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Der Besen für alles!

Hier ist es wieder, das Thema. Man könnte meinen, weil der Herbst bald kommt. Aber nein, das ist nicht der Grund, denn der Laubbläser hat sich längst durchs ganze Jahr hindurch im Alltag etabliert, er ist der Besen des Hauswarts geworden und das Reinigungsgerät des Gärtners für alles.

In einer Haselnauss versteckt ist eine kleine Wanze.
Die kleine Wanze sucht Schutz in der von einer Waldmaus angebissenen Haselnuss © Christine Dobler Gross

Auch der Bauarbeiter nutzt ihn, um das Baugerüst zu reinigen mit dem Gebläse. Der Bauer nutzt ihn zum Heuen. Und vor dem Stall auch.

Asphalt und Beton dominieren das Bild.
Hier wächst kaum etwas, also auch nichts zum Wegbläsern. © Christine Dobler Gross

Die Gelegenheit wurde verpasst, den Einsatz dieses Gerätes gesetzlich zu regeln.

Eine Schwebefliege auf einer Blüte.
Die Schwebefliege hebt gleich ab – von einer Zaunrübenblüte. © Christine Dobler Gross

Zurück bleibt die Frustration der Betroffenen und der schwindende Glauben, dass unsere Behörden willens sind, solche Auswüchse einzudämmen.

Der Laubbläser erzeugt nicht nur ein Lärmproblem, sondern weitere Probleme wie das Aufwirbeln von… ekelhaft… alles längst bekannt, ich muss es hier nicht wiederholen.

Die Bläser sind nur die Spitze des Eisbergs eines Teils unserer Gesellschaft, der schon fast zwanghaft um Sauberkeit im Freien bemüht ist und den Kontakt zur Natur vollends zu verlieren droht. Und wir schauen ohnmächtig zu.

Diese Ligusterhecke bietet Tieren weder Schutz noch Nahrung.
Wie bei dieser Ligusterhecke, welche mindestens einmal im Monat geschnitten wird, auch wenn sie kaum gewachsen ist, geschweige denn so je blühen und Tieren Schutz und Nahrung bieten wird. © Christine Dobler Gross

Was mir zu denken gibt, ist, dass immer mehr Private (Hauswarte, Hausbesitzer, Liegenschaftsverwaltungen usw.) die Gartenarbeit delegieren und den Gärtnern, die inzwischen fast überall gar keine Gärtner mehr, sondern Putzfirmen sind, den Auftrag geben, die Umgebung des Hauses möglichst sauber zu machen. Es wird immer extremer, versichern mir auch diese «Gärtner» – was sie machen müssen.

Die Wildbiene findet in der verdorrten Blüte Schutz in der Nacht.
Diese Wildbienen übernachten gut getarnt – wenn sie verdorrte Blüten finden, welche die Gärtnerin stehen liess. © Christine Dobler Gross

So sprach ich heute mit diesem jungen gelernten Landschaftsgärtner. Er hat den Befehl bekommen, diese niedrige Hecke (wohl eine Heckenberberitze) nach dem Schneiden mit der Heckenschere noch von Hand nachzuschneiden und dann mit dem Laubbläser alle Schnittstücklein aus der Hecke zu blasen. Das ging denn auch Stunden…

Laubbläser, Zerstörer der Biodiversität.
Peinlich sauber muss es werden. © Christine Dobler Gross

Er sagte, er selber habe daheim einen wilden Garten, das Problem seien die Auftraggeber mit ihren perfekten Ansprüchen, und das hier sei bei weitem nicht der extremste Auftrag, den er schon erhalten habe…

Wildblumenwiese mitten in der Stadt.
Eine Wildblumenwiese am Zeltweg erfreut das Auge. © Christine Dobler Gross

Man kann die Gärtner und uns also vor solchen Leuten mit solchen Ansprüchen nur schützen, indem man die Erlaubnis, Laubbläser zu benützen, auf die Laubmonate Oktober/November eingrenzt. Und damit einmal endlich auch in Zürich ein Zeichen setzt.

Viele Insekten und Pflanzen während eines Spazierganges.
Bunt wie das Laub kann der Herbst im Garten sein. © Christine Dobler Gross

Ist es denn wirklich nicht möglich, sich in diese Richtung zu bewegen, wie es uns Genf schon längst vormacht?

Und: wissen Sie eigentlich, was Ihr Gärtner in Ihrem Garten macht? Schauen Sie ihm doch mal zu!

Bitte keine Laubbläser mehr benutzen und der Biodiversität eine Chance geben.
Ohne Laubbläser bitte… bitte… © Christine Dobler Gross

5 Kommentare

  1. Liebe Frau Dobler, sie sprechen mir aus der Seele. Bin auch dafür dass man dieses sinnlose und ungesunde Tun unterbindet. Starten wir eine Petition?!

  2. Grundsätzlich bin ich auch nicht dafür, dass für alles ein Laubbläser eingesetzt wird. Neben dem Lärm und Staub bleibt aber ein grundsätzliches Problem….alle wollen alles günstig haben, auch Mieterinnen und Mieter, Verwaltungen usw. Was ist die Konsequenz? Das Wischen mit dem Besen ist zu zeitaufwändig und damit zu teuer.
    Es liegt also nicht nur an der Bequemlichkeit der Gärtner. Um dieses Übel zu bekämpfen sollte nicht wieder der Staat eingreifen müssen, sondern die Vernunft jedes Einzelnen zum tragen kommen.

    • Lieber Conny Wiederkehr
      Es wird immer behauptet, dass das Wischen mit dem Besen zeitaufwändiger und deshalb teurer wäre. Es gibt aber Gärtner, die sagen, dass dies in vielen Bereichen (kleinere Gärten und Flächen) nicht stimme. Nützlich sei der Bläser auf grösseren Kiesflächen oder auf Strassen mit parkierten Autos usw. Also ein verschwindend kleiner Teil der ganzen Einsätze würde Sinn machen. Zudem werden laufend Säuberungsarbeiten gemacht, die gar nicht nötig wären, ja sogar der Natur schaden (z.B. Herbstlaub unterm Gebüsch hervorblasen). Ich glaube nicht mehr an die Vernunft jedes Einzelnen, sondern dass wir via Gesetz vor unserer eigenen Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit geschützt werden müssen. Regeln können auch sehr entlastend sein und müssen nicht immer nur einschränkend sein.

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