Aquarium mit Zierfischen.
Nachhaltigkeit beim Zierfischhandel zu garantieren ist schwer. © visavietnam, via pixabay

Nachhaltigkeit im Zierfischhandel ist unkontrollierbar

  • Stefanie Wermelinger
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Zierfischhandel ohne Kontrolle: Der Bundesrat bekräftigt, dass er Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung von Nachhaltigkeitsbedingungen für sehr schwierig bis unmöglich hält. Mit diesem Missstand sind auch die Initianten des geplanten Grossaquariums «Ozeanium» in Basel konfrontiert.

Die Fondation Franz Weber begrüsst die Interpellation «Tierqual hinter Zierfischhandel» von Irène Kälin. Diese fragt unter anderem nach einem Importverbot für Wildfänge, welche aus nicht nachhaltiger Quelle stammen, sowie den dafür erforderlichen Massnahmen. In seiner Stellungnahme zur Interpellation Kälin betont der Bundesrat laut der Fondation Franz Weber nun: «Transparenz über die Herkunft und die Fangmethode angebotener Zierfische im Handel wäre wünschenswert. Die Kenntnisse über den Handel und die Fangmethoden weltweit sind jedoch noch sehr lückenhaft».

Meeresbiologin Monica Biondo, wissenschaftliche Expertin für Korallenfische, hat den Schweizer Zierfischhandel in ihrer Doktorarbeit untersucht und bestätigt diese Einschätzung: «Die Handelskette ist enorm komplex. Die Fische werden in einer Region gefangen, und gelangen über zig Zwischenhändler mit diversen Transportmitteln – Boot, Auto, Flugzeug – in die Schweiz». Diesen Handelsbedingungen sind auch die «Ozeanium»-Initianten unterworfen. Zwar betonen die Befürworter des geplanten Grossaquariums in der Basler Innenstadt, auf die Expertise von langjährigen Lieferanten vertrauen zu können. Den Erweis für die nachhaltige Arbeitsweise dieser bisher nicht offengelegten Händler bleibt aber ausstehend. Monica Biondo, Expertin der Fondation Franz Weber, dazu: «Bis heute existiert keine internationale Überwachung des Handels. Sich auf Eigenaussagen und Selbstdeklarationen von Händlern zu berufen, um einen nachhaltigen Wildfang von Zierfischen zu ‚beweisen‘, ist irreführend und schlicht naiv».

Die Antwort des Bundesrats auf die Interpellation Kälin bestätigt diese Einschätzung im Bezug auf die Nachhaltigkeit. Der Bundesrat spricht sich im Moment gegen ein Importverbot von Wildfängen aus nicht nachhaltigen Quellen aus. Dies aus dem Grund, dass «Kontrollen zur Überprüfung der Einhaltung von Bedingungen im Ausland sehr schwierig bis unmöglich [wären]». Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber, dazu: «Wenn der Schweizer Staat den Erweis und die Kontrolle der Nachhaltigkeit im Zierfischhandel als unmöglich einschätzt, wie können die Ozeanium-Initianten Nachhaltigkeit versprechen? Ihre oftmals berufene ‚langjährige Erfahrung‘ ist eine reine Phrase und kann in keiner Weise als Beweis herhalten.»

2 Kommentare

  • Fargus

    Ja lieber Bundesrat, auch hier sollte man konsequent sein und nicht nur mit „hm ja, da sollte etwas getan werden“ kommentieren. Nur good will tuts eben auch nicht, wenn man dennoch denn illegalen/ schädlichen Fischhandel unterstützt, so ist man genauso Mittäter. Dasselbe gilt für den Zoo, der eine Garantie für Nachhaltigkeit gibt, wo keine Garantie gegeben kann: ehrlich, hört auf alles schön zu reden. Das ist peinlich.

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  • Habegger Marie-Louise

    Würde ein Import von Zierfischen von nur noch wenigen Fangstellen erlaubt, wäre eine Kontrolle wohl eher möglich.
    Das Ozenaium, so „nett“ die Gedanken an Menschen, die sich die Fische auch in der Schweiz ansehen können sollten, dürfte meines Erachtens die Bewilligung nicht erhalten.
    Stellen Sie sich mal vie, wie es wäre, wenn da plötzlich jenad käme und Sie gefangen nähme, in ein fremdes, weit entferntes Land bringen und dort eisperren würde, nur damit Fische Sie dort anschauen könnten!!!???

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