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Nachhaltige Fasnacht: Feiern ohne ökologischen Kater

Eine umweltfreundliche Fasnacht ist kein Verzicht, sondern eine kreative Herausforderung. Mit bewussten Entscheidungen bei Kostüm, Schminke und Dekoration können Sie ausgelassen feiern, ohne der Umwelt zu schaden. Wir zeigen Alternativen für eine nachhaltige fünfte Jahreszeit.

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht – dieser Grundsatz gilt besonders in der ausgelassenen Fasnachtszeit. Während in den Hochburgen tausend Tonnen Müll anfallen, beweist ein wachsendes Umweltbewusstsein, dass Feiern und Nachhaltigkeit sich nicht ausschliessen. Vom selbstgeschneiderten Kostüm bis zur plastikfreien Dekoration eröffnen kreative Lösungen einen Weg zu einem Fest, das (fast) keine ökologischen Spuren hinterlässt.

Die messbaren Spuren der Freude

Die Fasnacht hinterlässt jedes Jahr gewichtige Spuren. Die Abfallzahlen sind beeindruckend und zeigen die Dimension der Herausforderung. Beispielsweise während der dreitägigen Basler Fasnacht 2025 sammelte die Stadtreinigung insgesamt etwa 360 Tonnen Abfall ein. Zum Vergleich: Die Street Parade in Zürich, die oft für ihre Müllmengen kritisiert wird, produzierte 2024 etwa 90 Tonnen Abfall. 

Diese Mengen setzen sich nicht nur aus Konfetti (oder «Räppli»), Plastikbechern, Dosen und Alkoholflaschen zusammen. Auch weggeworfene Lebensmittel gehören dazu. Von nicht fertig gegessenen Würsten und Broten bis hin zu dem Verteilen von Früchten und Gemüsen von den «Waggis»: ein traditioneller, aber problematischer Teil dieses Abfallbergs und ein ernstzunehmender Beitrag zum Food Waste.

Die Fasnachtsfeste stellen somit eine besondere logistische und ökologische Herausforderung dar, die auch in der Tagesbetrachtung die Abfallmengen anderer Grossevents entspricht oder sogar übertrifft. Und nicht zu vergessen: Auch traditionsreiche Feste wie die Fasnacht stehen in der Pflicht, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Kein Pfandsystem an deiner Fasnacht? So kannst du aktiv werden!

Mit Blick auf diese Abfallmengen wird die Forderung nach nachhaltigeren Systemen laut. Während viele Musikfestivals längst auf Mehrwegbecher mit Pfand setzen, ist dies an der Fasnacht noch die Ausnahme. In Luzern etwa hielt der Stadtrat im Jahr 2025 ein solches System für nicht praktikabel.

Doch genau hier können Bürger*innen aktiv werden und Veränderung einfordern:

  • Verantwortliche kontaktieren: Schreibe eine E-Mail oder einen Brief an das für Abfall oder Veranstaltungen zuständige Departement deiner Stadt (z.B. Tiefbau- oder Umweltdepartement). Frage konkret nach, warum es kein Pfandsystem gibt und ob Pilotprojekte geplant sind.
  • Sammle Unterstützung: Teile dein Anliegen in lokalen Social-Media-Gruppen, Fasnachtsvereinen oder im Freundes- und Bekanntenkreis. Gemeinsame Forderungen haben mehr Gewicht.
  • Starte eine Petition: Auf Plattformen wie petitionen.bund.ch oder change.org kannst du eine öffentliche Petition starten, um den politischen Druck zu erhöhen und das Thema auf die Agenda zu setzen.

Das Wichtigste: Das Kostüm! Nachhaltig verkleiden

Fasnachtskostüme aus dem Detailhändler bestehen meist aus billigen Kunststoffen, enthalten oft Schadstoffe und landen nach einmaligem Tragen im Müll. Nachhaltige Alternativen sind langlebiger, individueller und schonen Ressourcen.

Inspiration in den eigenen vier Wänden finden
Bevor du etwas Neues kaufst, lohnt der Blick in den eigenen Kleiderschrank, zu den Grosseltern oder auf den Flohmarkt. Ein altes Samtkleid, ein Hemd, eine Hose oder ein Hut können die perfekte Basis für ein einzigartiges Kostüm bilden. Mit etwas Kreativität und einfachen Näharbeiten entsteht durch Upcycling aus vergessenen Stücken ein neues Highlight.

Teilen, tauschen oder ausleihen
Organisiere einen Kostüm-Tauschabend mit Freunden oder erkunde lokale Secondhand-Läden. Noch einfacher: Leihe dein Fasnachtskostüm in einem speziellen Leihladen aus. So erhält ein Outfit viele Leben, und du sparst Ressourcen und Geld.

Accessoires mit Bedacht wählen
Verzichte auf Plastikschwerter, -perücken und billigen Schmuck. Perücken verlieren oft Mikrofasern, die in der Umwelt landen. Bastle stattdessen Accessoires aus Holz, Karton, Zeitungen, Stoffresten oder Naturmaterialien. Sie sind oft charmanter und machen dein Kostüm unverwechselbar.

