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April im Supermarkt: Was Sie jetzt nicht kaufen sollten und warum

Erdbeeren im März, Spargeln ab Anfang April, Tomaten das ganze Jahr – die Supermärkte tun so, als gäbe es keine Jahreszeiten mehr. Doch hinter den verfrühten Genüssen steckt eine sehr bittere Ökobilanz. Wir verraten, welches Obst und Gemüse Sie im April besser nicht kaufen sollten und was Sie stattdessen geniessen können.

Die Tage werden länger, die Sonne zeigt sich öfter, doch schon viel früher werben Coop, Migros und Discounter mit Erdbeeren aus Spanien, Spargeln aus Mexiko und Tomaten aus Marokko. Verlockend, denn wer sehnt sich nicht nach Frühling auf dem Teller?

Doch hinter diesen verfrühten Genüssen steckt eine ökologische und oft auch ethische Problematik. Wer bewusst einkauft, kann im April schon vieles geniessen. Aber eben nicht alles! Hier kommt ein kleiner Einkaufsratgeber für den Monat, in dem die Natur langsam erwacht, der Handel aber manchmal zu schnell ist und fast schon aggressiv mit Aktionen für nicht saisonale und nicht regionale Früchte und Gemüse um sich wirft.

Besonders bei Spargeln, Tomaten und Gurken ist das Einsparpotenzial an Treibhausgasemissionen riesig – denn sie werden in grossen Mengen konsumiert und unterscheiden sich je nach Transportweg (Flugzeug, Schiff, LKW) und Anbaumethode (beheiztes oder unbeheiztes Gewächshaus) massiv. Noch grösser ist das Pro-Kilo-Potenzial allerdings bei Papaya, Avocados, grünen Bohnen und Auberginen.

Spargeln: April ist zu früh, auch wenn es sich nicht so anfühlt

Weisser Spargel gilt als das Frühlingsgemüse schlechthin. Doch die Saison beginnt in der Schweiz frühestens Mitte April, richtig los geht es im Mai. Alles, was vorher im Laden liegt, kommt aus wärmeren Regionen. Die Spargeln, die im März und April in den Läden liegen, stammen meist aus Griechenland, Spanien, Peru oder Mexiko und werden per LKW oder oft sogar per Flugzeug transportiert. Ihr Transportweg beträgt somit mehr als 10’000 Kilometer.

Die Ökobilanz von Spargel variiert massiv je nach Herkunft: Peru kommt auf 14,8 kg CO₂-Äquivalent pro Kilogramm Spargel, Mexiko auf 12,4 kg, die USA auf 13,5 kg. Der Treiber ist der Flugtransport, denn er macht in Peru 95 Prozent der Klimabelastung aus, in Mexiko 85 Prozent, in den USA 92 Prozent. Spanischer Spargel (1,5 kg CO₂eq) reist per LKW, Schweizer Freilandspargel (0,8 kg CO₂eq) hat die beste Bilanz. Das heisst: Spargel aus Spanien hat eine rund 1,9-mal schlechtere CO₂-Bilanz als Schweizer Spargel, aus Mexiko das 15,5-fache, aus den USA rund 17-fache und aus Peru das 18,5-fache.

Beim Wasserverbrauch schneidet die Schweiz ebenfalls am besten ab (kaum relevant), während Peru, Mexiko und die USA eine hohe Belastung verursachen. Bei spanischem Spargel macht der Wasserfussabdruck rund ein Drittel der Umweltbelastung aus. Die Düngung verursacht bei allen Herkunftsländern etwa gleich viele CO₂-Äquivalente. In der Schweiz macht sie aber rund die Hälfte der gesamten Umweltbelastung aus, weil der Transportweg sehr kurz ist und der Wasserverbrauch kaum eine Rolle spielt.

Besser: Warten Sie bis Mai, dann schmeckt er auch besser, und Sie unterstützen lokale Produzenten und Produzentinnen. Übrigens: Der einzige Unterschied zwischen grünem und weissem Spargel ist der Anbau. Weisser Spargel wächst unter Erde, während grüner Spargel an die Sonne darf und dadurch sein Aroma und seine Farbe entwickelt.

Tomaten im April: Das ganze Jahr – aber zu welchem Preis?

