Immer mehr private und «unqualifizierte» Leute benutzen einen Laubbläser. Ist das etwa wirklich nötig?! (zVg)
Immer mehr private und «unqualifizierte» Leute benutzen einen Laubbläser. Ist das etwa wirklich nötig?! (zVg)

Warum darf der Laubbläser alles?                                        

  • Christine Dobler Gross
  • 18

Ihre Meinung zählt!

Unter der Rubrik «Leserstimme» veröffentlichen wir Texte, die wir zugesandt erhalten. Schicken Sie uns auch Ihren Leserbrief oder Ihren Text: mail@naturschutz.ch

Immer mehr Leute reagieren mit grossem Unverständnis und ebenso grossem Ärger, wenn sie einem Laubbläser zuschauen, wie und wo er wirkt. Seit Jahren besteht die Möglichkeit, diese lärmigen, ungesunden, stinkenden, naturschädigenden Geräte ungehindert einzusetzen. Keine Limiten, ausser der üblichen Ruhezeitenregelung. Jeder kann ihn nutzen, ohne Qualifikation, auch die alten Geräte, wo, wie und solange er will. Bei unsern vielen Regulierungen absolut unverständlich, dass hier die Freiheit grenzenlos ist und bis auf die Hausdächer hinauf sein Unwesen treiben darf!

Leider hat auch die Stadtregierung von Zürich immer noch nicht erkannt, wie wichtig es wäre, endlich aktiv zu werden: durch Aufklärung über die Naturschäden (Anschreiben der Immobilien-Verwaltungen usw.), durch gesetzliche Regelungen und Einschränkungen der Geräte in der Lärmschutzverordnung, durch vorbildliches Vorausgehen mit der Handhabung der Laubbläser und so weiter. Gesetzliche Regelungen braucht es zwingend, denn als Hauptproblem nehme ich inzwischen die privaten Laubbläsernutzer wahr (Hauswarte, Facilitiy-Leute, Reinigungsfirmen), die neben dem Treppenhaus gleich auch noch den Garten „putzen“, das ganze Jahr hindurch. Die Behauptung der Effizienz wird mit ihrer Wiederholung nicht wahrer: meist muss man die Arbeit gar nicht erledigen – es braucht keine Garageeinfahrten, welche wöchentlich von jeder Tannennadel befreit werden – und wenn man etwas entfernen will, dann reicht der Besen oder Rechen. Mit den wenigen Ausnahmen, wo ein Laubbläser effizienter ist, kann man nicht mehr den ganzen täglichen Terror rechtfertigen. Niemand glaubt mehr das Argument der Effizienz, zu viel haben wir alle nun mit eigenen Augen gesehen. Es gibt unzählige Bilder und Videos, die den ganzen Blödsinn dokumentieren.

Dieses neurotisch anmutende, zwanghafte Putzen in den Grünräumen, ob mit oder ohne Akku, leistet zudem der Gesinnung Vorschub, auch die Grünflächen müssten jederzeit sauber sein. Der Einsatz der Fadenmäher hat ebenfalls zugenommen und wütet nicht minder zerstörerisch in den Gärten herum. Unkraut- und Insektenvernichtungsgifte erledigen dann noch den Rest, auch in den Gewässern. Dieser „Kriegszustand“ mit regelmässigen Orkanen aus den Bläsern und Schneidegeräten bis auf den Boden hinunter bedeutet das Ende der Kleinlebewesen in unsern Grünflächen, Grundlage der Nahrungskette. Damit sind wir auf dem bestem Weg, die Fauna im Siedlungsraum auch noch kaputtzumachen. In den Landwirtschaftsflächen ist sie schon weitgehend vernichtet.

Laubbläserbenutzer sind oft unqualifizierte Arbeiter, erledigen meist einen Auftrag und verdienen ihr Geld – also sind die Auftraggeber in der Pflicht. Nur fehlt mir der Glaube, dass sich ohne gesetzliche Regelung etwas bewegt. Im Gegenteil: der Einsatz solcher Geräte nimmt laufend zu und ist natürlich ein gutes Geschäft…für den Hersteller und Verkäufer also durchaus eine einträgliche Sache!

