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Spar-Tipps für die Weihnachtsbeleuchtung

Bald beginnt die Adventszeit, und vielerorts werden bereits die ersten Lichterketten und Weihnachtsdekorationen im Aussenbereich angebracht. Die jährliche Weihnachtsbeleuchtung erfreut viele Gemüter, kann aber auch Mensch und Umwelt schaden. Um die weihnachtlichen Lichtemissionen und Umweltbelastung zu minimieren, haben wir die sechs wichtigsten Tipps zusammengetragen. Gleichzeitig senken Sie mit diesen auch Ihre Energiekosten.

«Eine Lichterlandschaft, wo sich Rentier Rudolf und der Weihnachtsmann, umgeben von abertausenden kleinen, funkelnden Lichtpunkten begegnen» oder «romantisch leuchtende Schneeflocken-Lichterketten». Wer bei der Beleuchtungsorgie mitmachen will, findet unter den Anpreisungen von Beleuchtungsunternehmen genügend Inspiration. Das eigene Haus inklusive Garten in ein Lichtermeer zu verwandeln, war dank LED-Beleuchtung noch nie so einfach und günstig wie heute. Die ehemals dezenten und leisen Lichter wurden durch grelle und aufdringliche, manchmal sogar nervös blinkende Lichterketten und Leuchtrentiere ersetzt. Das belastet die Umwelt, Tiere und auch Menschen zunehmend.

Lichtverschmutzung und Stromverbrauch nimmt weltweit zu

Nach neusten Studien nimmt die Lichtverschmutzung nimmt weltweit jährlich um ungefähr 10 Prozent zu. In Europa sind es ungefähr 6,5 Prozent. Weltweit strahlt etwa ein Drittel des Lichtes der Strassenbeleuchtung unnötigerweise seitlich oder nach oben ab – und ist damit verschwendet. Weitere Quellen von unnütz abgestrahltem Licht sind Werbe-, Industrie- und Gebäudebeleuchtungen. Angesichts Inflation, der aktuellen Energielage und Stromspar-Appellen sind auch die massiven Kosten der Beleuchtungen ein Thema. Laut Berechnungen summieren sich diese europaweit auf knapp 20 Milliarden Schweizer Franken. Gleichzeitig könnten durch die Reduzierung der Lichtverschmutzung auch mehrere Hunderttausend Tonnen CO2 eingespart werden. In Anbetracht der Klimakrise ist es fragwürdig, weshalb Stromsparen, als doch relativ einfache Lösung, nicht stärker verfolgt wird.

LEDs sind im Vergleich zu Glühbirnen deutlich energieeffizienter und verbrauchen bis zu 90 % weniger Energie, was zu erheblichen Kosteneinsparungen führt. Eine 10-Watt-LED ersetzt eine 60-Watt-Glühbirne (ähnliche Helligkeit) und hält gleichzeitig viel länger, was zur Reduzierung des CO2-Fussabdrucks beiträgt. Der Umstieg auf energieeffiziente LED-Beleuchtung spart Strom, löst das Probem der Lichtverschmutzung aber auch nicht. Das liegt am sogenannten Rebound-Effekt: Zwar spart LED-Beleuchtung Strom, indem aber immer mehr Beleuchtung installiert wird, werden die Einsparungen wieder zunichte gemacht.

Etwa ein Zehntel des schweizerischen Stromverbrauchs entfällt auf Beleuchtung, wobei rund die Hälfte davon in privaten Haushalten anfällt. In der Weihnachtszeit steigt dieser Anteil deutlich an: Untersuchungen zeigen, dass der zusätzliche Verbrauch der Festbeleuchtung dem Jahresbedarf einer kleinen Stadt oder rund 25’000 Haushalten entspricht. Trotz der zunehmenden Nutzung von LED-Technik bleibt das Einsparpotenzial hoch, denn vielerorts kommen auch weiterhin veraltete und wenig effiziente Lichterketten zum Einsatz.

Besonders nachtaktive Tiere leiden

Unter der Lichtverschmutzung leidet aber nicht nur das Portemonnaie und das Klima, sondern auch die Natur. Insekten spüren die Folgen der Lichtverschmutzung besonders stark, denn die meisten von ihnen sind nachtaktiv. Sie sind die grösste und wichtigste Nahrungsquelle für andere Tierarten und gehören gleichzeitig zu den wichtigsten Pflanzen-Bestäubern. Ihr Verschwinden bringt also ganze Ökosysteme ins Schwanken und birgt auch für die Sicherstellung menschlicher Nahrung eine grosse Gefahr. Studien zeigen, dass in Sommermonaten in Deutschland jede Nacht ungefähr eine Milliarden Insekten zu Tode kommen und dies auch einen Einfluss auf das globale Insektensterben hat.