Tomaten sind der Dauerbrenner im Supermarkt. Doch was viele nicht wissen: Die Klimabilanz variiert je nach Saison und Herkunft massiv. Tomaten haben hierzulande von Juli bis Oktober Saison – und zwar aus ungeheiztem Freiland oder Gewächshaus. Alles, was ausserhalb dieser Monate im Laden liegt, kommt entweder aus beheizten Gewächshäusern (Schweiz, Niederlande) oder aus wärmeren Ländern (Italien, Spanien).

Die Ökobilanz: Die schlechteste Bilanz haben Tomaten aus beheizten Gewächshäusern in nördlichen Ländern. Eine Tomate aus einem beheizten Schweizer Gewächshaus im Mai verursacht mit rund 5,2 kg CO2eq pro Kilo Tomaten über 10-mal mehr Treibhausgase als eine Tomate aus Südspanien oder Sizilien zur gleichen Zeit mit je rund 0,5 kg CO2eq. Dies liegt daran, dass der Transport per LKW weit weniger belastender ist als die fossile Gewächshausheizung. Wird das Tomatengewächshaus jedoch mit Industriewärme beheizt, verbessert sich die Ökobilanz enorm (0,09 kg). Im Sommer hingegen ist die ungeheizte Schweizer Tomate noch immer am klimafreundlichsten (0,04 kg).

Unsere Empfehlung: Tomaten möglichst in der Saison konsumieren (Juli–Oktober). Wer ausserhalb der Saison Tomaten möchte, greift besser zu importierten Tomaten aus warmen Ländern (Südspanien, Süditalien) als zu regionalen, aber beheizten Tomaten. Eine Ausnahme bilden Gewächshäuser, die mit Industrie-Abwärme geheizt werden. Allerdings ist für Konsumierende nicht wirklich ersichtlich, ob eine Tomate so beheizt wurde. Unser Zusatztipp: Regionale Tomaten im Sommer ernten und selbst einkochen, denn das kann bis zu 60 Prozent CO₂ im Vergleich zu gekauften Konserven sparen.

Gurken: Gleiches Prinzip wie bei Tomaten

Gurken haben hierzulande von Juli bis September Saison. Was ausserhalb dieser Monate im Laden liegt, stammt aus beheizten Gewächshäusern (Schweiz, Niederlande) oder aus südlichen Ländern (Spanien, Italien, Türkei).

Die Ökobilanz für Gurken ist das gleiche Muster wie bei Tomaten: Die Gewächshausheizung in nördlichen Ländern verursacht deutlich mehr Treibhausgase als der Transport aus südlichen Ländern. Verarbeitete Gurken (z.B. Essiggurken) aus der Türkei oder aus osteuropäischen Ländern schneiden dann gut ab, wenn sie aus ungeheizter Produktion stammen und der Transportweg kurz ist.

Zahlen, die nachdenklich machen: In den letzten 20 Jahren ist der Import von Gurken in der Schweiz um über 37 Prozent gestiegen, von rund 17’000 Tonnen in den Jahren 2000 bis 2002 zu rund 23’400 Tonnen in den Jahren 2022 bis 2024 – Tendenz steigend.

Die Empfehlung: Gurken möglichst in der Saison aus der Region konsumieren. Ausserhalb der Saison sind importierte Gurken aus warmen Ländern (Spanien, Italien) den regionalen, beheizten Gurken vorzuziehen.

Erdbeeren im März und April: Die grösste Verführung und zugleich eine grosse Umweltbelastung

Seit Anfang März bewerben Detailhändler die ersten Erdbeeren. Doch keine einzige dieser Früchte stammt aus der Schweiz oder auch nur aus Mitteleuropa. Erdbeeren haben hierzulande ihre Saison frühestens ab Mitte Mai und bis August. Die Haupternte läuft nämlich von Ende Mai bis Mitte Juni. Was Sie stattdessen kaufen: Erdbeeren aus Spanien, Italien, Griechenland oder sogar Marokko. Sie werden in beheizten Gewächshäusern (fast ausschliesslich mit fossilen Brennstoffen) oder unter Folientunneln angebaut, oft mit hohem Pestizideinsatz, enormen Wasserverbrauch in Regionen, wo Wasser bereits eine knappe Ressource ist und dann über tausende Kilometer gekühlt transportiert werden.

