In der Schweiz landen jedes Jahr rund 90 Kilogramm essbare Lebensmittel pro Person im Abfall. Das entspricht etwa 620 Franken pro Haushalt und verursacht erhebliche Umweltbelastungen. Dabei wäre ein grosser Teil dieser Verluste vermeidbar. Mit dem neuen Leitfaden zur Reduktion von Food Waste in Haushalten präsentiert Agroscope ein praktisches Werkzeug, das hilft, Lebensmittelverschwendung nachhaltig zu reduzieren.
Lebensmittelverschwendung belastet Umwelt, Klima und Geldbeutel. Vieles, was wir wegwerfen, wäre noch geniessbar. Forschende von Agroscope haben zusammen mit Schweizer Haushalten einen praktischen Leitfaden zur Reduktion von Food Waste entwickelt. Er zeigt, wie sich mit kleinen Anpassungen im Alltag grosse Wirkung erzielen lässt.
Vom Forschungsprojekt zum alltagstauglichen Leitfaden
Der neue Leitfaden entstand im Rahmen des partizipativen Projekts «Gerettet statt weggeworfen – Gemeinsam gegen Food Waste», das Agroscope zusammen mit dem Schweizerischen Agrarmuseum Burgrain durchführte. Unterstützt wurde das Projekt von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW).
Im Rahmen des Projekts dokumentierten 47 Haushalte in der ganzen Schweiz über zwei Zeiträume hinweg, welche Lebensmittel sie wegwarfen. Eine Teilgruppe erhielt zusätzlich ein individuelles Handout mit Tipps zur Vermeidung von Abfällen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Beide Gruppen reduzierten ihre Food-Waste-Menge, jene mit Handout sogar um 36 Prozent.
In einem Workshop wurden die Ergebnisse gemeinsam ausgewertet und diskutiert. Die Teilnehmenden brachten ihre Ideen direkt ein und halfen mit, den Leitfaden weiterzuentwickeln. So entstand ein praxisnahes Instrument, das wissenschaftliche Erkenntnisse mit erprobten Alltagstipps verbindet.
Fünf zentrale Empfehlungen aus dem neuen Leitfaden
Der neue Leitfaden von Agroscope bündelt zahlreiche konkrete und einfach umsetzbare Tipps aus dem Alltag. Hier einige wichtige Ansätze:
- Planung statt Spontaneinkäufe
Eine durchdachte Menüplanung reduziert spontane Einkäufe und hilft, vorhandene Vorräte zu nutzen. Der Leitfaden empfiehlt, ein bis zwei «Restetage» pro Woche einzuplanen, an denen übrig gebliebene Zutaten kreativ verwertet werden. Digitale Tools zur Rezeptsuche mit den noch vorhandenen Zutaten können dabei eine gute Hilfe sein. - Bewusst einkaufen
Vor dem Einkaufen lohnt sich ein Blick in den Kühlschrank und Vorratsschrank. Eine Einkaufsliste hilft zusätzlich, unnötige Fehl- und Doppelkäufe und somit Abfall zu vermeiden. Bei Aktionen sollte man nur zugreifen, wenn das Produkt wirklich gebraucht wird. Zudem sollte nicht hungrig eingekauft werden, denn wer hungrig ist, greift schneller zu mehr, als tatsächlich nötig wäre. - Richtig lagern
Viele Produkte verderben, weil sie falsch gelagert werden. Der Leitfaden erklärt, wo welche Lebensmittel am besten aufgehoben sind:
Fleisch und Fisch gehören ins kälteste Fach, also ins unterste Fach des Kühlschranks, Milchprodukte und pflanzliche Alternativen in die Mitte, Käse und Reste nach oben. In die Gemüseschublade kommen nur kühlbedürftige Früchte und Gemüse. Exotische Früchte wie Mangos oder Bananen werden am besten bei Zimmertemperatur gelagert. Getränke, Saucen, offene Milch oder pflanzliche Alternativen, Butter, Eier und Tuben finden ihren Platz in der Kühlschranktüre.
Der Kühlschrank sollte auf maximal 5 °C eingestellt sein, denn bei höheren Temperaturen vermehren sich Keime schneller, was die Haltbarkeit der Lebensmittel verringert. Zudem ist es wichtig, Äpfel, Bananen und Tomaten getrennt von ethylenempfindlichen Sorten wie Kiwis, Karotten oder Gurken aufzubewahren. Ethylen ist ein Reifegas, das empfindliche Sorten schneller verderben lässt.
