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Was unternimmt die Schweiz für den Regenwaldschutz?

Obwohl in der Schweiz selbst kein tropischer Regenwald wächst, trägt das Land Mitverantwortung für dessen Zukunft. Unser Konsum, internationale Handelsbeziehungen, Rohstoffimporte und politische Entscheidungen beeinflussen, ob Wälder geschützt oder weiter zerstört werden. Freihandelsabkommen mit Staaten wie Brasilien oder Malaysia zeigen, wie schwierig es bleibt, wirtschaftliche Interessen mit wirksamem Regenwaldschutz zu verbinden. Der Verein GREEN BOOTS legt dar, was die Schweiz bereits unternimmt, wo Fortschritte sichtbar sind und wo weiterhin grosse Lücken bestehen.


Originalpublikation von Charlotte Brekeller für den Verein GREEN BOOTS


Der Morgendunst hängt schwer über dem Blätterdach des Amazonas. Wassertropfen perlen von sattgrünen Blättern ab, Kolibris schwirren von Blüte zu Blüte, Affen turnen waghalsig durch die Baumkronen, und aus der Ferne plätschert ein Wasserfall über moosbewachsene Felsen. Eine üppige, vibrierende Welt voller Leben – und gleichzeitig ein Paradies in akuter Gefahr. Denn nur wenige Kilometer weiter verdrängt das Heulen der Kettensägen die Melodie dieser vielfältigen Natur. Jahrhundertealte Baumriesen stürzen mit donnerndem Krachen zu Boden, und zurück bleibt eine kahle, rotbraune Schneise, dort, wo zuvor unzählige Arten ihr Zuhause hatten.

Nicht unser Problem? Oh doch!

Die Schweiz spielt im weltweiten Kampf gegen Entwaldung eine wichtigere Rolle als man denkt. Zwar gibt es hier keine Tropenwälder, doch unsere Handelsbeziehungen, unser Konsum und unsere Gesetzgebung beeinflussen direkt, wie viel von ihnen weltweit erhalten bleibt. Doch was unternimmt die Schweiz eigentlich bisher für ihren Schutz?

Verfassungs- und Gesetzesgrundlagen

Die Bundesverfassung verpflichtet die Schweiz zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 2, Art. 74 BV). Zudem wurde 2022 die Holzhandelsverordnung[1] eingeführt: Zum ersten Mal gelten verbindliche Sorgfaltspflichten, damit kein illegal geschlagenes Holz mehr auf dem Schweizer Markt landet. Ebenfalls ein Fortschritt: Die Deklarationspflicht für Holzprodukte[2], die Konsument:innen Transparenz über Herkunft und Art des Holzes gibt.

Die Schweiz ist darüber hinaus Teil wichtiger internationaler globaler Abkommen: Sie hat u.a. die Biodiversitätskonvention[3], das Pariser Klimaabkommens[4] und das Kunming-Montreal-Abkommen (2022)[5] unterzeichnet sowie CITES[6], eine Handelskonvention mit dem Ziel, die Tier- und Pflanzenpopulation unserer Welt nachhaltig zu nutzen und zu erhalten

Bundeshaus – Bild: © Micael Hintze

Handelspolitik, Klimaabkommen

Einen besonders grossen Einfluss auf den Schutz tropischer Wälder hat die Schweiz über ihre Handelspolitik. Denn ein erheblicher Teil der weltweiten Entwaldung hängt mit der Produktion von Agrarrohstoffen wie Soja, Palmöl, Rindfleisch, Kakao oder Kaffee zusammen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Umweltabkommen die Schweiz unterzeichnet, sondern auch, unter welchen Bedingungen solche Produkte auf den Schweizer Markt gelangen. In neueren Freihandelsabkommen versucht die Schweiz, Umwelt- und Sozialstandards stärker zu verankern. Damit entsteht allerdings ein Spannungsfeld: Einerseits sollen neue Absatzmärkte erschlossen und Handelshemmnisse abgebaut werden, andererseits darf eine Ausweitung des Handels nicht dazu führen, dass Entwaldung, Biodiversitätsverlust oder Menschenrechtsverletzungen in den Produktionsländern zusätzlich begünstigt werden.