Die Ökobilanz: Eine Früh-Erdbeere im März hat eine ca. 2,7 Mal schlechtere CO₂-Bilanz als eine Freiland-Erdbeere im Juni. Der WWF Schweiz beziffert den Mehrverbrauch an Erdöl allein für den Transport von nicht-saisonalen Produkten allgemein auf ein Vielfaches. Für eine nachhaltige Wahl sind saisonale Schweizer Erdbeeren aus dem Freiland am besten. Aber was viele nicht wissen: Wenn Erdbeeren ausserhalb der Saison gewünscht sind, sind spanische Freiland-Erdbeeren meistens ökologisch besser als Schweizer Gewächshaus-Erdbeeren.

Zahlen, die nachdenklich machen: In den letzten 20 Jahren ist der Import von Erdbeeren in der Schweiz um 19 Prozent gestiegen, von rund 11’400 Tonnen in den Jahren 2000 bis 2002 zu rund 13’600 Tonnen in den Jahren 2022 bis 2024.

Die gute Nachricht: Wer bis Ende Mai wartet, bekommt Erdbeeren, die reif geerntet, nicht tausende Kilometer transportiert und oft auch geschmacklich viel besser sind.

Grüne Bohnen: Der Flug ist das Problem

Grüne Bohnen haben hierzulande von Juni bis September Saison. Was ausserhalb dieser Monate im Laden liegt, stammt aus Importen – hauptsächlich aus Marokko, Italien, Ägypten, Frankreich, Portugal und Kenia. Die grösste Umweltbelastung entsteht nicht durch den Anbau, sondern durch den Transport.

Die Ökobilanz: Grünen Bohnen sind aufgrund der grossen konsumierten Menge und des Transports ein Produkt mit hohem Einsparpotenzial. Insbesondere frisch eingeflogene Bohnen aus Kenia sind um ein vielfaches schlechter als alle Bohnen, auch im Vergleich zu tiefgekühlten Bohnen. Zudem ist der Wasserfussabdruck in Herkunftsländern wie Ägypten, wo Wasser eine knappe Ressource ist, besonders kritisch.

Die Empfehlung: Warten Sie bis zur Saison. Wenn Sie trotzdem Bohnen möchtest, greifen Sie zu europäischen Bohnen (Italien, Spanien) per LKW und vermeide Flugimporte aus Marokko, Ägypten oder Kenia. Und wer Bohnen haltbar machen möchte, greift am besten zu getrockneten, denn sie schneiden ökologisch besser ab als konservierte oder tiefgekühlte.

CO₂ und Biodiversität: Wo wir als Konsumierende am meisten bewirken können

Den grössten Hebel für beide Probleme – CO₂-Ausstoss und Biodiversitätsverlust – haben Konsumierende bei Spargeln, Bananen, Zitrusfrüchten, Tomaten und Avocados. Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen: Woher kommen sie? Wie weit wurden sie transportiert? Wachsen sie in beheizten Gewächshäusern? Und falls sie in der Schweiz angebaut werden können: Wann haben sie Saison? Wer hier auf saisonale, regionale Produkte achtet oder bei exotischen Früchten auf Bio-Siegel setzt, schützt nicht nur das Klima, sondern auch die Artenvielfalt. Einige der erwähnten Produkte schlagen zudem durch ihren grossen Konsum zu Buche, und bei manchen ist der Import in den letzten 20 Jahren stark gestiegen und steigt weiter an. So etwa bei Bananen, wo der Import um 41,4 Prozent gestiegen ist.

Zu diesen Produkten gesellen sich weitere Übeltäter: Beim CO₂-Ausstoss haben zusätzlich grüne Bohnen, Gurken, Auberginen und Papaya einen grossen Einfluss. Ihr Einsparpotenzial ist hoch, weil vor allem der Transport eine Rolle spielt. Bei der Gurke ist jedoch ein anderer Faktor viel relevanter: Wird sie im beheizten Gewächshaus angebaut, explodiert ihre Klimabilanz regelrecht (ähnlich wie bei Tomaten). Was die Biodiversität betrifft, haben Konsumierende zudem einen grossen Hebel bei Tafeltrauben und Äpfeln. Bei den Tafeltrauben sind die Biodiversitätsverluste durch Landbesetzung und Wasserverbrauch aufgrund unseres übermässigen Konsums hoch. Auch bei den Äpfeln schlägt die grosse Konsummenge zu Buche, wodurch auch die Landbesetzung hoch ist. Hinzu kommt, dass der Pestizideinsatz bei der Methode der ökologischen Knappheit stärker gewichtet wird.