Unqualifizierte Leute pflegen die Gärten kaputt, aus Kostengründen. Kann es sein, dass qualifizierte Pflege gar nicht teurer wäre, weil nämlich etliche überflüssige Arbeiten wegfallen würden? Verliererin in diesem ganzen Treiben ist einmal mehr die Natur. Wie lange erlaubt es sich unsere Gesellschaft noch, diesem Treiben weiterhin tatenlos zuzuschauen?

Leserbrief von Frau Christine Dobler Gross

Was meinen Sie dazu? Gerne dürfen Sie uns Ihre Meinung weiter unten in Form eines Kommentars mitteilen.

Aga - Trigon Film

18 Kommentare

  • Blümchen

    Seit ein paar Jahren wird der Laubbläser bei uns in den Bergen von den Bauern anstelle der Heurechen eingesetzt! Ganze Abhänge aber auch die Ränder der gemähten Wiesen werden praktisch nur noch mit Laubbläsern bearbeitet! Bei schönem Heuwetter heisst das, den ganzen Tag Lärm im und ums Dorf, oft auch über Mittag.

    Natürlich werden von der Gemeinde auch bei uns Fadenschneider eingesetzt. Heute reicht es nicht mehr nur auf den Wanderwegen das Gras zu kürzen, rechts und links werden ganze Borde auf einen Millimeter-Schnitt getrimmt, auch dort wo’s im Bergwald nur Heidekraut, Heidelbeeren etc. also klein wachsende Pflanzen hat. Entlang der breiteren Waldstrassen werden die Borde mit einem speziellen Fahrzeug gemäht: Sträucher,Tännchen, kleine Lärchen, Blumen auch geschützte wie Türkenbund, Knabenkraut, Waldhyazinthen usw. werden kleingehackt.

    Antworten
  • Markus Eigenmann

    Liebe Frau Dobler
    Mit Herz und Verstand haben Sie einen tollen Leserbrief gegen das zwanghafte Putzen von Grünräumen geschrieben.
    In Horgen haben wir vor einer Woche die Petition „Naturschutz statt Naturputz“ gestartet, die genau dieses Thema anspricht. Immer wieder beobachten wir, dass Blumenwiesen, Krautsäume an Weg- und Waldrändern, Bachgehölze und Hecken von der Gemeinde und von beauftragten Gartenbaufirmen zum falschen Zeitpunkt massiv zurückgestutzt werden. Naturnahe Pflegepläne fehlen. Meist werden effiziente Geräte wie Fadenmäher, Kettensägen und Laubbläser von Leuten verwendet, die keine Ahnung von Naturschutz haben. Sie verstehen ihre Arbeit als normalen Putzauftrag wie etwa das Putzen eines Treppenhauses. Verantwortlich sind allerdings die Auftraggeber! Horgen ist mit diesem radikalen Naturputz kein Einzelfall. Andere Gemeinden im Kanton Zürich sind nicht (viel) besser dran.
    Eines ist klar: So geht Biodiversität im ganzen Kanton Zürich verloren. 1/3 aller Pflanzen und Tiere stehen bereits auf Roten Listen.
    Die Petition kann über http://www.Naturschutz statt Naturputz/Campax eingesehen und auch online von allen Leuten auch aus anderen Gemeinden unterschrieben werden. Die Petition soll Nachahmung in weiteren Gemeinden finden.

    Antworten
  • Massstab fehlt

    Gut gibts wirkliche Probleme auf dieser Welt.
    Sitzen sie mal an die Autobahn oder für extremgrüne ans Bahntrasse …

    Antworten
  • Bea Schoch

    Laubbläser und Fadenmäher…nun kann jedes Hälmli, Waldrand und Garten rasiert und zusammengeblasen werden. Haben wir nicht davon gesprochen wie wertvoll ungemähte Wiesen, Krautränder und Herbstlaub für die Tier- und Pflanzenwelt sind? Das BAFu macht Werbung für die Biodiversität und die Stadtgärtner rasieren und blasen mit grosser Freude.

