Gegen Ende des Sommers fällt im Garten ein grosses dunkles Insekt auf: ein Grillenjäger. Für Heuschrecken ist er eine tödliche Gefahr.
Text und Fotos von Beatrix Mühlethaler, Bloggerin «Hotspot Naturgarten»

Auf Beutesuche ist der Stahlblaue Grillenjäger äusserst erfolgreich. In kurzen Abständen findet und greift er sich kleine Heuschrecken und trägt sie in offene Röhrchen ein. Im Inneren der Hohlräume dienen die Heuschrecken seinen Larven als Nahrung, sobald diese aus dem Ei geschlüpft sind. Die grosse auffällige Grabwespenart stammt nicht von hier. Sie ist gemäss Wikipedia im letzten Jahrhundert aus Nordamerika nach Südfrankreich eingeschleppt worden und breitet sich von dort immer weiter in Europa aus. Bei der Wahl der Höhlen ist der Grillenjäger nicht wählerisch. Er besiedelt auch Nisthilfen oder Hohlräume am Haus und füllt fleissig Röhre um Röhre.
Wo er seine Nachkommen zieht, fällt sofort auf. Denn er nutzt zum Verschliessen der Röhren welkes Gras, das dann als Büschel aus dem Loch herausragt.
Solch ein Büschel entdeckte ich an einem Gartenstuhl auf dem Balkon. Und auch die Wespe zeigte sich bald wieder: Mit einer Beute in den Fängen umschwirrte sie den zweiten Gartenstuhl auf der Suche nach einem weiteren Hohlraum.
Ob ich das Insekt bei der Suche nach der Brutrohre störte oder ob es durch etwas anderes abgelenkt war, muss offenbleiben. Jedenfalls fand es das noch freie weitere Loch nicht, liess nach einiger Zeit die Heuschrecke fallen und flog weg. Auf dem Boden lagen schon zwei andere tote Beutetiere.
In unseren Breitengraden sind es oft die feinen hellgrünen Eichenschrecken, die dem Grillenjäger zum Opfer fallen. Bei uns leben zwei Arten: die gemeine und die südliche, die sich vom Süden her über die Alpen auch bei uns ausbreitet. Diese Heuschrecken gehen selbst des Nachts auf Beutejagd und verstecken sich tagsüber im Laub. Während sie uns dadurch wenig auffallen, scheint die Grabwespe keine Mühe zu haben, sie zu finden.
Der Stuhl mit seinen zwei Löchern in den hohlen Aluminiumgestellen war übrigens schon im Frühsommer Anziehungspunkt: Die Mauerbiene Osmia bicornis wählte eine der Röhren für ihre Brut.
Die Biene flog fleissig ein, um genügend Nahrung für ihre Nachkommen einzutragen. Sie tat dies auch, wenn ich auf dem Stuhl sass. Nur durfte ich diesen nicht verschieben oder anders hinstellen. Sonst hatte sie Mühe, das gewählte Loch wiederzufinden.
