Start News Politik 40 Jahre Berner Konvention: Die Schweiz tut immer noch zu wenig

40 Jahre Berner Konvention: Die Schweiz tut immer noch zu wenig

Vor 40 Jahren trat die Berner Konvention in Kraft. Das europäische Abkommen wurde in der Schweizer Hauptstadt unterzeichnet und sollte zum Schutz der Biodiversität beitragen. BirdLife Schweiz kritisiert, dass aber gerade die Schweiz viel zu wenig für die Biodiversität unternimmt.

Das internationale “Übereinkommen zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere sowie ihrer natürlichen Lebensräume”, kurz Berner Konvention, trat vor genau 40 Jahren am 1. Juni 1982 in Kraft. Sie wurde im Rahmen des Europarats drei Jahre zuvor im Berner Rathaus unterzeichnet und trägt deshalb den Namen der Bundesstadt. Die Berner Konvention war damals das erste Abkommen, das den Schutz der Biodiversität auf europäischer Ebene regelt.

Doch die Schweiz hinkt auch bei der Berner Konvention mit der Umsetzung hinten nach, schreibt BirdLife Schweiz in einer Medienmitteilung. “Zu lange wurde das Abkommen nur mit dem Schutz von Grossraubtieren in Zusammenhang gebracht. Ziel des Übereinkommens ist es aber, die wildlebenden Pflanzen und Tiere sowie ihre natürlichen Lebensräume in ihrer Gesamtheit zu erhalten und die Zusammenarbeit aller Länder Europas zu fördern”, erklärt Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz. “Die Schweiz mag vor vier Jahrzehnten noch zu den Musterschülerinnen des Kontinents im Naturschutz gezählt haben, heute ist sie es sicher nicht mehr.”

Die Schweiz tut viel zu wenig

Die Berner Konvention enthält viele Massnahmen, die zum Erhalt der Natur umgesetzt werden sollen. Die Schweiz ist bisher den wenigsten nachgekommen. 1996 zum Beispiel wurde beschlossen, dass sich die Mitgliedstaaten für den global gefährdeten Wachtelkönig einsetzen sollen. Doch unser Land wurde nicht aktiv. So startete BirdLife Schweiz ein Schutzprojekt für den heimlichen Wiesenvogel und führt dieses bis heute weiter. Der Wachtelkönig brütet nun wieder fast jedes Jahr in der Schweiz. Immerhin tragen Bund und Kantone das BirdLife-Wachtelkönigprojekt heute als Teil des Programms Artenförderung Vögel Schweiz von BirdLife Schweiz und Schweizerischer Vogelwarte mit Unterstützung des BAFU mit.

2004 empfahl die Berner Konvention, die gefährlichsten Masttypen von Stromleitungen, an denen gefährdete Vogelarten durch Stromschlag getötet werden, zu verbieten. In der Schweiz ist eine entsprechende Regelung seit Jahren im Bundesrat blockiert. Der Stromtod von Vögeln an Leitungsmasten ist vom Artenschutz her unverständlich: Die entsprechenden Massnahmen sind seit Jahrzehnten bekannt. Der Schutz der Vögel dient auch der Versorgungssicherheit, weil der Tod der Vögel einen Kurzschluss und damit oft einen Stromunterbruch verursacht.

Schlusslicht bei den Schutzgebieten

Besonders gross ist der Rückstand der Schweiz bei den Schutzgebieten, die gefährdete Arten und ihre Lebensräume bzw. Ökosysteme erhalten sollen. Seit 1989 müsste auch unser Land am europaweiten Schutzgebietsnetzwerk mit dem Namen „Smaragd“ arbeiten. Unsere Nachbarländer haben das Netzwerk seit 1992 kontinuierlich aufgebaut. In Frankreich nimmt es unter der EU-Bezeichnung „Natura2000“ heute 13 Prozent der Landfläche ein, in Deutschland und Österreich 15 Prozent und in Italien 19 Prozent. Die Schweiz hat 2012 drei Dutzend bereits weitgehend geschützte Gebiete der Berner Konvention gemeldet, die 1,6 Prozent der Landesfläche umfassen. Seit zehn Jahren ist erneut Funkstille.

Generell ist unser Land bezüglich Schutzgebetskategorien das Schlusslicht Europas. „Eine korrekte Berechnung der Schutzgebiete der Schweiz ergibt knapp 10 Prozent der Landesfläche“, betont Raffael Ayé. Da seien bereits Gebiete von 4 Prozent mit schwachen Schutzanforderungen wie die Jagdbanngebiete mitgerechnet. Um einen höheren Wert ausweisen zu können, verwende der Bund unter der Bezeichnung „ausgewiesene Flächen für die Biodiversität“ einen Wert von 13,4 Prozent der Landesfläche. Raffael Ayé betont: „Indem man zu den Schutzgebieten einfach weitere, nicht langfristig geschützte Gebiete hinzuzählt, ist der Schweizer Natur nicht geholfen. Die Schweiz muss jetzt rasch eine gute Ökologische Infrastruktur aufbauen und generell die Förderung der Biodiversität deutlich stärken.“

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