    Antworten
  • Rougemont

    Nun ich bin selber Naturgartenspezialist mit eigenem Geschäft und habe mir dennoch einen Akkubetriebenen Laubbläser zugelegt.
    Das Einsatzgebiet beschränkt sich auf das zurückblasen von Laub(resten) nach Heckenschnitt an Wegen und Strassen sowie bei Kiesflächen. Das Laub wird somit den Pflanzen im Wurzelbereich wieder zur Verfügung gestellt.
    Der Bläser ist leise, die Wege sauber und der Kunde möchte nunmal einen Laubfreien Weg haben oft auch wegen Rutschgefahr. Das ist sein gutes Recht. Mehr Gesetze und Verbote braucht unser Land und wir Gewerbetreibenden definiv nicht.

    Antworten
    • Christine Dobler Gross

      @Rougement: Akkubläser sind nicht leise, nur das kleinere Übel zu den noch lauteren. Und Lärm ist nur ein Störfaktor bei den Geräten. Wieso kann man das Zurückbringen der Laubreste nach dem Heckenschnitt nicht wie früher schnell von Hand mit dem Besen machen? Das würde mich wirklich interessieren!Effizienter allenfalls bei Kiesflächen, sicher nicht aber bei Strassen und Wegen. Gesetze und Verbote braucht es dort, wo etwas ganz offensichtlich aus dem Ruder läuft, aber leider kommt das immer erst im Nachhinein und wird dadurch schwieriger. Wir werden dasselbe erleben bei den Drohnen, der Missbrauch hat schon begonnen….

  • Ernst Leuenberger

    Viel wahres und unwahres, z.B. das Benzin,,,, Es ist schlicht und einfach – unnötig – das saugen und blasen. Das schlimmste am Ganzen ist – was unser Unterhaltsdienst macht – km – weise – ha weise wird da „g’schaffet“ Ich sage jeweils, dass sie am Abend müde sind ! Und dann wundern sie sich , wenn es fast keine Inselten mehr gibt ! ,,,aber solange man an diesen Maschinen Geld verdienen kann , wird sich nichts ändern,,,

    Antworten
  • Luka Peters

    Ich finde vor allem den Aspekt wichtig, dass das Laub zu den Pflanzen gehört und nicht in die Verrottungsanlagen, denn das Laub schützt den Wurzelbereich bei Frost und liefert den Bodenorganismen Nahrung, was wiederum in Nahrung für die Pflanzen im nächsten Frühjahr resultiert. Nebenbei nervt mich auch der stundenlange Lärm der Laubbläser und -sauger.

    Unangebracht finde ich hier jedoch, dass mehrfach von „unqualifizierten“ Laubbläser-Benutzern gesprochen wird. Die Geräte werden ja auch intensiv von Landschaftspfleger*innen, Gärtner*innen usw. eingesetzt. Da zählt nur, dass der Auftraggeber es eben steril haben will ums Haus herum. Es soll wie beim Modell des Architekten aussehen, da hat’s auch kein Laub auf dem Boden. Die Sensibilisierung muss also bei den Planern, Bauherren, Eigentümer*innen und Verwalter*innen einsetzen.

    Antworten
    • Christine Dobler Gross

      @ Luka Peters: Sie haben recht: auch die meisten qualifizierten Gärtner benutzen ihn, weils die Auftraggeber offenbar verlangen. Und darum sage ich ja auch am Schluss, dass die Auftraggeber in der Pflicht sind. (Unser Gärtner hat selbstverständlich Laubbläserverbot im Garten). Für den täglichen Lärmterror jahraus jahrein hingegen sorgen hauptsächlich unqualifizierte Facility-Leute. Diese scheinen pro Laubbläsereinsatz etwas auf die Rechnung schreiben zu dürfen, denn das sieht jeder von weitem, dass diese Einsätze null Sinn machen.Darüber kann wohl jeder ein Liedlein singen..