Anmerkung: Das heisst nicht, dass alle anderen hier nicht erwähnten Gemüse- und Obstsorten unproblematisch sind. Die Liste ist nicht abschliessend.

Was Sie stattdessen im April geniessen können (saisonal, regional, lecker)

Statt importierter Erdbeeren nehmen Sie doch Rhabarber. Er ist das echte Frühlingsgemüse, sauer-frisch und perfekt für Kuchen oder Kompott. Seine Saison beginnt jetzt im April und dauert bis Juni. Radieschen statt Spargel aus Peru oder Mexiko – sie sind knackig, scharf und haben ab April Saison. Spinat ist jetzt frisch, zart und vielseitig. Auch Rucola, Sauerampfer und Löwenzahn starten im April und bringen Würze in saisonale Salate. Nüsslisalat (Feldsalat), Bärlauch und Winterportulak verabschieden sich zwar langsam, aber sie sind noch da. Bei den Kräuten: SchnittlauchPetersilie und Kerbel wachsen jetzt wieder draussen und schmecken nach Frühling. Und dann ist da noch das, was aus dem Lager kommt: Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Randen, weisser und roter Kabis sowie Wirz. Alles aus der Schweiz, alles regional, alles ohne tausende Kilometer Transport.

Die wichtigsten Faustregeln

Saison und Region sind entscheidend: Schweizer Freilandprodukte sind am besten.
Ausserhalb der Saison sind Importe aus warmen Ländern (Spanien, Italien) meistens besser als regional beheizte Produkte.
Bio-Produkte belasten die Umwelt weniger, da sie höheren Anforderungen unterliegen. Auf Schweizer Biobetrieben gilt die Vorgabe, möglichst sparsam zu heizen und ab 2040 ist nur noch Heizung mit erneuerbaren Energiequellen erlaubt.
Flugtransporte sind aus Klimasicht immer die schlechteste Wahl, darum unbedingt vermeiden!
Ungekühlt statt gekühlt, denn Kühlung und Tiefkühlung verbrauchen enorm viel Energie.
Food Waste vermeiden, denn ein Drittel aller essbaren Lebensmittel in der Schweiz landet im Abfall, wodurch die gesamte Produktionskette umsonst war. Ein weggeworfenes Regionalprodukt kann die Umwelt zudem mehr belasten als ein gegessenes Importprodukt. Kaufen Sie bewusst ein!

Tipp: Nutzen Sie Saisonkalender! Sie zeigen, was saisonal und regional ist. Aber auch hier lohnt es sich, kritisch zu bleiben, denn je nach Herausgeber sind die Angaben unterschiedlich genau.

Geduld ist nachhaltig

Der April ist ein Monat der Vorfreude. Die Natur braucht ihre Zeit und wir sollten sie ihr geben. Wer jetzt auf Erdbeeren aus Spanien verzichtet und stattdessen einen Rhabarberkuchen backt, wer Spargeln noch ein paar Wochen stehen lässt und sich an Feldsalat und Spinat erfreut, der tut nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern erlebt auch, was Saison bedeutet. Nämlich, dass Genuss umso intensiver ist, wenn er sich nicht das ganze Jahr über beliebig abrufen lässt.

Wer im April auf das verzichtet, was noch nicht reif ist, entdeckt die Vielfalt des Monats neu. Und wer bis Mai wartet, wird mit Erdbeeren und Spargel belohnt, die nicht nur besser schmecken, sondern auch die bessere Ökobilanz haben.

Quellen und weitere Informationen

1 Kommentar

  1. Gibt es zu «Ökobilanzierung Früchte- und Gemüseproduktion – eine Entscheidungsunterstützung für ökologisches Einkaufen» mittlerweile neuere Zahlen, welche z. B. nachhaltig beheizte Gewächshäuser im Biolandbau berücksichtigen? Oder sind diese Zahlen immernoch weitgehend aktuell? Wisst Ihr da etwas?

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