Haut und Umwelt schützen: Natürliche Schminke und Glitzer

Die Haut ist unser grösstes Organ. Herkömmliche Karnevalsschminke kann jedoch hormonell wirksame Stoffe (Parabene), künstlich hergestellte Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe, Mikroplastik oder langlebige PFAS («Ewigkeitschemikalien») enthalten.

Sichere Alternativen nutzen
Setze auf zertifizierte Naturkosmetik mit Siegeln wie NaTrue, Ecocert oder BDIH. Diese ist frei von synthetischen Konservierungsstoffen, Mineralölen und Silikonen. Eine hautfreundliche und einfache Alternative sind Aquafarben, die sich mit Wasser leicht entfernen lassen. Prüfe herkömmliche Produkte vor dem Kauf mit Apps wie Codecheck, Kuka oder ToxFox.

Glitzer mit Verantwortung
Herkömmlicher Glitzer ist reines Mikroplastik. Zwar ist loser Plastikglitzer beispielsweise seit 2023 in der EU verboten, in Kosmetika ist er jedoch noch übergangsweise erlaubt. Greife zu biologisch abbaubaren Alternativen auf pflanzlicher Basis, etwa aus Zellulose. Noch nachhaltiger ist der komplette Verzicht oder der Einsatz von essbarem, goldgepressten Blattmetall für besondere Highlights.

Festtagsstimmung ohne Plastik: Dekoration und Konfetti

Was wäre Fasnacht ohne bunte Dekoration? Doch auch hier steckt oft Plastik drin, das lange in der Umwelt bleibt.

Plastikfreier Konfetti-Regen
Herkömmliches Konfetti besteht aus metallbedampftem oder lackiertem Kunststoff (PVC/PET). Die umweltfreundliche Wahl ist Konfetti aus Papier. Kaufe explizit Papierkonfetti oder stelle es selbst her: Mit einem Locher entsteht aus altem Geschenkpapier, Zeitungen oder getrockneten Herbstblättern einzigartiges Upcycling-Konfetti. Aber Vorsicht: Geschenkpapier ist oft mit einer dünnen Plastikschicht oder Lack überzogen und eignet sich nicht. Besser sind unbedruckte Recycling-Blätter oder Zeitungspapier.

Das selber Lochen oder Ausstanzen von Konfetti eignet sich weniger, um grosse Mengen herzustellen. Dafür ist es ein tolles Erlebnis mit Kindern: Gemeinsam eine Handvoll spezielles Natur-Konfetti aus getrockneten Blättern zu stanzeln, lehrt spielerisch Umweltbewusstsein. Zum Beispiel dass man nicht alles kaufen muss, dass vieles nur einmal verwendet wird und zu Abfall wird oder dass (Mikro)Plastik ein Problem ist, der die Umwelt belastet.

Dekoration wiederverwenden
Investiere in wenige, qualitative Dekorationsartikel aus natürlichen Materialien wie Holz, Stoff oder Papier, die du jedes Jahr wieder verwenden kannst. Vermeide Einweg-Deko aus Plastikfolie oder beschichtetem Karton.

Geniessen ohne Müllberge: Verpflegung und Geschirr

Der Genuss für zwischendurch ist fester Fasnachtsbestandteil, produziert aber enorme Abfallmengen. Einwegartikel wie Plastikbecher und -teller sind grosse Abfallverursacher.

Die Tücke des Einwegbechers
Becher aus Karton sind innen fast immer mit einer dünnen Plastikfolie (oft Polyethylen) beschichtet, um sie wasserdicht zu machen. Oft enthält diese Beschichtung auch die gesundheitlich und ökologisch bedenklichen PFAS («Ewigkeitschemikalien»). Diese Verbundstoffe können kaum recycelt werden. Das gleiche gilt für viele Einweg-Essenscontainer aus Karton.

Praktische Lösungen für unterwegs und für die Party:

  • Unterwegs: Nutze deinen eigenen Mehrwegbecher und eine wiederbefüllbare Snackdose. Trotz bester Vorsätze kann Abfall anfallen. Das Recycling und die korrekte Trennung ist dann entscheidend, um die Wiederverwertung zu ermöglichen.
  • Hausparty: Nutze normales Geschirr oder kompostierbare Alternativen. Statt Plastikstrohhalmen sind Mehrweg-Varianten aus Edelstahl, Glas oder Bambus die beste Wahl.

Fazit

Eine nachhaltige Fasnacht ist keine Zauberei, sondern eine Frage der Vorbereitung und der kreativen Einstellung. Indem wir Kostüme aus dem Fundus wählen, auf natürliche Schminke setzen, plastikfrei dekorieren oder uns für systemische Lösungen wie Mehrwegpfand starkmachen, können wir die fünfte Jahreszeit in vollen Zügen geniessen und hinterher mit einem wirklich guten Gefühl abschminken. Und nicht vergessen: Der beste Abfall ist und bleibt der, der gar nicht erst entsteht.

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