  • gartenzauberer

    man fragt sich ja, warum diese unglaublich lärmigen dinger immer noch gebraucht werden dürfen, wenn daneben die Rasenmäher von wunderbar stillen emsigen Elektrogeräten ersetzt wurden und man doch die Hoffnung auf mehr ruhe vor alltagsmaschinenlärm erhoffen durfte. es gibt sicher auch elektrische laubbläser mit Akkus oder? mit den elektrischen Rasenmähern kann man sicher auch einen teil des täglichen Laubfall auf rasen in den griff bekommen. im übrigen, das laub wird in der Natur dringend gebraucht von den bodentieren.

    Antworten
  • Brigitte Poupon

    Bis jetzt warte ich immer noch auf eine neue Generation von Gärtnern, die Hausbesitzer von einem naturnahen Garten überzeugen können. Auch die Gemeinde hätte es in der Hand, hier mehr Ueberzeugsarbeit zu leisten, nicht nur ein Blatt über einheimische Pflanzen zusammen mit der Baubewilligung herauszugeben. Bei uns gab es in den letzten 2-3 Jahren in der nahen bzw. weiteren Nachbarschaft 12 neue Einfamilienhäuser, alle mit sterilen Gärten sprich englischem Rasen, Exoten, Steinen aus China etc. Und naürlich darf auch der Laubbläser nicht fehlen.

    Antworten
  • Mo Güttinger

    Ich finds absolt haarsträubend, die Laubbläser, nicht nur wegen dem Lärm aber auch wegen dem Lärm. Als hätten wir davon nicht schon genug. (Gibt es eingeltich schon eine Intitiative gegen Lärmverschmutzung?)
    Es gibt sicher nur ganz wenige Orte, wo ein Einsatz von Laubbläsern wirklich von Vorteil ist, zum Beispiel bei öffentlichen Veloständern. Ansonsten sehe ich keine Vorteile. Warum das Laub nicht gleich einsaugen, sondern es erst noch herumblasen? Wie ergaht es denen, die damit arbeiten müssen? Werden sie ob dem Lärm nicht fast wahnsinnig? Und dann eben, die Naturschutz-Argumente. Handlungsbedarf zwecks Einschränkung ist dringend angesagt!

    Antworten
  • Undine

    Also ich finde diese Laubbläser gehören abgeschafft, sie machen nur Krach und sind für die Umwelt nicht gut. Wieso muß jeden Morgen, ein jedes Blatt sofort weggeblasen werden. Das ganze ist doch einfach krank.

    Antworten
  • Motorhead@gmx.ch

    So ein Blödsinn, die Geräte werden mit Gerätebenzin betrieben – sauberer als jeder andere Verbrenner.
    Sich besser informieren statt übersäuern.

    Antworten
    • Maria Müller

      Darum geht es doch hier überhaupt nicht?! haben sie den Artikel gelesen oder verstehen Sie kein Deutsch?

    • Christian

      Kein Verbrennungsvorgang geschieht „sauber“. Gerätebenzin hin oder her. Heute brauchen wir für jede Bewegung ein Motörchen. DAS ist Blödsinn. Früher waren solche Geräte Profis vorbehalten, heute werden sie einem in jedem Bau und Hobby zu Aktionspreisen nachgeworfen. Jede (Achtung Genderfalle) Hausfrau steht heute mit dem Laubsauger im Schotterbeet. Das sinnlose (Tot)pflegen unserer Grünflächen von meist unqualifizierten oder zumindest uninteressierten Leuten ist tatsächlich problematisch. Was vielen Hüslibesitzern, Facility-Managern, Immobilienverwaltern und leider auch Gärtnern fehlt, ist das Wissen um ökologische Zusammenhänge. Dafür macht genau das unseren Beruf so spannend! Ich sehe zum Glück eine sehr interessierte junge Generation von Gärtnern kommen. Gruss von einem Naturgärtner


Beitrag kommentieren