Auch auf weitere Tierarten wie Fledermäuse, aquatische Lebewesen, Pflanzen und Vögel hat eine 24-Stunden- und übermässige Beleuchtung starke negative Auswirkungen. Einerseits verschwinden Insekten als Nahrungsquelle, anderseits führt das übermässige Licht zu Rhythmusstörungen im Tag-Nacht-Verhalten. Der nachtaktive Waldkauz beispielsweise wird in seinem Biorhythmus gestört, wenn die Nacht zum Tag wird. Seine Augen sind zudem für die Nacht und damit nur für wenig Licht konstruiert – Kunstlicht blendet ihn und kann ihm die Orientierung rauben. Deshalb meidet er Gebiete mit zu vielen Lichtquellen, die für ihn eine Barriere darstellen.

Der Waldkauz reagiert mit seinen hypersensiblen Augen stark auf zu helles Licht. Bild: © via pixabay

Die Lösungen sind einfach

Besonders um die Weihnachtszeit nehmen die Lichtemissionen stark zu. Es gibt aber ein paar einfache Regeln, die insbesondere bei der Weihnachtsbeleuchtung beachtet werden können, um die Natur, Menschen und Tiere vor übermässigen Lichtemissionen zu schützen .

  1. Nur warme Lichtfarben: Studien zeigen, dass kaltes Licht mit viel Blauanteil Insekten stärker anzieht. Auch bei Menschen gilt weisses oder bläuliches Licht als blendend und wird greller wahrgenommen wie rötliches Licht. Deshalb sollten Lichterketten und andere Beleuchtungen nur gelbe, goldene oder orangene LED-Lichterketten beinhalten (weniger als 3000 Kelvin!).
  2. Weniger ist mehr: Nur weil die Weihnachtsbeleuchtung immer günstiger und ausgefallener wird, sollte nicht mehr davon gekauft werden. Denn die gewünschten Einsparungen (auch fürs Portemonnaie) werden so oft nichtig gemacht. Deshalb gilt: Weniger ist mehr. Am nachhaltigsten ist es zudem, bereits vorhandene LED-Beleuchtung weiterzuverwenden, statt neue Produkte anzuschaffen.
  3. Am Tag und nachts abschalten: Auch das Wohnzimmerlicht lässt man am Tag und über Nacht nicht an. Dasselbe gilt für Weihnachtsbeleuchtung. Wenn sie von niemandem bestaunt oder gebraucht wird, sollte sie auch nicht an sein. Das ist eine einfach und logische Energiesparmassnahme. Sobald Sie zu Bett gehen, sollten Sie also auch die Weihnachtsbeleuchtung ausstellen. Oder Sie installieren eine Zeitschaltung, dann geht es auch nicht vergessen. Es gibt auch Lichterketten, die schon über eine eingebaute Zeitschaltuhr verfügen – teilweise sogar kombiniert mit einem Dämmerungssensor.
  4. Nur während Adventszeit: Die Weihnachtszeit verlängert sich durch künstliche Beleuchtung immer mehr. Das sollte nicht sein, denn so verliert sie nicht nur Teil ihres Zaubers, sondern belastet die Natur noch länger durchs Jahr. Dabei gibt es eine einfache Regel: Die Adventszeit dauert vom 1. Dezember bis am 6. Januar – das ist die Zeit der Beleuchtung. Davor und danach sollte sie nicht mehr zu sehen sein.
  5. Keine blinkenden Lichter: Die heutige Welt ist übermässig mit Hektik ausgestattet. Deshalb braucht es keine zusätzlichen Blinklichter die nachtaktive Tiere oder auch Nachbarn stören. Die Regel heisst: Das Licht sollte niemanden und nichts stören oder beeinträchtigen. Je ruhiger und schwächer diese ist, desto weniger tut sie das.
  6. Falls Sie ein Neuanschaffung an Weihnachtsbeleuchtung planen, bedenken Sie doch bereits vor dem Kauf dessen Auswirkung auf die Umwelt und Natur. Denn die meisten Weihnachtsbeleuchtungen enthalten Weichmacher und Chlorparafine – manchmal in gesundheitsschädlichen Mengen. Zudem verursacht auch die Herstellung und spätere Entsorgung einen erhebliche Belastung für Mensch und Umwelt. Fragen Sie sich also, ob Sie die Beleuchtung wirklich brauchen? Würde es auch eine einfache Kerze oder ein schöner Kranz tun? Oder ist die alte LED-Beleuchtung trotzdem noch einige Jahre einsatzbereit?

