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Mit dem Herbst kommt die Pilzsaison

  • Julia Hatzl

Diese Jahreszeit lädt dazu ein, sich mit der Vielfalt im Reich der Pilze auseinanderzusetzen. Lassen Sie sich von der Faszination des verborgenen Daseins sowie der Lebensweise und Vermehrung der Pilze anstecken.

Wichtige Aufgabe in der Natur

Pilze spielen eine zentrale Rolle im biologischen Kreislauf der Natur. Das, was wir oft als „Pilz“ bezeichnen, ist nur ein kleiner Teil des gesamten Organismus. Der für für uns interessante und begehrte sichtbare Pilzkörper mit Pilzhut ist der Fruchtkörper. Seine Aufgabe ist mit dem Apfel des Apfelbaums zu vergleichen: Er dient der Vermehrung. Die Fruchtkörper bilden Tausendstelmillimeter kleine Sporen, die sich durch den Wind verbreiten und an neuen Standorten anfangen zu keimen. Der eigentliche Pilz ist jedoch um ein Vielfaches grösser als das, was wir mit freiem Auge erkennen können. Pilze bilden ein Geflecht aus dünnen Fäden (Hyphen) im Boden – die Gesamtheit des Hyphengeflechts wir als Mycel bezeichnet. Es kann sich über mehrere Hundert Meter ausbreiten und überdauert das ganze Jahr über im Boden oder in sonstigem Substrat, auch wenn gerade keine Fruchtkörper sichtbar ist.

Pilze übernehmen eine wichtige Funktion im Ökosystem Wald. @ adege [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Pilze übernehmen eine wichtige Funktion im Ökosystem Wald. @ adege [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Pflanzliches und tierisches Material dient Pilzen als Nährsubstrat. Das Mycel muss nicht unbedingt an Bodensubstrat gebunden sein, auch ein Baumstrunk, die Rinde oder Äste, ja sogar einzelne Tannenzapfen und Tannennadeln können als Substrat dienen. Das organische Material wird durch die Verdauung der Pilze in Humus umgewandelt. Sie sind somit wichtig für das Recycling von abgestorbenem organischem Material. Vor allem in Waldökosystemen stellen Pilze einen aussergewöhnlich wichtigen Bestandteil dar. Sie dienen nicht nur dem Abbau und der Umwandlung von organischem Material, sondern sind auch für die Waldgesundheit von essenzieller Bedeutung. Jede vierte (!) Grosspilzart geht mit verschiedensten Pflanzenarten Lebensgemeinschaften, sogenannte Symbiosen, ein. Dabei verbinden sich Hyphenstränge mit Wurzeln von Pflanzen. Pilze, die solche Symbiosen mit den Wurzeln von Bäumen, Sträuchern, Orchideen, usw. bilden, werden als Mykorrhizapilze bezeichnet (Griechisch mykes =Pilz und rhiza = Wurzel). Diese Verbindungen haben sowohl für die Pflanze als auch für den Pilz viele Vorteile: Die Pilze beschaffen für die Pflanze sonst unerreichbare Nährstoffe und Wasser aus dem Boden. Die Pflanze liefert im Gegenzug die nötige Energie in Form von Zucker. – die Ernährung beider Organismen wird optimiert. Dieses ausgeklügelte Zusammenspiel ermöglicht das dauerhafte Überleben unseres Waldes!

Bestimmen und Sammeln

Das Bestimmen der Pilze anhand der Fruchtkörper erfolgt durch ihre unterschiedliche Gestalt, Grösse und Beschaffenheit. Bekannte Formen von Pilzen sind solche, die in Hut und Stiel gegliedert sind. Unterschiede in dieser Form sind zum Beispiel in der Beschaffenheit der Unterseite des Hutes festzustellen, welche entweder Röhren, Lamellen (Blätter), Leisten oder Poren aufweisen kann. Diese Merkmale führen zur Einteilung in beispielsweise Röhrlinge, Blätterpilze, Leistlinge oder Porlinge. Weitere Bestimmungsmerkmale sind Stiel, Hutoberfläche, Farbe, Hutrand, Verhalten bei Verletzungen, Beschaffenheit sowie Geschmack/Geruch des Fleisches usw.

