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Mit dem Herbst kommt die Pilzsaison

  • Redaktion Naturschutz

Diese Jahreszeit lädt dazu ein, sich mit der Vielfalt im Reich der Pilze auseinanderzusetzen. Lassen Sie sich von der Faszination des verborgenen Daseins sowie der Lebensweise und Vermehrung der Pilze anstecken.

Wichtige Aufgabe in der Natur

Pilze spielen eine zentrale Rolle im biologischen Kreislauf der Natur. Pflanzliches und tierisches Material dient Pilzen als Nährsubstrat, gleichzeitig wird dieses abgebaut und in Humus umgewandelt. Vor allem in Waldökosystemen stellen Pilze einen aussergewöhnlichen Bestandteil dar, wo etwa jede vierte (!) Grosspilzart mit verschiedensten Pflanzenarten Lebensgemeinschaften, sogenannte Symbiosen, eingeht. Pilze, die solche Symbiosen mit den Wurzeln von Bäumen, Sträuchern, Orchideen, usw. bilden, werden als Mykorrhiza-Pilze bezeichnet (Griechisch mykes =Pilz und rhiza = Wurzel). Es findet ein Austausch von wichtigen Stoffen statt: Die Pilze beschaffen für die Pflanze sonst unerreichbare Nährstoffe aus dem Boden, währenddem die Pflanze die nötige Energie in Form von Zucker zur Verfügung stellt – die Ernährung der beiden Organismen ist somit sichergestellt. Dieses ausgeklügelte Zusammenspiel ermöglicht das dauerhafte Überleben unseres Waldes!

Die Aufgabe des sichtbaren Fruchtkörpers, den wir normalerweise mit dem Wort „Pilz“ bezeichnen, ist mit dem Apfel des Apfelbaums zu vergleichen: Er dient der Vermehrung. Pilze bilden ein Geflecht aus dünnen Fäden (Hyphen)  im Boden – das Mycel. Dieses kann auch ohne Fruchtkörper bleiben, was es sehr schwer zu bestimmen macht. Das Mycel muss jedoch nicht unbedingt an Bodensubstrat gebunden sein, auch ein Baumstrunk, die Rinde oder Äste, ja sogar einzelne Tannenzapfen und Tannennadeln können als Substrat dienen. Die Fruchtkörper bilden Tausendstelmillimeter kleine Sporen, die nach dem Keimen wieder Hyphen bilden und so zur Vermehrung beitragen.

Bestimmen und Sammeln

Das Bestimmen der Pilze anhand der Fruchtkörper erfolgt durch ihre unterschiedliche Gestalt, Grösse und Beschaffenheit. Bekannte Formen von Pilzen sind solche, die in Hut und Stiel gegliedert sind. Unterschiede in dieser Form sind zum Beispiel in der Beschaffenheit der Unterseite des Hutes festzustellen, welche entweder Röhren, Lamellen (Blätter), Leisten oder Poren aufweisen kann. Diese Merkmale führen zur Einteilung in beispielsweise Röhrlinge, Blätterpilze, Leistlinge oder Porlinge. Weitere Bestimmungsmerkmale sind Stiel, Hutoberfläche, Farbe, Hutrand, Verhalten bei Verletzungen, Beschaffenheit sowie Geschmack/Geruch des Fleisches usw.

Für das genaue Bestimmen ist es unerlässlich, ALLE Merkmale genauestens zu betrachten. Weiter hilft auch die Begleitvegetation, die geographische Lage (Flachland, Bergwald, oberhalb Baumgrenze und die Art und Weise, wie die Pilzart anzutreffen ist: Einzeln, gesellig, büschelig, in Ringen, an lebendem oder totem Holz, auf Erdboden oder anderer Substanz. Weitere Infos zur Bestimmung und Bestimmungsschlüssel finden Sie hier.

Eine Liste der Schweizer Speisepilze, welche Untersorten es gibt und was bei einigen zu beachten ist, finden Sie hier.

Die meisten Pilze gibt es zwischen Mai und Ende Oktober, als Hochsaison gelten September und Oktober, wobei beispielsweise Morcheln schon im April zu finden sind. Dieses Jahr liessen die Hitze und der Regen die Pilze etwas früher spriessen. Vor allem bei feucht-warmem Wetter kommt es zu einem Wachstumsschub vieler Speisepilze. Damit man die die kleinen Versteckkünstler auch findet, gilt:

„Unter Birken, Tannen, Buchen
kannst du immer Pilze suchen,
unter Eschen, Erlen, Linden
wirst du nicht sehr viele finden.“

© H. Krisp [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia
© H. Krisp [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia
© H. Krisp [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia
© H. Krisp [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia
Im oberen Bild ist der echte Pfifferling (Eierschwamm) zu sehen, nicht zu verwechseln mit dem giftigen falschen Pfifferling (Bild unten).

Tipps zum Sammeln:

  • Wahl des Sammelbehälters: Am besten ist ein flacher Korb, sodass die Pilze nebeneinander gelagert werden können. Erfahrene Pilzsammler benutzen unterschiedlich grosse Behälter, damit auch kleine und zerbrechliche Pilze unbeschadet transportiert werden können.
  • Ernte: Achten Sie darauf, den ganzen Fruchtkörper mitzunehmen! Unvollständige Fruchtkörper können zu schwerwiegenden Fehlbestimmungen führen.
  • Erde und Grasresten sollten mit dem Messer abgeschabt werden.
  • Angefaulte, alte oder zerfressene Exemplare sollten Sie aussortieren, damit diese ihre wichtige Aufgabe als Sporenverbreiter erfüllen können.
  • Transportieren Sie giftige oder unbekannte Arten getrennt von Speisepilzen – schon kleine Stücke eines Giftpilzes können zu Vergiftungen führen!
  • Nutzen Sie all ihre Sinne: Behutsames Schnuppern ergibt die besten Resultate; ihre Nase kann sogar trainiert werden! Mit der Zunge können Sie feststellen, ob ein Pilz scharf oder mild ist. Aber Vorsicht! Unbedingt Kostproben wieder ausspucken – Auch Speisepilze können roh giftig sein.
  • Ein verantwortungsvoller Umgang mit den „Früchten des Waldes“ ist geboten. Seltene Arten sollten stehen gelassen werden.

Vergiftungen

Es wird empfohlen, eine der amtlichen Pilzkontrollstellen in Anspruch zu nehmen. Sehr gefährliche Pilzvergiftungen haben häufig eine lange Latenzzeit (Dauer bis zum Auftreten der ersten Vergiftungsymptome) von 4-24 Stunden, während sich weniger gefährliche Vergiftungen oft früher (nach 1/4 bis 4 Stunden) zeigen. Auch Speisepilze können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen, wenn sie in zu grossen Mengen oder roh gegessen werden. Pilze sind allgemein schwerverdauliche Lebensmittel, Pilzeiweisse werden schnell zersetzt und bei einzelnen Personen können Allergien auftreten.