Der Klimawandel treibt den Schneehasen in die Höhe. © Rolf Giger
Der Klimawandel treibt den Schneehasen in die Höhe. © Rolf Giger

Für Schneehasen wird es mit dem Klimawandel eng

  • Selina Fehr
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Wenn sich das Klima erwärmt, werden die Lebensräume für den Schneehasen in den Schweizer Alpen kleiner und zerstückelter. Damit dürften die Bestände schrumpfen, legt eine internationale Studie unter Leitung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und der Universität Bern nahe.

Artikel erschienen in CH-Wildinfo 2018-2 und bei der WSL.

Spezialisierte, an das Leben im Hochgebirge angepasste Arten wie der Schneehase sind vom Klimawandel besonders stark betroffen. Wird es dem Schneehasen zu warm, kann er nur in begrenztem Mass in kühlere, höher gelegene Gefilde ausweichen. Tatsächlich dürfte die Fläche an geeignetem Lebensraum für den Schneehasen in der Schweiz bis ins Jahr 2100 im Mittel um ein Drittel schrumpfen, haben Forschende der WSL, der Universität Bern und der Universität für Bodenkultur in Wien errechnet.

Der Lebensraum wird nicht nur kleiner, sondern auch stärker zerstückelt. Dadurch sind die Schneehasenbestände weniger gut vernetzt, was zur genetischen Verarmung führen kann. Insgesamt ist zu erwarten, dass die Zahl der Schneehasen zurückgehen wird, so das Fazit der Studie, die im Wissenschaftsjournal «Global Change Biology» veröffentlicht ist. Sie identifiziert gleichzeitig die wichtigsten Schneehasengebiete der Zukunft, die für die Vernetzung einzelner Populationen und den Schutz der Art entscheidend sind.

Dieser Schneehase steht mitten im Fellwechsel. Schmilzt der Schnee mit dem Klimawandel immer früher, sind die Hasen häufiger mit der «falschen» Fellfarbe unterwegs. Dadurch werden sie leichtere Beute für Raubtiere. © Rolf Giger
Dieser Schneehase steht mitten im Fellwechsel. Schmilzt der Schnee mit dem Klimawandel immer früher, sind die Hasen häufiger mit der «falschen» Fellfarbe unterwegs. Dadurch werden sie leichtere Beute für Raubtiere. © Rolf Giger

Schneehasen im Hitzestress

Das Forscherteam untersuchte den Einfluss des Klimawandels auf die Verbreitung der Art in den Schweizer Alpen anhand von 1046 Schneehasennachweisen aus den Jahren 1990 bis 2013. Dazu modellierte es die Lage und Ausdehnung der aktuellen sowie der zukünftigen geeigneten Lebensräume anhand verschiedener Klimaszenarien des internationalen Klimarats IPCC. Ob ein Lebensraum für Schneehasen geeignet ist oder nicht, hängt von Faktoren wie Nahrungsverfügbarkeit, Schutz vor Räubern, Hitze und Kälte sowie menschlichen Störungen ab.

Es zeigte sich, dass vor allem die steigenden Temperaturen in der Fortpflanzungsperiode der Hasen den nutzbaren Lebensraum beeinflusst. An Kälte angepasste Arten können ihre Körpertemperatur in heissen Sommern weniger gut regulieren als wärmeliebende Arten. Sie müssen in kühlere Regionen ausweichen, was aufgrund der sich nach oben verengenden Berge und der schroffen Felswände nur begrenzt möglich ist.

Die Modellrechnungen ergaben einen Lebensraumverlust von 26% bei einem mittleren und 45% bei einem starken Erwärmungsszenario in der Schweiz. Es zeigten sich aber starke regionale Unterschiede: Der Lebensraumverlust ist in den südlichen und nördlichen Voralpen am grössten. In den Zentralalpen hingegen ist er geringer, aber auch hier schrumpft die Anzahl geeigneter Gebiete deutlich.

Nationales Monitoring empfehlenswert

«Mit dem Verlust und der steigenden Zerstückelung der Lebensräume ist die Art zunehmend gefährdet», sagt der Erstautor Maik Rehnus von der Eidg. Forschungsanstalt WSL. «Unsere Studie hat wichtige Gebiete für die Vernetzung der Schneehasen in der Schweiz identifiziert. Sie stellen das Rückgrat für die zukünftige Verbreitung der Schneehasen dar», ergänzt Kurt Bollmann von der WSL, der die Studie zusammen mit Veronika Braunisch von der Universität Bern geleitet hat. Die Autoren empfehlen, sowohl in diesen als auch in Randgebieten der heutigen Verbreitung ein nationales Schneehasen-Monitoring einzurichten. «Das würde helfen, Wissenslücken über die regionalen Unterschiede in der Bestandesentwicklung und die Gefährdung der Art zu füllen», sagt Rehnus.

 

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