Während die andauernde Trockenheit und Hitze Buchen und Fichten unter Druck setzen, braucht der Wald dringend mehr Weisstannen, Eichen und Ahorne. Grossraubtiere können dabei eine wichtige ökologische Funktion übernehmen. Die Gruppe Wolf Schweiz fordert, dass die Kantone die ökologische Funktion der Grossraubtiere besser berücksichtige.
Die erste Hälfte des Sommers 2026 zählt zu den trockensten, die je gemessen wurden. Das bekommt auch der Schweizer Wald deutlich zu spüren. Vielerorts sterben Buchen ab, der häufigste Laubbaum der Schweiz. Bei der Fichte, der häufigsten Baumart in der Schweiz, werden die Folgen in den kommenden Jahren sichtbar werden. Da sich die Häufigkeit von Trockenperioden durch den Klimawandel nur erhöhen dürfte, steht der Schweizer Wald gezwungenermassen vor einem Umbau.
Für einen klimaangepassten Wald braucht es Baumarten wie Weisstanne, Eiche und Ahorn. Sie sind gegenüber Hitze und Trockenheit toleranter als die heute dominierenden Baumarten. Gleichzeitig haben diese Baumarten einen entscheidenden Nachteil: Sie werden von Rehe, Hirsche und Gämsen (Schalenwild) besonders stark verbissen, viel stärker als Buchen und Fichten.
Hohe Schalenwilddichten behindern den natürlichen Waldumbau
Wo Schalenwild die jungen Weisstannen, Eichen und Ahorne immer wieder abfrisst, können diese nicht aufkommen. Der Waldumbau wird dadurch massiv erschwert oder überhaupt verhindert. Vielerorts muss der Mensch deshalb mit Zäunen und Einzelschutz nachhelfen. Hier können Wolf und Luchs einen wichtigen Beitrag leisten.
Beide Grossraubtierarten ernähren sich von Rehen, Hirschen und Gämsen und beeinflussen deren Bestände und Verhalten. Dadurch können sie den Verbissdruck auf die Waldverjüngung reduzieren. Der Effekt ersetzt weder eine angepasste Jagd noch die notwendige Waldpflege – er ist aber eine natürliche zusätzliche Regulierung, von der der Wald profitieren kann.
Gerade angesichts des Klimawandels sollte deshalb die ökologische Rolle der Grossraubtiere stärker berücksichtigt werden. Bund und Kantone müssen diese ökologische Rolle umgehend in ihren Regulierungsabsichten und -bewilligungen berücksichtigen, so wie es auch das Jagdgesetz vorsieht. Es ist widersinnig, einerseits erhebliche Mittel in den Waldumbau zu investieren und andererseits natürliche Prozesse zu schwächen, die diesen Umbau unterstützen können.
Das Wild frisst jene Baumarten, die wir für die Zukunft benötigen, WSL News, 2023
Das Jahr 2026 ist eine Zäsur für unseren Wald, Universität Basel News, 2026
Medienmitteilung Gruppe Wolf Schweiz
