Am 13. November hat der Kanton Graubünde zwei weitere Rudel zum Abschuss freigegeben. Der Kanton hält trotz negativen Auswirkungen stur und gegen jegliche wissenschaftlichen Erkenntnisse an der unbegründeten Abschusspolitik fest. Ergebnisse von vergangenen Abschüssen deutet jedoch darauf hin, dass dieser Ansatz nicht zielführend ist. Bedauerlich ist, dass sowohl der Kanton als auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die komplexen Verhaltensmuster der Wölfe offenbar nicht umfassend berücksichtigen und deshalb weitere Rudel zum Abschuss freigeben.
Die Aufgabe des BAFU und der kantonalen Ämter wäre es, sich für eine artenreiche Umwelt und ein intaktes Ökosystem einzusetzen. Was sie jetzt machen, ist jedoch genau das Gegenteil. Mit ihrem Handeln zerstören sie die Entwicklung einer gesunden und genetisch vielfältigen Wolfspopulation und die Entstehung eines natürlichen Gleichgewichtes zwischen den heimischen Grossraubtieren und ihren Beutetieren.
Rudelregulierung zeigt nicht das gewünschte Resultat
Graubünden bekam vom BAFU bereits die Bewilligung um zwei Drittel aller in diesem Jahr geborenen Welpen abzuschiessen und das Moesola-Rudel ganz zu eliminieren. Nun sollen auch das ganze Muchetta-Rudel und das in diesem Jahr neu gebildete Sinestra-Rudel vollständig abgeschossen werden.
Aus der Abschussverfügung des Kantons Graubündens ist zu lesen: «Das Wolfsrudel Muchetta hat trotz vorjähriger Jungtierregulation mehrfach unerwünschtes Verhalten gegenüber dem Menschen gezeigt.»
Der Verein CHWOLF sagt dazu: Brisant ist, dass das Muchetta-Rudel vor der Rudelregulierung jahrelang nie ein unerwünschtes Verhalten Menschen gegenüber gezeigt hat. Der Abschuss der Welpen hat beim Muchetta-Rudel nicht das vom Kanton erträumte Resultat (scheues Verhalten gegenüber Menschen) erzielt, sondern genau das Gegenteil bewirkt. Durch die ungerechtfertigte und willkürliche Basisregulation der letzten Regulierungsperiode wurden Familienstruktur und natürliches Sozialverhalten vorsätzlich zerstört. Dies ist nun das Resultat.
Massiv mehr Risse im Engadin
Im Gebiet rund um den Schweizer Nationalpark wurde in der zweiten Regulierungsperiode das gesamte Fuorn-Rudel ausgelöscht, welches sein Kerngebiet im Nationalpark hatte (15 Wölfe wurden geschossen). Die Abschüsse waren haltlos und sehr umstritten, da der Nationalpark das Best geschützte Gebiet in der Schweiz ist und das Rudel sehr unauffällig war und keine Schafe oder Ziegen gerissen hat. Einzig zwei Rinderrisse wurden dem Rudel angerechnet, obwohl die DNA-Analysen dies nicht bestätigen konnten.
Dieses Jahr haben sich im Gebiet des Nationalparks und der weiteren Umgebung zwei neue Rudel gebildet und es ist zu sehr vielen Rissen an ungeschützten, oder ungenügend geschützten Schafen gekommen. Bei den beiden neuen Rudeln Sinestra und Clemgia wurde bereits eine «Basisregulation» mit dem Abschuss von zwei Drittel der Welpen bewilligt. Nun darf das Sinestra-Rudel vollständig eliminiert werden.
Auch hier hat der Abschuss des unauffälligen Fuorn-Rudels zu massiv mehr Schäden im Unterengadin geführt. Der Verein CHWOLF warnte bereits im Vorfeld, dass sich die Abschüsse kontraproduktiv auswirken werden. Dies haben sie so auch in ihrem Bericht an die Berner Konvention festgehalten.
Eine praktische Analyse des Naturschutzbund Deutschland NABU: Wölfe Bejagen = weniger Risse?
Studie aus Lettland «Does Wolf Management in Latvia Decrease Livestock Depredation?»