Zusatz-Tipp: Sprechen Sie Ihre Nachbarn an. Wenn die Beleuchtung in der Nachbarschaft sehr hell ist und Sie sich dadurch gestört fühlen, kann ein respektvolles, ruhiges Gespräch oft Wunder wirken. Weisen Sie freundlich darauf hin, dass die Lichter vielleicht zu grell sind oder Ihren Schlaf beeinflussen. Viele Menschen wissen gar nicht, welche Auswirkungen starke Beleuchtung auf Mensch und Umwelt haben kann. Teilen Sie bei Bedarf Informationen zur Lichtverschmutzung – oder zeigen Sie Ihrem Nachbarn einfach diesen Artikel mit den wichtigsten Tipps. Oft lässt sich gemeinsam eine gute Lösung finden.

Nun sind auch Sie startklar für die Adventszeit – falls Sie eine Beleuchtung aufstellen wollen. Vielleicht tut es aber auch gut, einmal ein Jahr auszusetzen, die Lichter der Nachbarn zu bestaunen und sich selbst zu fragen: Braucht es wirklich jedes Jahr eine Weihnachtsbeleuchtung (im Aussenbereich)? Wenn ja, dann natürlich nur mit unseren Tipps.
Auf jeden Fall wünschen wir Ihnen eine schöne Adventszeit.

Zur Vertiefung des Themas Lichtverschmutzung empfehlen wir die Webseite des BAFU zum Thema Licht, das BAFU Magazin «die Umwelt» Ausgabe 3/2022 sowie der 7-Punkte-Plan gegen Lichtverschmutzung.

In der Schweiz ist DarkSky Switzerland für weniger Lichtverschmutzung aktiv. Informationen zur Organisation: darkskywitzerland.ch

Dieser Artikel wurde erstmals im November 2022 veröffentlicht und mittlerweile überarbeitet.

3 Kommentare

  1. Völlig korrekt.

    So mache ich es auch seit Jahren.

    Hier in der Nähe hat es einen Parkplatz, er ist mit einem Strahler, der in alle Richtungen zielt die ganze Nacht voll beleuchtet. Ich habe schon zweimal – jetzt wieder mit den Sparmassnahmen des Bundes, ein Schreiben angebracht, mit logischen Argumenten, man möge doch einen Bewegungsmelder installieren z.B. Ohne Erfolg – wird weggerissen. Schluss. Hier auf dem Areal sind ausserdem viele Häuser, die, aus den Siebzigern stammend, dieser völlige «Wahnsinn» haben, dass sie die ganze Nacht auf den Stockwerken voll beleuchtet sind. Für praktisch niemanden! Ich habe das auch schon bei der Gemeinde und bei unserem Hausverwalter thematisiert, aber er will nichts machen, weil er Angst hat vor Regressforderungen, wenn jemand dann wegen zu wenig Licht hinfällt usw. Aber auch hier wäre ein Bewegungsmelder wohl das Richtige – oder halt Lichtschalter mit Timer, die man auf jedem Stock bei Benötigung anmacht. Aber kann man das überhaupt umstellen? Wo sind die Leitungen? Müsste man alles aufspachteln? Eben – keine Ahnung. Es passiert dann immer nichts, und man weiss nicht wo hinwenden. «Darksky – HP» gibt ja keine Antwort.

    • Unsere Homepage wurde dieses Jahr zum Jubiläum erneuert und liefert etwas mehr Antworten.
      Wir empfehlen mit unabhängigen Lichtplanern zusammen zu arbeiten, wenn man stimmige Lösungen sucht.
      Leider ist weder der Baumarkt noch der günstigste Elektriker die Antwort auf den 7-Punkte-Plan des BAFU.

  2. Danke für den Artikel, er spricht mir aus dem Herzen. Lichter in der Weihnachtszeit faszinieren mich, ich pflege diese und benutze fast ausschliesslich Kerzen mit einer Brenndauer von 4 Stunden (Rechaudkerzen) in Laternen.
    Zu meinem Bedauern / Ärger wird teilweise masslos übertrieben, die blinkenden, farbigen Lichterketten erinnern mich eher an die Chilbizeit, gilt doch die Adventszeit mit dem Weihnachtsfest als besinnlich und bescheiden – diesbezüglich ist wohl in letzter Zeit ganz viel verloren / vergessen gegangen.

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