Tipp: Einen festen Platz im Kühlschrank für Produkte einrichten, die zuerst verarbeitet werden müssen. - Mindesthaltbarkeitsdatum heisst nicht «tödlich ab»
Viele Produkte sind weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus geniessbar. So können bei richtiger Lagerung beispielsweise rohe Eier und Gebäck fast eine Woche länger, UHT-Milch, Snacks oder Hartkäse bis zu einem Monat länger konsumiert werden. Teigwaren, Reis oder Kaffee sind sogar bis zu einem Jahr länger haltbar. Der Leitfaden betont, dass diese Werte vorsichtig eingeschätzt wurden, das heisst viele Produkte halten tatsächlich länger. Entscheidend ist, auf die eigenen Sinne zu vertrauen: sehen, riechen, probieren. Wer unsicher ist, findet auf foodwaste.ch Hinweise, wie man erkennt, ob Lebensmittel noch geniessbar sind.
Wenn das Ablaufdatum naht, können abgepackte Lebensmittel wie Reibkäse, Fleisch, Fisch oder Fertigprodukte mit der Aufschrift «zu verbrauchen bis» eingefroren werden. Somit sind sie bis zu 3 Monate länger haltbar. Wichtig dabei ist, die Lebensmittel vor Ablaufdatum einzufrieren. - Leaf to Root – alles verwerten, was essbar ist
Der Leitfaden betont das Prinzip «Leaf to Root»: Auch Blätter, Strünke und Schalen können oft gegessen werden und enthalten viele wichtige Vitamine, Ballaststoffe und Mineralstoffe. Rüstabfälle lassen sich etwa zu Bouillon verkochen, Broccolistrünke gewürfelt in verschiedenen Gerichten mitkochen, Radieschenblätter und Karottengrün in Pestos und Suppen verarbeiten oder Kürbiskerne rösten. Aus Gemüseresten lassen sich ganz leicht Gemüsewähen, Suppen oder Aufläufe zubereiten. So entsteht weniger Abfall, und es ergeben sich neue kulinarische Entdeckungen.
Auch welkes Gemüse muss nicht gleich im Abfall landen: In lauwarmem Wasser lässt sich beispielsweise Salat in nur 5–10 Minuten wieder auffrischen und wird dadurch erneut knackig. Kaltes Wasser wirkt ähnlich bei weichen oder schrumpeligen Rüebli und Radieschen. Diese einfach für einige Stunden im Kühlschrank darin einlegen.
Food Waste messen, um ihn zu vermeiden
Ein einfaches, aber wirksames Instrument ist das Food-Waste-Tagebuch: Wer eine Woche lang aufschreibt, was und warum etwas weggeworfen wird, erkennt eigene Muster und Ursachen und kann gezielt handeln. Wie die Agroscope-Studie zeigte, sensibilisiert bereits das Messen selbst. Es stärkt das Bewusstsein und führt automatisch zu einem sorgfältigeren Umgang mit Lebensmitteln.
Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung
Das Projekt «Gerettet statt weggeworfen» zeigt eindrücklich, dass Forschung und Alltagserfahrung sich ergänzen können. Die Kombination aus wissenschaftlicher Analyse und konkreten Haushaltstipps macht den neuen Leitfaden zu einem wertvollen Werkzeug für alle, die im Alltag nachhaltiger leben wollen.
Der Leitfaden zeigt, dass jede und jeder etwas gegen Food Waste tun kann. Es beginnt nicht erst nach dem Einkaufen: Von der besseren Lagerung über kreative Resteverwertung bis hin zur Nutzung von Plattformen wie Madame Frigo, Too Good To Go, Secend, Äss-Bar, Foodoo oder GoNina. Viele kleine Schritte ergeben zusammen eine grosse Wirkung.





Ja da muss viel gemacht werden, denn so viele Lebensmittel enfach wegwerfen, das geht gar nicht!!!
Am Samstag nach Ladenschluss dürfen bei unserem CooP-Laden die Lebensmittel, welche am Montag nicht mehr verkauft werden könnten, abholen und an «Tischlein Deck Dich» Kunden und an einen Madame Frigo Kasten verteilen. Aus den Esswaren würde sonst Biogas gemacht, aber das kann auch aus «Strassenrand- Gras» gemacht werden.
Wir ernten mit unsere Aktion Freude und Dankbarkeit und das freut auch uns.