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Skurriles aus dem Naturgarten

Für den Naturgarten werben in der Regel prächtige Wildblumen und filigrane Schönheiten wie Schmetterlinge. Auch ich neige dazu, nicht unbedingt Kröten- und Spinnenfotos zu präsentieren, wenn ich wenig informierte Menschen für eine naturnahe Gartengestaltung und –pflege zu gewinnen suche. Dabei ist Gruseliges und Skurriles doch attraktiv! Warum sonst wären Krimis so beliebt?

Schnake auf einem Blatt.
Schnake. © Beatrix Mühlethaler

Im Ernst: Zum Ökosystem des naturnahen Gartens gehören vielerlei Tiere, die manche Menschen gruseln oder die uns sogar tatsächlich piesacken wie etwa Stechmücken. Ich bin aber überzeugt, dass viele der unscheinbaren Kräuter oder verpönten Krabbeltiere Sympathie oder zumindest Interesse wecken können, wenn sich ein Mensch erst mal auf das Abenteuer Naturgarten eingelassen hat. Denn es ist spannend zu beobachten, wie hier alles miteinander interagiert.

Wir sind natürlich auch dann noch nicht vor gelegentlichem Ekel gefeit. Dann nämlich wenn wir Zeugin und Zeuge davon werden, wie Tiere andere Tiere töten und fressen. Beobachtende sind da allerdings meist sehr parteiisch. So schauen sie schief, wenn eine Spinne eine Biene tötet, während sie dem sympathischen Igel wohl die Würmer und Asseln gönnen, die er schmatzend einverleibt. In diesem Beitrag haben nun mal die nicht allseits beliebten Tiere ihren Auftritt.

Eine Erdkröte die am Boden sitzt.
Erdkröte. © Beatrix Mühlethaler

Zum Beispiel die Erdkröte. Unvermittelt guckt sie einem aus einer feuchten Ecke an oder kriecht unter einer Pflanze hervor, wo man die Erde lockern möchte. Einen Schreck kriege auch ich, wenn ich Kompost aus einem Sack hole und plötzlich in etwas Weiches greife. Aber: Ich mag das Tier mit den goldenen Augen und habe mich deshalb sehr gefreut, als letztes Jahr zum ersten Mal Krötenlaich im Teich lag. Im Herbst begegnete ich dann einigen herzigen Jungkröten-Winzlingen.

Eine Garten-Kreuzspinne in ihrem Netz.
Garten-Kreuzspinne. © Beatrix Mühlethaler

Oder die Garten-Kreuzspinne. Sie ist eine der imposantesten einheimischen Spinnen, die gerne ihr grosses Radnetz im Garten oder am Haus spinnt. Darin verfangen sich allerlei Insekten. Dieser Beute verpasst die Kreuzspinne einen Biss und umwickelt sie mit einem Sekretband aus ihren Spinndrüsen. Wenn das Innere des Opfers durch die mit dem Biss verpassten Enzyme aufgelöst ist, saugt sie es aus.

Eine Krabbenspinne lauert auf einer Blüte.
Veränderliche Krabbenspinne. © Beatrix Mühlethaler

Oder die veränderliche Krabbenspinne, die ihre Farbe entsprechend ihrem Standort zwischen weiss und gelb wechseln kann. Sie sitzt gerne auf attraktiven Blüten und packt zu, wenn ein Insekt nichts anderes will, als Nektar oder Pollen tanken. Hier war die Spinne allerdings gerade mit Posieren beschäftigt, um in die Kartei der Models für Naturgarten-Werbung zu kommen.

Eine gewöhnliche Strauchschrecke versteckt sich im hohen Gras.
Gewöhnliche Strauchschrecke. © Beatrix Mühlethaler

Oder die gewöhnliche Strauchschrecke. Diese häufig vorkommende imposante Heuschrecke hat es gerne feucht. Sie lebt im Schutz von Gehölzen und hoher Vegetation, wo sie sowohl Grünzeug als auch andere Insekten frisst. Nur bei moderatem Sonnenschein zeigt sie sich im Offenen. Im Sommer ist sie in ihrer vollen Grösse von zwei Zentimetern anzutreffen, im Frühling kann sie als Winzling entzücken.

Eine Larve einer Strauchschrecke.
Larve Strauchschrecke. © Beatrix Mühlethaler
Eine rote Mordwanze.
Mordwanze. © Beatrix Mühlethaler

Jetzt landen wir doch noch im Krimi: Eine Wanze, die sich von anderen Insekten ernährt, muss sich mit der deutschen Zuordnung zu den Raubwanzen abfinden; jene aus der Gattung Rhinocoris sogar mit dem Namen Mordwanze. Für Mord und Totschlag ist sie mit einem langen Rüssel ausgestattet. Bei ihrem Raubzug durch die Vegetation räumt sie auch mit allerlei saugenden Insekten auf, hier beispielsweise auf einer Himbeerstaude. Davon profitieren nebenbei die auf Beeren scharfen Menschen.

