Beim Mercosur-Freihandelsabkommen zeichnet sich ein Kompromiss ab – allerdings ohne verbindlichen Schutz vor Entwaldung. Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats lehnt entsprechende Vorgaben ab. Für den WWF ist klar: Ohne wirksame Umweltstandards droht das Abkommen an der Urne auf Widerstand zu stossen.
Das Mercosur-Abkommen steht zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Anspruch an einen nachhaltigen Handel. Für die Schweiz ist der Zugang zu den südamerikanischen Märkten insbesondere in geopolitisch unsicheren Zeiten von Bedeutung. Gleichzeitig birgt der Handel mit der Region erhebliche Risiken für die Wälder und damit für Klima und Biodiversität.
Verankerung der Entwaldungsverordnung abgelehnt
Im Juni hatte der Nationalrat das Abkommen abgelehnt. Ausschlaggebend waren zusätzliche Forderungen, darunter die Verankerung der Entwaldungsverordnung im Abkommen sowie höhere Unterstützungsgelder für die Landwirtschaft. Um einen Kompromiss zu finden, befasste sich anschliessend die Aussenpolitische Kommission des Ständerats mit der Vorlage. Bei den zusätzlichen Mitteln für die Landwirtschaft konnte eine Einigung erzielt werden. Strengere und verbindliche Massnahmen zum Schutz vor Entwaldung wurde dagegen abgelehnt.
Der WWF bedauert diesen Entscheid der ständerätlichen Kommission. Sie verpasst damit die Chance, die mit den Handelsströmen nach Südamerika verbundenen Entwaldungsrisiken verbindlich zu adressieren.
Das Mercosur-Abkommen ist für die Schweizer Wirtschaft wichtig – gerade in geopolitisch angespannten Zeiten und mit Blick auf Südamerika als Markt der Zukunft. Gleichzeitig ist die Region ein globaler Entwaldungshotspot: Allein in Brasilien gingen 2025 rund eine Million Hektar Vegetation verloren – etwa ein Viertel der Fläche der Schweiz. Ökosysteme wie der Amazonas und der Cerrado sind jedoch absolut zentral für den globalen Klima- und Biodiversitätsschutz und stehen durch den internationalen Handel massiv unter Druck.
Mercosur braucht wirksame Umweltstandards
Für den WWF ist klar: Die bisherigen Bestimmungen des Abkommens reichen nicht aus, um entwaldungsfreie Lieferketten zu garantieren. Erst verbindliche Massnahmen schaffen die nötige Sicherheit. Mit der EU-Entwaldungsverordnung liegt dafür eine wirksame Lösung auf der Hand, so wie dies die Mehrheit der Nationalratskommission vorgeschlagen hatte. Ihre Übernahme wäre die ideale Begleitmassnahme zum Mercosur-Abkommen – und würde verhindern, dass die Schweiz zum Absatzmarkt für Produkte aus frisch abgeholzten Flächen wird. Sie hätte jene Rückverfolgbarkeits- und Sorgfaltspflichten eingeführt, die im Abkommen selbst fehlen. Diesen Weg gehen die EU-Staaten bereits. Und Schweizer Unternehmen, die in die EU exportieren, müssen die Vorgaben ab Inkrafttreten per Ende 2026 sowieso erfüllen, unabhängig von der rechtlichen Lage in der Schweiz. Auch aus diesem Grund bemühten sich Schweizer Unternehmen wie Nestlé, SIG und Barry Callebaut darum, entsprechende Bestimmungen in der Schweiz umzusetzen, um gleiche Voraussetzungen für alle Marktteilnehmer zu schaffen.
Die Nachbefragung zur Volksabstimmung über das Indonesien-Abkommen hat zudem deutlich gemacht, dass der Schutz des Regenwalds für die Schweizer Stimmbevölkerung ein zentrales Anliegen ist. Wer das Mercosur-Abkommen mehrheitsfähig machen will, muss verbindliche Natur- und Umweltschutzstandards verankern.
Es liegt nun am Ständerat, die Vorlage entsprechend zu verbessern und mehrheitsfähig zu gestalten.