Mercosur-Abkommen scheitert im Nationalrat

Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Darin gewährt die Schweiz unter anderem neue oder vergünstigte Importkontingente für verschiedene Agrarprodukte. Gerade mit Blick auf Brasilien ist dies für den Regenwaldschutz relevant, denn die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen gehört zu den zentralen Ursachen der Entwaldung. Das Abkommen enthält deshalb ein eigenes Kapitel zu Handel und nachhaltiger Entwicklung sowie eine Zusatzvereinbarung mit Verpflichtungen zum Schutz der Wälder und der Biodiversität, zur Bekämpfung der Entwaldung, zur nachhaltigen Landwirtschaft und zu den Rechten indigener Gemeinschaften.

Ob diese Bestimmungen ausreichen, ist jedoch fragwürdig. Die Grünen und SP setzten sich deshalb dafür ein, die Vorgaben der EU-Entwaldungsverordnung in das Abkommen zu übernehmen. Schlussendlich scheiterte das gesamte Abkommen im Nationalrat. Damit zeigt das Mercosur-Abkommen exemplarisch, wie schwierig es für die Schweiz bleibt, wirtschaftliche Interessen und einen glaubwürdigen Schutz tropischer Wälder miteinander zu verbinden.[7]

Die Allianz gegen Regenwald-Abholzung legt ihre Argumente gegen die Freihandelsabkommen dar. Bild: © Allianz gegen Regenwald-Abholzung (Ausschnitt aus der Website: regenwald-retten.ch)

Call-to-Action: Palmöl-Abkommen mit Malaysia

In einem neuen Freihandelsabkommen mit Malaysia sollen Zölle auf 12’500 Tonnen Palmöl gesenkt werden – ohne griffige Massnahmen gegen Regenwald-Abholzung und Zwangsarbeit vorzusehen. Damit treibt die Schweiz die Abholzung des bereits stark gefährdeten Regenwalds in Malaysia weiter an und gefährdet die Rechte von Arbeiter:innen auf den Plantagen sowie indigenen Gemeinschaften. Darüber hinaus droht das Abkommen die Rechte von Kleinbäuer:innen einzuschränken, ihr Saatgut selbst zu vermehren und zu tauschen.

Aufgrund der Palmölindustrie sind in Malaysia aktuell fast eine halbe Million Hektaren Regenwald akut von Regenwald-Abholzung bedroht. Es braucht jetzt unseren Druck, damit bei Zollerleichterungen auf Importe aus Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen nicht mehr weggeschaut wird. Jede Unterschrift zählt, um dieses schädliche Palmöl-Abkommen mit einem Referendum zu stoppen?[8]

Positive Entwicklungen bei Soja

Während auf politischer Ebene noch um geeignete Steuerungs- und Finanzierungsmechanismen gerungen wird, zeigen sich in einzelnen Sektoren bereits konkrete Fortschritte. Bei Soja, einem Haupttreiber der Entwaldung, stammt ein grosser Teil des direkt importierten Futtermittels mittlerweile aus Europa und aus zertifizierten, gentechfreien Lieferketten.[9]

Problematisch bleiben weiterhin Fleischimporte aus dem Ausland, bei denen nicht nachvollzogen werden kann, aus welchen Regionen die dafür eingesetzten Futtermittel stammen. Rund ein Fünftel des in der Schweiz verfügbaren Fleisches wird importiert – und damit auch immer noch ein Teil des globalen Entwaldungsrisikos.[10]

Soja stammt mittlerweile vorwiegend aus europäischem Anbau. Bild: © Soja Netzwerk Schweiz

Warum es Organisationen wie GREEN BOOTS braucht

All diese politischen und wirtschaftlichen Instrumente und Anreize sind wichtig, denn die Ursachen der Entwaldung liegen in globalen Lieferketten, komplexen Handelsstrukturen und Konsummustern, die für Einzelpersonen kaum durchschaubar sind. Doch wirksam werden sie nur, wenn sie von zivilgesellschaftlichem Engagement, Aufklärungsarbeit und insbesondere von lokalen Organisationen begleitet werden.

Die Stärkung lokaler Akteur:innen ist entscheidend, denn sie wirken dort, wo globale Ansätze oft nicht greifen: direkt in den Gemeinden, die tagtäglich mit den Folgen von Entwaldung leben. GREEN BOOTS unterstützt diese Arbeit durch gezielte Mitfinanzierung. Denn wir wissen aus Forschung und Praxis: Indigene Gemeinschaften gehören seit Generationen zu den verlässlichsten und wirkungsvollsten Hüter:innen der Wälder. Wenn wir ihre Rechte stärken und sie schützen, schützen wir auch die Regenwälder unserer Erde.

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