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Schwarzdorn - Prunus spinosa

Wildbeeren und Sträucher

  • Redaktion Naturschutz

Wildsträucher sind nicht nur schön anzusehen und ökologisch wichtig, sondern auch für uns Menschen von Nutzen. Erfahren Sie mehr über unsere einheimischen Wildsträucher und wie auch Sie von deren Beerenpracht profitieren können.

Während es in früheren Zeiten zum Alltag gehörte, die wild wachsenden Pflanzen im Garten, Wald und an Wegrändern als Nahrungsmittel zu nutzen, sind heute nur noch sehr wenige Verarbeitungsformen von Wildbeeren und -pflanzen in Erinnerung geblieben. Die weit verbreiteten Mythen „Vogelbeeren sind giftig“ und „Auf wilden Beeren lauert der Fuchsbandwurm“ halten sich hartnäckig. Dies obwohl Vogelbeeren lediglich roh aufgrund des hohen Gehalts an Parasorbinsäure abführend wirken können – gekocht sind sie als Konfitüre, Mus, Tee oder Schnaps geniessbar und weisen einen hohen Anteil an Vitamin C und Provitamin A auf. Ebenso ist das Risiko beim Essen von Wildbeeren mit dem Fuchsbandwurm angesteckt zu werden, nicht höher als beim Verzehr von landwirtschaftlich angebauten Produkten.

Ökologischer Wert

Wertvolle Hecken aus Wildbeerensträuchern sind vielfältige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Für viele stellen diese ideale Fortpflanzungs- und Überwinterungsmöglichkeiten dar. Von den Holunderbeeren ernähren sich 62 Vogelarten, vom Schwarzdorn beispielsweise 20 Vogelarten und über 200 verschiedene Insekten. Insekten sind wiederum Nahrungsgrundlage für viele Vögel, Fledermäuse, Spitzmäuse und räuberische Insekten. Greifvögel benutzen Einzelbäume in Hecken als Sitzwarte, von wo aus sie ihre Beuteflüge starten. Einige Vogelarten haben sich speziell auf Hecken spezialisiert: der selten gewordene Neuntöter zum Beispiel nutzt Dornensträucher, um Insekten aufzuspiessen. Auch landwirtschaftliche Nützlinge leben in einheimischen Sträuchern – mit deren Pflanzung können Sie sich die Nützlinge in den Garten holen.

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© Rudolf Schäfer [CC-BY-SA-2.0], via flickr
Einige Wildfruchtarten erfreuen das Auge bis in den Winter durch ihre Herbstfärbung in flammenden Farben, wie zum Beispiel die Vogelbeere (Bild).

Kulinarischer Wert

Wilde Beeren sind zwar kleiner, dafür aber schmackhafter als die gezüchteten, in Läden angebotenen Beeren. Gleichzeitig vitamin- und mineralstoffreich sowie kalorienarm, stimulieren sie durch ihren hohen Gehalt an Ballaststoffen die Darmtätigkeit. Nebst gutem Geschmack bergen Wildbeeren höhere Konzentrationen an wertvollen und gesunden Inhaltsstoffen (Eiweisse, Vitamine, Mineralstoffe und Bitterstoffe) und eine grosse Menge an Stoffen, die in der Pflanzenheilkunde bekannt sind.

Tipps zum Sammeln

  • Sammeln Sie in ihrem Interesse nur an unbelasteten Standorten: Meiden Sie Standorte, wo eine Verschmutzung (Hunde, Weiden, Strassenränder, gedüngte/gespritzte Flächen) nicht ausgeschlossen werden kann.
  • Immer nur so viel sammeln, wie tatsächlich gebraucht wird oder wie verarbeitet werden kann.
  • In Naturschutz- und Pflanzenschutzgebieten und von geschützten Pflanzen darf nicht gesammelt werden.
  • Beachten Sie, dass Wildbeeren auch anderen Lebewesen als Nahrung dienen: Niemals einen ganzen Strauch auf einmal leer sammeln.
  • Das Sammeln von Wildbeeren und -pflanzen ist in der Schweiz für private Zwecke erlaubt. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, keine landwirtschaftlichen Kulturen zu schädigen.

Verwechslungen

Um Verwechslungen mit ähnlichen, zum Teil hoch giftigen Arten zu vermeiden, ist eine sichere Bestimmung vonnöten. Es empfiehlt sich, ein Bestimmungsbuch mit Infos zu Merkmalen und Verwechslungsgefahren  auszuleihen oder zu kaufen. Im Buch „Essbare Wildkräuter und Wildbeeren für unterwegs“ von Rudi Beisser sind zu jeder essbaren Pflanze giftige Doppelgänger aufgeführt. Es eignen sich auch Bestimmungs-Apps (z.B. Flora Helvetica App).

Beispiele

Kornelkirsche/Tierlibaum – Cornus mas: essbar, gelbe Blüten, Vogelnahrung, Wildfutter, grosses Ausschlagvermögen, wertvolles Holz

Weissdorn – Crataegus laevigata/monogyna: essbar, Brutgehölz, Insekten- und Vogelnahrung, Blattaustrieb vor Blüte

Traubenkirsche – Prunus padus: essbar, Bienenweide, Vogelnahrung, am Blattstiel zwei Drüsen, starker Stockausschlag

Schwarzdorn – Prunus spinosa: essbar nach Frost, Raupennahrung, nektarreiche Blüten, Brutgehölz, blüht vor Blattaustrieb

Heckenrose – Rosa canina: essbar, Bienenweide, wichtige Vogelnahrung, gibt zahlreiche Unterarten

Schwarzer Holunder – Sambucus nigra: gekocht essbar, Blüten (Tee, Sirup) und Beeren (Sirup, Marmelade), pollenreiche Blüten, Vogelnahrung

Roter/Trauben-Holunder – Sambucus racemosa: Saft geniessbar, Kerne giftig, Vogelnahrung, pollenreiche Blüten

Mehlbeere – Sorbus aria: nach Frost essbar, Blattunterseite weissfilzig, Bienenweide, Vogelnahrung

Vogelbeere/Eberesche – Sorbus aucuparia: gekocht essbar, Bienenweide, Vogelnahrung

Elsbeere – Sorbus torminalis: geniessbar, gesuchtes Nutzholz