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Frost, Frust und neue Freuden

Das Ende des Vorfrühlings mit der prachtvollen Obstblüte kam plötzlich: Zwei frostige Nächte haben genügt, um die Aussicht auf sommerliche Obst- und Beerengenüsse zu schmälern. Frustrierend, ja. Im Naturgarten aber triumphiert schon wieder das Leben.

Als am Tag nach der zweiten Frostnacht die Sonne strahlend am blauen Himmel stand, war die Freude getrübt: Obstblüten schwarz verfärbt, Beeren farblos und schrumpelig, Kiwi- und Traubentriebe schwarz, Glyzinienspalier grau und schlapp, Blütenpflanzen mit hängenden Köpfen.

Eine kaputte Obstblüte.
Die Reine-Claude-Ernte fällt wohl aus. © Beatrix Mühlethaler
Einzelne Johannisbeeren können noch reifen.
Nur vereinzelte Johannisbeeren haben noch die Chance zu reifen. © Beatrix Mühlethaler
Stachelbeeren.
Ein paar Stachelbeeren zeigen noch gesundes Grün. © Beatrix Mühlethaler
Die Trauben haben den Frost nicht gut überstanden.
Eben noch duftiges Lilablau, jetzt schlapp hängendes Graublau. © Beatrix Mühlethaler
Das Tränende Herz ist schlapp.
Auch das Tränende Herz hat schlapp gemacht. © Beatrix Mühlethaler

Vor allem Kulturpflanzen und Mittelmeergewächse, die von der ungewöhnlichen Märzwärme früh geweckt worden waren, litten schwer unter dem plötzlichen Kälteeinbruch. Andere waren härter im Nehmen. So richteten die Tulpen ihre Köpfe im Lauf des Tages wieder auf. Vor allem die einheimischen Gewächse zeigten aber ihre Stärke.

Die wilde Mondviole beispielsweise, deren Stängel am Morgen völlig durchgebogen waren, stand am Nachmittag wieder frisch und aufrecht da. Vielen weiteren Wildpflanzen sah man den Stress überhaupt nicht an.

Mondviole.
Mondviole: Wieder munter. © Beatrix Mühlethaler
Das Gamander-Ehrenpreis ist am blühen.
Gamander-Ehrenpreis: ungerührt blühend. © Beatrix Mühlethaler
Die Zypressenwolfsmilch ist gelb am blühen.
Zypressenwolfsmilch: beliebte Landestelle für Insekten. © Beatrix Mühlethaler

Auch die Insekten liessen sich blicken, wie wenn nichts geschehen wäre. So sonnte sich nach den Frostnächten die frühe Adonislibelle als erste frisch geschlüpfte Libelle des Jahres auf Pflanzenstängeln. Nur die Winterlibelle, die als Imago überwintert, war schon früher zu sehen.

Die Adonislibelle ist die frühste Libelle die schlüpft.
Die frühe Adonislibelle ist jeweils die erste Libelle des Jahres, die schlüpft. © Beatrix Mühlethaler

Weitere schöne Beobachtungen minderten die Trauer über den Verlust der erhofften sommerlichen Gaumenfreuden. Schliesslich ist eine verdorbene Ernte für eine Hobbygärtnerin und Geniesserin der selbst gezogenen Früchte – anders als für die Bauern – nicht existentiell.

Es ist immer wieder tröstlich, wie im Naturgarten auch bei launischem Wetter das Leben weiter gedeiht: Die Ackerhummel geniesst wie jeden Frühling die Blüten des kriechenden Günsels.

Auf einem Günsel kriecht eine Ackerhummel.
Ackerhummel auf kriechendem Günsel. © Beatrix Mühlethaler

Auf Blättern sitzend tanken winzige Heuschreckenlarven Sonnenwärme.

Larve einer Laubheuschrecke.
Larve einer Laubheuschrecke. © Beatrix Mühlethaler

Und unter dem Makroobjektiv entpuppt sich eine winzige Blattwespe als grünäugige Schönheit.

Blattwespe.
Blattwespe. © Beatrix Mühlethaler

Auch der Schnee dieser Tage wird das Leben im Naturgarten nur vorübergehend bremsen. Mit Opfern ist allerdings bei solchen Wetterkapriolen leider doch zu rechnen

Schnee im Frühlingsgarten.
© Beatrix Mühlethaler

1 Kommentar

  1. Genau das habe ich auch fasziniert wahrgenommen und mal wieder darüber nachgedacht, ob unsere „klassischen“ Obstbäume und -sträucher überhaupt echt einheimische „indigene“ sind oder eben Kultur-Mitbringsel aus dem Mittelmeerraum. Komisch nur, dass die Blutbuche auch Blattschäden an den fertigen, noch weichen Blättern zeigt.
    Meine Bibernellrose blüht jedenfalls immer noch 1a, obwohl der Schnee sie blühend zur Erde gedrückt hatte. Und kein einziges braunes Blütenblatt ist daran. Furchenbiene und Langhornbiene sind auch immer noch da. Genial!

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