© H. Krisp [CC-BY-SA-3.0], via wikimedia
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Die beiden oben gezeigten Bilder sehen sich fast zum Verwechseln ähnlich und man könnte meinen, dass es sich um den gleichen Pilz handelt. Doch dies wäre ein fataler Fehler. Viele unserer heimischen Speisepilze haben einen giftigen Doppelgänger, dessen Verzehr zu Vergiftungen und in manchen Fällen auch zum Tod führen kann. Im oberen Bild ist der echte Pfifferling (Cantharellus cibarius) zu sehen, im unteren der giftige Falsche Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca). Da sich verschiede Arten oft sehr ähnlich sehen, ist Vorsicht geboten beim Pflücken. Oft hilft der Rat eines Pilzexperten oder eine Prüfung durch eine Pilzkontrolle.

Eine Liste von Pilzkontrollstellen finden Sie hier.

Für das genaue Bestimmen ist es unerlässlich, ALLE Merkmale genauestens zu betrachten. Weiter hilft auch die Begleitvegetation, die geografische Lage (Flachland, Bergwald, oberhalb Baumgrenze und die Art und Weise, wie die Pilzart anzutreffen ist: einzeln, gesellig, büschelig, in Ringen, an lebendem oder totem Holz, auf Erdboden oder anderer Substanz. Weitere Infos zur Bestimmung und Bestimmungsschlüssel finden Sie hier. Eine Liste der Schweizer Speisepilze, welche Untersorten es gibt und was bei einigen zu beachten ist, finden Sie hier.

Die meisten Pilze gibt es zwischen Mai und Ende Oktober, als Hochsaison gelten September und Oktober, wobei beispielsweise Morcheln schon im April zu finden sind. Dieses Jahr liessen die Hitze und der Regen die Pilze etwas früher spriessen. Vor allem bei feucht-warmem Wetter kommt es zu einem Wachstumsschub vieler Speisepilze. Damit man die die kleinen Versteckkünstler auch findet, gilt:

„Unter Birken, Tannen, Buchen
kannst du immer Pilze suchen,
unter Eschen, Erlen, Linden
wirst du nicht sehr viele finden.“

Beim Pilzsammeln gibt es einiges zu beachten. @ cocoparisienne [CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com
Beim Pilzsammeln gibt es einiges zu beachten. @ cocoparisienne
[CC-BY-SA-2.0], via pixabay.com

Tipps zum Sammeln:

  • Die Menge und der Zeitraum, in dem gesammelt werden darf, muss eingehalten werden. Werden zu viele Pilze gepflückt schadet es dem ganzen Waldökosystem. Die kantonalen Pilzssammelregeln können hier nachgesehen werden.
  • Wahl des Sammelbehälters: Am besten ist ein flacher Korb, sodass die Pilze nebeneinander gelagert werden können. Erfahrene Pilzsammler benutzen unterschiedlich grosse Behälter, damit auch kleine und zerbrechliche Pilze unbeschadet transportiert werden können.
  • Ernte: Achten Sie darauf, den ganzen Fruchtkörper mitzunehmen! Unvollständige Fruchtkörper können zu schwerwiegenden Fehlbestimmungen führen.
  • Erde und Grasreste sollten mit dem Messer abgeschabt werden.
  • Angefaulte, alte oder zerfressene Exemplare sollten Sie stehen lassen und nicht mitnehmen, damit diese ihre wichtige Aufgabe als Sporenverbreiter erfüllen können.
  • Transportieren Sie giftige oder unbekannte Arten getrennt von Speisepilzen – schon kleine Stücke eines Giftpilzes können zu Vergiftungen führen!
  • Nutzen Sie alle Ihrer Sinne: Behutsames Schnuppern ergibt die besten Resultate; ihre Nase kann sogar trainiert werden! Mit der Zunge können Sie feststellen, ob ein Pilz scharf oder mild ist. Aber Vorsicht! Unbedingt Kostproben wieder ausspucken – Auch Speisepilze können roh giftig sein.
  • Ein verantwortungsvoller Umgang mit den „Früchten des Waldes“ ist geboten. Seltene Arten sollten stehen gelassen werden.

Vergiftungen

Sehr gefährliche Pilzvergiftungen haben häufig eine lange Latenzzeit (Dauer bis zum Auftreten der ersten Vergiftungsymptome) von 4-24 Stunden, während sich weniger gefährliche Vergiftungen oft früher (nach 1/4 bis 4 Stunden) zeigen. Auch Speisepilze können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen, wenn sie in zu grossen Mengen oder roh gegessen werden. Pilze sind allgemein schwerverdauliche Lebensmittel, Pilzeiweisse werden schnell zersetzt und bei einzelnen Personen können Allergien auftreten.

 

(Erstveröffentlicht 2015)