Eine Skorpionsfliege auf einem Blatt.
Skorpionsfliege. © Beatrix Mühlethaler

Damit kommen wir vom Grusligen zum Skurrilen: Auffälligen Kopffortsätzen. Unser erstes Beispiel zeigt einen Schnabelhaft, nämlich die Skorpionsfliege. Der Name nimmt Bezug auf die Fähigkeit des Männchens, den Hinterleib wie ein Skorpion aufzurichten. Schmunzeln macht aber vor allem ihr Schnabel.

Rüsselkäfer sind nicht beliebt, weil ihre Larven sich an Wurzeln von Gartenpflanzen vergreifen und auch die Käfer selbst sich von Pflanzen ernähren. Aber sieht dieser Rüsselkäfer nicht rührend aus? Während er krabbelte und krabbelte, steckte das Weibchen fortwährend den Kopf in die Distel. Schliesslich riss dem Männchen der Geduldsfaden und so machte es sich auf andere Weise bemerkbar.

Rüsselkäfer.
Rüsselkäfer. © Beatrix Mühlethaler
Zwei Rüsselkäfer auf einer Blüte.
Rüsselkäfer. © Beatrix Mühlethaler

Auch die Schnauzenschwebfliege fällt mit ihrem Kopf auf, der durch ein Horn gekrönt wird. Zum Fressen nutzt sie allerdings den darunter liegenden sehr langen Rüssel, mit dem sie auch in tiefen Blüten Nektar saugen kann, zum Beispiel am kriechenden Günsel.

Schnauzenschwebfliege im Garten.
Schnauzenschwebefliege. © Beatrix Mühlethaler

Oft schmunzle ich nicht schon beim Beobachten im Garten, sondern erst beim Betrachten der Fotos am Computer. Denn auf dem Schnappschuss erscheinen manchmal auch die Posen unserer hübschen Wildbienen skurril. Oder die Situation ist lustig. Soll eine Art in einem Artikel oder Buch vorgestellt werden, fällt die Auswahl natürlich auf ein Bild, das die Biene erkenntlich darstellt. Bei den folgenden Fotos wählte ich mal nach dem Schmunzelfaktor aus.

Eine Gelbe Furchenbiene versinkt in der Blüte.
Gelbbindige Furchenbiene, in Flockenblume vertieft. © Beatrix Mühlethaler
Eine Schenkelbiene an Gilbweiderich.
Vollgetankte Schenkelbiene an Gilbweiderich. © Beatrix Mühlethaler
EIne Furchenbiene verschwindet kopfüber in einer Blüte.
Kein Steinbock, sondern eine Furchenbiene. © Beatrix Mühlethaler
Eine Gehörnte Mauerbiene vor dem Ausflug.
Gehörnte Mauerbiene vor dem Ausflug. © Beatrix Mühlethaler
Zwei Hahnenfuss-Scherenbienen vor ihrem Bohrloch.
Hahnenfuss-Scherenbienen, nach Paarungsversuch abgestürzt. © Beatrix Mühlethaler

4 Kommentare

  1. Guten Abend,
    ,,,schöne Bilder . Leider wird da im Privatgarten zwischen gut und schlecht beurteilt. Was schlecht ist , wird immer noch mit der Gift-spritze hingerichtet, auch im Naturgarten . Hab ich da falsch gelesen, Kompost aus dem Sack ? Das wäre ganz schlecht. Haben sie Probleme, oder wollen sie kompostieren, dann kann ich ihnen meine Methode, das heisskompostieren empfehlen . Broschüre ver-langen !
    Gruss Ernst

    • Guten Tag Herr Leuenberger
      wir kompostieren ALLES, dem Kompost fehlen sehr wahrscheinlich verschiedene Inhaltsstoffe, oder ist es ’normal‘ dass die Pflanzen gelbe Blätter bekommen, die Aepfel mit Wurm- undPilzbefall auf dem Kompost bringen meiner Meinung nach noch mehr nachfolgende Generationen hervor, deshalb ist Ihre Methode sicher eine wirkungsvolle Art diesen Befall einzudämmen.
      Vielen herzlichen Dank für Ihre Hilfe.
      Mit freundlcihen Grüssen Wilma Scheidegger

  2. Danke liebe Beatrix für diesen humorvollen und liebevollen Blick auf die weniger Beliebten und Schönen im Garten – das kann nur jemand, der allen Kreaturen ihre Daseinsberechtigung zugesteht und eben NICHT in gut und schlecht unterteilt, im Gegenteil: Du machst sie mit Deinen Texten und Bildern allesamt zu liebenswerten Geschöpfen: die Skurrilen, die Gefährlichen, Grusligen und Unbeliebten….. Herzlichen Gruss aus unserm Naturgarten in Zürich!

  3. Super Bilder, cooler Text! Regt wieder einmal zum genauer Hinschauen im Garten an! Und schafft Sympathien für die kleinen Krabbelviecher 🙂

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