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Ein mit Hautgeschwüren bedeckter Feuersalamander © F. Pasmans [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Was macht den Pilz so gefährlich

Das Hauptproblem steckt zum einen in der fehlenden Immunabwehr der Tiere. Durch Infektionsversuche im Labor zeigte sich, dass neu infizierte Feuersalamander keine Immunabwehr auf den Erreger zeigen. Dadurch haben die Tiere keine Chance gegen die Krankheit. Eine Impfung wäre unwirksam, weil die Tiere keine Resistenzen aufbauen würden, so Martel. Weiters können auch einige Molcharten, wie beispielsweise der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris), als Überträger fungieren. Der Bergmolch selbst ist resistenter, kann eine Infektion besser überstehen und kann dadurch aber den Pilz leichter in neue Gebiete mitschleppen. «Robustere Arten können als Reservoire wirken», erklärt Benedikt Schmidt, Forschungsgruppenleiter am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (KARCH). So kann der Pilz in diesen Arten überdauern, auch wenn empfindliche Arten wie der Feuersalamander bereits verschwunden sind.

Zu diesen alles andere als guten Nachrichten kommt hinzu, dass die Pilzsporen hochansteckend und widerstandsfähig sind. Allein der Kontakt mit wenigen Sporen genügt, um einen Salamander zu infizieren. Die Sporen können auch tagelang ohne Wirt im Boden überdauern. Alle diese Faktoren machen es gemäss Schmidt nahezu unmöglich, eine Salamander-Population im natürlichen Umfeld zu retten, wenn sie einmal befallen ist.

«Durch die Kombination dieser Merkmale wird der Pilz wie ein perfekter Sturm durch Europa fegen und könnte dabei sehr schnell die hochanfälligen Feuersalamanderpopulationen auslöschen», bestätigt Martel die düsteren Aussichten. «Bisher gibt es keine Möglichkeiten, die Verbreitung dieser Pilzkrankheit vor Ort zu stoppen oder sie zu behandeln.»

Importverbot

Als Präventivmassnahme hat die Schweiz 2015 ein Gesetz erlassen, welches die Einfuhr von Salamandern und Molchen in die Schweiz verbietet. Auch raten Forscher und Spezialisten dringendst davon ab, Importe von Salamandern und Molchen europaweit durchzuführen. Gerade der Handel mit Amphibien gilt als eine der Hauptursachen für den weltweiten Siegeszug verschiedener Amphibienpilze, der Salamanderfresser mit einbegriffen. Eine Amphibienart kann in einem Gebiet symptomlos mit einer Krankheit koexistieren, weil sie natürliche Resistenzen besitzt. Wird die Krankheit jedoch in ein anderes Gebiet verschleppt, so kann es wie im Fall des Salamanderfressers passieren, dass die Amphibien der Krankheit schutzlos ausgeliefert sind.

Trotz ausgiebigem Monitoring und intensiver Forschung scheint sich der Pilz weiter auszubreiten. Dass er sich nun gerade in Deutschland weiter zu verbreiten scheint, ist deshalb so beunruhigend, weil Deutschland als ein europaweiter Verbreitungsschwerpunkt dieser bereits jetzt bedrohten Art gilt. Noch ist unklar, wie der Pilz den Sprung von der Eifel nach Essen geschafft hat.

An der TU Braunschweig wird derzeit mit Hochdruck nach Lösungen gesucht. Der Pilz wirkt einen überaus starken Selektionsdruck auf die Tiere aus und es könnten sich Populationen bilden, die eine Resistenz gegen den Pilz entwickeln, so die Hoffnung. «Wir untersuchen gerade, welche Populationen dafür überhaupt infrage kämen», sagt Sebastian Steinfartz vom Zoologischen Institut der TU Braunschweig.

Es lässt hoffen, dass Forscher erfolgreich sind und eine Möglichkeit finden den Pilz zu stoppen, bevor er endgültig an den Schweizer Pforten ankommt.

Was können wir alle tun, um zu helfen?

Das Monitoring der nachtaktiven Tiere erweist sich als sehr schwierig und zeitaufwendig. Deshalb rufen Experten jeden, der draussen unterwegs ist, auf, die Augen offen zu halten und auffällige Tiere bei den geeigneten Fachstellen zu melden. In der Schweiz ist die Koordinationsstelle für Amphibien und Reptilien der Schweiz (KARCH) die Anlaufstelle für alle Amphibienfragen. Der Hinweis auf den Infektionsherd in Essen kam nun auch von einer aufmerksamen Frau, die ein krankes Tier mit Auffälligkeiten an der Haut mit nach Hause genommen hatte. Ihre Unterstützung trägt vielleicht dazu bei, dass dem Pilz die weitere Ausbreitung in Deutschland erschwert wird.

Benedikt Schmidt rät auch, dass für Terrarien eingesetztes Material, wie beispielsweise Netze, niemals in der freien Natur verwendet werden. Man könnte unwissend zur Verbreitung der Krankheit beitragen.

«Als Amphibienfreund kann man aber mit Desinfektion dafür sorgen, dass man nicht selber Krankheitserreger verschleppt», so Schmidt

Helfen auch Sie!

Halten Sie die Augen offen | © Aah-Yeah [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com
Halten Sie die Augen offen! | © Aah-Yeah [CC-BY-SA-2.0], via flickr.com

Die Orginalpublikationen finden Sie auf der Webseiten der Magazine Nature und  Science.

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2 Kommentare

  • Jürgen Kordal

    Wie können bekannte Populationen geschützt werden?

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  • thomas uebelhart

    ganz schön trübe aussichten😢

    vielleicht hilft EM? effektive mikroorganismen? ein versuch wärs wert?
    nebst handelsverboten weltweit…

    Antworten

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